2009 feiert die Wissenschaftswelt nicht nur das Internationale Jahr der Astronomie (anlässlich der ersten Himmelsbeobachtung Galileo Galileis mit einem Fernrohr), sondern auch das Darwinjahr. Die vor 150 Jahren veröffentlichte Theorie des britischen Naturforschers Charles Darwin (1809-1882) zur Entstehung der Arten markiert - ebenso wie Galileis Beobachtungen - einen tiefen Einschnitt in unser naturwissenschaftliches Welt- und Selbstverständnis. Zwar waren zu Darwins Zeit genetische Mutationen noch nicht bekannt, wohl aber, dass die darauf basierende natürliche Selektion ein wichtiger, wenn auch nicht der einzige, Evolutionsfaktor ist.
Nicht ganz so alt wie Darwin ist Michael Endes Jim Knopf, der vor über 30 Jahren erstmals über die Fernsehschirme flimmerte. Seither erfreuen die Bilder aus der Augsburger Puppenkiste jung und alt, wenn Jim Knopf zusammen mit Lukas dem Lokomotivführer und den beiden Lokomotiven Molly und Emma in Lummerland ihre Abenteuer bestehen. Julia Voss, Leiterin des FAZ.NET-Kunstressorts, hatte die Idee, Jim Knopf im Darwinjahr zu reaktivieren, um sich von seiner Lehrerin Frau Mahlzahn die Evolutionstheorie erklären zu lassen. In einer sechsminütigen Videosequenz werden wesentliche fachliche Aspekte der Evolutionstheorie angesprochen und allgemein verständlich dargestellt. Zwar wurden nicht alle Fachbegriffe, die Frau Mahlzahn in ihren Erklärungen verwendet, so auch schon von Darwin benutzt. Der Film gibt jedoch einen guten Überblick über Faktoren und Abläufe der Evolution.
"Mutation" und "Selektion", "Variation" und "überlegener Genpool". All dies sind Begriffe, die im Video nicht nur erwähnt, sondern auch in einem gut verständlichen Zusammenhang dargestellt werden - wobei Frau Mahlzahn gelegentlich auf vertraute Tafelbilder zur Evolution zurückgreift (Abb. 1). Es ist nicht die reine Evolutionstheorie Darwins, die hier dargestellt wird, sondern die synthetische Evolutionstheorie, die den heutigen Stand der Wissenschaft repräsentiert. Charles Darwin wird jedoch - mit Recht - als derjenige dargestellt, auf dessen Ideen die moderne Evolutionstheorie basiert. Im Biologieunterricht bietet sich die Vorführung des Videos per Beamer an zwei Stellen an:
Egal an welcher Stelle im Unterricht den Lernenden das Video gezeigt wird, eines ist gewiss: Viele Schülerinnen und Schüler kennen Jim Knopf und sind mit seinen Abenteuern aufgewachsen. Sie assoziieren mit ihm (kinder)leichte Unterhaltung. Die möglicherweise als "schwere Kost" empfundene Evolutionstheorie wird mit Kindheitserinnerungen verknüpft, was der Rezeption der biologischen Zusammenhänge förderlich ist. Ganz im Sinne von: "Die Evolutionstheorie, die versteht doch jedes Kind!"
Dr. Matthias Nolte studierte an der Universität zu Köln Biologie und Chemie auf Lehramt (Sek I und II) und promovierte 2005 in Anorganischer Chemie. Seit Sommer 2007 unterrichtet er Biologie, Chemie und Physik an der Erzbischöflichen Marienschule in Leverkusen-Opladen.
Evolution (Biologie)