Legastheniker gelten als dumm, sie werden ausgelacht und ihre Noten sind meist auch in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern schlecht. Frust, Enttäuschung und ein angegriffenes Selbstwertgefühl sind fast zwangsläufig die Folge, wenn Ihnen keine spezifische Förderung zu Hilfe kommt.
Die Forschung geht weiterDie Diagnose einer Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) ist schwierig: Längst ist erwiesen, dass Legasthenie eine biogenetische Störung ist, die zwar die Lese- und Rechtschreibfähigkeit erheblich beeinträchtigt, aber mit einer "normalen", bisweilen sogar überdurchschnittlich kreativen und technischen Begabung einhergeht. Die Ursachen der Legasthenie sind jedoch nicht vollständig erforscht. Im Gehirn von legasthenen Jugendlichen sind neurobiologische Veränderungen feststellbar, die die Zusammenarbeit von linker und rechter Gehirnhälfte stören, so der Verband Dyslexie.Problem: die Verarbeitung optischer ReizeManche Untersuchungen und Therapieansätze tragen wissenschaftlichen Untersuchungen Rechnung, dass bei der optischen Verarbeitung von Sinnesreizen im Gehirn Fehler oder Verzögerungen auftreten. Verschiedene Studien und Forschungsansätze sind außerdem einer genetischen Disposition auf der Spur, da beobachtet wurde, dass Legasthenie in manchen Familien gehäuft vorkommt.
Menschen mit LRS: Andersen, Einstein, Goldberg, Edison
Hans Christian Andersen, Albert Einstein, oder Thomas Alva Edison sind nur einige erfolgreiche und berühmte Persönlichkeiten, bei denen eine Lese-und Rechtschreibschwäche diagnostiziert wurde. Nicht immer liegt übrigens eine Legasthenie vor, wenn Kinder sich mit dem Lesen und Schreiben sehr schwer tun. Es gibt Zusammenhänge zwischen LRS und Aufmerksamkeitsdefizitstörungen (ADS), manchmal sind psychologische Konflikte die Ursache für Lernstörungen und auch ein Migrationshintergrund kann Grund für besondere Probleme bei der sprachlichen Verarbeitung sein.
TherapiemöglichkeitenWann aber handelt es sich um einen Wahrnehmungs- oder um einen herkömmlichen Rechtschreibfehler? Viele Internetseiten von Legasthenieverbänden und anderen Institutionen bieten einen umfassenden Überblick über legasthenietypische Entwicklungsstörungen, charakteristische Fehlerquellen und informieren über Diagnosetechniken und Therapiemöglichkeiten. Die sind vielfältig und müssen individuell auf den Entwicklungsstand der Kinder angepasst werden. Mittlerweile haben sich unterschiedliche Schulen etabliert, die sich im Wesentlichen in drei Gruppen von Förderprogrammen unterscheiden:
In Schule und Familie werden die Weichen gestelltLehrerinnen und Lehrern kommt bei der Behandlung und Beratung von Schulkindern mit Lese- und Rechtschreibschwäche eine Schlüsselrolle zu, denn meist sind sie die Ersten, die eine Lernstörung erkennen. Sie sind nahezu täglich mit dieser Problematik konfrontiert, fast in jeder Schulklasse gibt es Betroffene. Die besten Lernerfolge erzielen Kinder und Jugendliche, wenn die Förderung sowohl in der Schule, im Elternhaus und in außerschulischen Spezialeinrichtungen ineinander greifen. Hilfe und Tipps für Pädagoginnen und Pädagogen im Umgang mit Legasthenie und LRS finden Sie auf vielen der recherchierten Internetadressen.
Lerntherapeutische Software kann helfenIn den vergangenen Jahren wurden Lernprogramme entwickelt, die spezifische Lern- und Wahrnehmungsschwierigkeiten bei Legasthenie und LRS aufgreifen. Es handelt sich hierbei um Aufgaben zur Fehlerreduktion und Wortschatzarbeit, um Lese- und Konzentrationsübungen mithilfe von Memory-Spielen oder Buchstabenpuzzles, um Wahrnehmungstrainer, Hörtrainings und dergleichen. Ziel hierbei ist es, durch einen selbstbestimmten und spielerischen Zugang zu der Welt der Buchstaben und Wörter Berührungsängste abzubauen und die Lernmotivation zu steigern. Vor allem aber berücksichtigen die Programme die Lernbehinderungen der Betroffenen und helfen somit auch, Informationswege und Medienkompetenz zu erschließen.
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Susanne Patzelt ist Journalistin und arbeitete von 2002 bis 2004 in der Nachrichtenredaktion von Lehrer-Online.
Legasthenie, Lernschwierigkeiten, Sonderpädagogik