Das Thema Mobbing findet zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit und wird längst nicht mehr nur mit der Arbeitswelt in Verbindung gebracht. Auch in Schulen sind Mobbingvorfälle verbreitet - sei es innerhalb des Kollegiums, innerhalb der Schülerschaft oder auch im Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schulkindern.
Mobbing (englisch to mob: angreifen, anpöbeln, schikanieren) bezeichnet aggressive Handlungen, die sich wiederholt und über einen längeren Zeitraum gegen einzelne spezifische Personen richten. Die "Mobber" sind dem Opfer dabei an Macht überlegen (Olweus, 1996). Im schulischen Kontext wird überwiegend von "Bullying" und entsprechend vom Bully (Täter) und dem Victim (Opfer) gesprochen, wenn es um das Verhalten von Schülerinnen und Schülern untereinander geht. Im folgenden Text werden die Begrifflichkeiten Bullying und Mobbing synonym genutzt.
Mobbing-StrategienGenerall kann zwischen verschiedenen Formen des Bullyings unterschieden werden. Eine erste Differenzierung bezieht sich auf die Strategie, mit der das Opfer angegriffen wird. Opfer können entweder direkter Gewalt (schlagen, stoßen, kneifen, festhalten, beschmutzen, bespucken, einsperren, bedrohen) oder aber indirekten Angriffen in Form von gesellschaftlicher Ausgrenzung oder Manipulation der sozialen Beziehungen (Gerüchte verbreiten, lästern, ausgrenzen, ignorieren) ausgesetzt sein.ErscheinungsformenEine weitere Unterscheidung liegt in der Erscheinungsform. Es kann körperlich, verbal oder relational gemobbt werden. Das Fallbeispiel zeigt, dass es in der Praxis häufig zu einer Kombination der verschiedenen Formen des Bullyings kommt. Zunächst spielt sich das Mobbing auf der Beziehungsebene (verbal) ab, indem eine Schülerin oder ein Schüler wiederholt aus der Gleichaltrigengruppe ausgeschlossen wird, und steigert sich dann bis hin zu direkter, körperlicher Gewalt (Scheithauer, Hayer, Petermann 2003).Besondere FormenNeben den klassischen Unterscheidungsformen treten vermehrt alternative Erscheinungsformen von Bullying auf. Besondere Formen des Mobbing stellen das xenophobische (beruht auf Angst vor Fremden oder Fremdem) und das rassistische Mobbing sowie Bullying über neue Medien (Handy, Computer) dar. Allen Handlungen gemein ist, dass sie auf eine Demütigung der Opfer zielen.
Alarmierende ZahlenIn Deutschland berichten etwa fünf bis elf Prozent aller Schülerinnen und Schüler, regelmäßig (ein- bis mehrmals pro Woche) als Täter oder Opfer in Bullyinghandlungen involviert zu sein (Scheithauer, Hayer, Petermann 2003). Jungen sind im Vergleich zu Mädchen häufiger in direkte und offene Formen des Bullyings (zum Beispiel körperliche Gewalt) verwickelt und fallen daher auch eher auf. Mädchen berichten eher von verbalen Mobbinghandlungen. Indirekte, relationale Mobbingformen treten bei Jungen und Mädchen gleichermaßen auf.Entwicklungsübergänge bergen GefahrenMobbing tritt in allen Altersgruppen, Schulformen und auch schon im Kindergarten auf. Es ist davon auszugehen, dass das Ausmaß von Bullying mit zunehmendem Alter mit einer Spitze bei den 13- bis 15-jährigen Jugendlichen zunimmt und danach stetig wieder abnimmt (Rigby 1997). Besondere Gefahren zur Entstehung von Mobbing liegen in Entwicklungsübergängen wie beispielsweise dem Schuleintritt oder Schulwechsel.Bis hin zu SelbstmordgedankenDie Folgen für die viktimisierten Schülerinnen und Schüler sind weit reichend und können kurz-, mittel- und langfristig anhalten. Je nach Dauer und Intensivität der Mobbinghandlungen sind zum Teil schwerwiegende psychische oder psychosomatische Symptome zu erwarten (Alsaker 2003, Scheithauer, Hayer, Petermann 2003): Unkonzentriertheit, Essstörungen, Leistungsabfall, Isolation, Angst, Depression bis hin zu Suizidgedanken.
Hier finden Sie Unterrichtsmaterialien, Tipps und Anregungen zum Thema Mobbing auf einen Blick.Mobbing in der Schule
Britta Michaelsen-Gärtner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Lüneburg und für die pädagogische Koordination des Projekts MindMatters verantwortlich.
Lebenswelt, Gesellschaft, zwischenmenschliche Beziehungen