Präventionsprojekt: Ausbildung von Medienscouts

Die Gewaltbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen nimmt beständig zu. Die Medien spielen dabei in mehrfacher Hinsicht eine Verstärkerrolle. Die Initiative Medienscout bildet Kinder und Jugendliche aus, die in ihren Altersgruppen mediale Aufklärungsarbeit mithilfe medialer Präsentationen leisten können.
 

Medienscout ist eine Initiative, die unmittelbar nach dem Amoklauf in Winnenden in einer Zusammenarbeit zwischen dem Institut für kulturrelevante Kommunikation und Wertebildung (IKu-Institut), vimotion und der Präventionsstelle der Kriminalpolizei Waiblingen gegründet wurde. Ziel ist es, die Beeinflussungsstrategien der Medien aufzuzeigen und diese zu bewerten. Die Schülerinnen und Schüler werden dabei von Expertinnen und Experten begleitet. Die Effektivität des Medienscout-Einsatzes wird durch Videoaufnahmen und Fragebögen evaluiert beziehungsweise qualitativ gefördert.

 

Der Medienscout in Winnenden

Ansatz des Präventionskonzepts
Heutzutage stehen Unternehmen viele mediale Beeinflussungsmethoden zur Verfügung, um Ihre Produkte zu bewerben. Einige bedienen sich dieser Beeinflussungsmethoden auch, um zum Beispiel Schönheitsideale, Gewaltspiele, Statussymbole und Marketingstrategien anhand ausgeklügelter Techniken am Markt zu positionieren. Genau hier setzt der Medienscout an und zeigt den Jugendlichen, wie diese Beeinflussung aussieht und wie man damit umgeht.

Ausbildung zu Medienscouts
Im Rahmen des Projekts werden Schülerinnen und Schüler im einem ersten Schritt in einem 40-stündigen Blended-Learning Setting zu Medienscouts ausgebildet (Basisausbildung). Anschließend klären sie als kleines Team im Schulunterricht ihre Mitschülerinnen und Mitschüler über mediale Beeinflussungsstrategien auf. Bei Medienscout gibt es derzeit mehrere Aufbaumodule die sich in verschiedene Schwerpunkten gliedern, wie beispielsweise Medien in der Natur (Naturecode), Moviecode und vieles andere.

Vorgeschichte

Die Vorstufen zum Projekt wurden zwischen 2004 und 2007 an einigen Schulen in Brandenburg und Bayern wissenschaftlich evaluiert (Godina 2007). 2009 begann man mit der Planungen und Umsetzung des Projektes Medienscout in Winnenden am Georg Büchner Gymnasium und heute ist dieser Medienscout die erste mediale Pfadfinderschaft.

Ausbildung zum Mediencout

Die Ausbildungsmodule
Die Medienscouts werden in verschiedenen Bereichen betreut, gefördert und ausgebildet. Die gesamte Gruppe der Schülerassistenten wird in aufeinander folgenden Modulen systematisch gefördert und ausgebildet:

  • Persönlichkeitspsychologie
  • Ausbildung über psychologische Mechanismen und Funktionen des Gehirns
  • Beeinflussungsstrategien im Medienbereich
  • Grundsätzliche filmische Methoden
  • Grundlagen zur allgemeinen Medienpädagogik
  • Rhetorik-Seminar
  • Präsentationstechniken

Materialien selber auswählen
Die Schülerinnen und Schüler wählen ihre Materialien selbst aus, die sie auf die von ihnen gewünschte Art vorstellen können. Sie erhalten einen Grundstock an textuellen, bildlichen und filmischen Materialien und Präsentationen, die sie gemäß ihrer Persönlichkeit, ihren Interesse und der situativen Erfordernisse ergänzen können.

Permanente interne Evaluation

Damit die Medienscouts sich in der didaktischen und inhaltlichen Qualität weiter entwickeln können, werden die Unterrichtseinheiten gefilmt und unterschiedliche Fragebögen an die Schülerinnen und Schüler sowie an die Lehrkräfte verteilt. Dadurch wird eine permanente interne Evaluation erreicht, die mit einer externen Evaluation zu ergänzen wäre.

Lernmanagement-System

Speziell für die Medienscouts wurde ein Lernmanagement-System (www.lifetime-learning.de) angelegt. Dort sind Texte, kurze Filme und vieles mehr zum Ansehen, Lernen und Benutzen hinterlegt. Jeder, der in diesem System ein Konto hat, hat gleichzeitig auch ein soziales Netzwerk, auf dem er sich mit den anderen Medienscouts, die inzwischen in ganz Deutschland und auch in der Schweiz vertreten sind, austauschen kann.

Literatur

Diese Arbeiten sind im Fachbuch "Werteorientierte Medienpädagogik - Präventionsprojekt Medienscout", VS Verlag (Springer Fachmedien), Wiesbaden 2011, ISBN: 978-3-531-17979-7 ausgearbeitet.

Internetadresse

Informationen zu den Autoren

Harald Grübele
ist Filmemacher (Vimotion) und leitet die praktisch angewandte Medientechnik und die medientechnische Forschung im Medienscoutprojekt.

Dr. phil. Bojan Godina
ist der Direktor des Instituts für kulturrelevante Kommunikation und Wertebildung (ThH-Friedensau) und forscht im Bereich der medialen Beeinflussungsmethoden und Menschenrechte.

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