Ziel der Organisation ist es, eine Verbindung zwischen der Geschichte und den Kenntnissen über demokratische Freiheiten und Bürgerrechte herzustellen. Thematische Schwerpunkte von FHAO sind neben der Geschichte des 20. Jahrhunderts Themen wie Identität, Antisemitismus und Rassismus. Aber auch aktuelle Ereignisse wie der Genozid im Sudan, die im Geschichts-, Politik-, Englisch- und Ethikunterricht besprochen werden können, zählen dazu.
Geschichte als Produkt menschlichen HandelnsDie Grundannahme von FHAO ist, dass Geschichte zu einem großen Teil das Ergebnis menschlicher Entscheidungen ist. Daher soll die Erziehung in einer Demokratie insbesondere die Einstellungen, Werte und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler fördern, die sie benötigen, um in Freiheit leben zu können. Im Unterricht soll eine Vorstellung davon vermittelt werden, welche Bedingungen auf die Entscheidungsfindung jedes Einzelnen eingewirkt haben.Die Bedeutung von Geschichte für die eigene Identität erfahrbar machenDie Organisation will einen individualisierten Bezug zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellen, indem Lehrkräfte und Jugendliche die Ursachen des religiösen, rassistischen und ethnischen Hasses erforschen. Historische Inhalte werden mit der Gegenwart sowie mit der individuellen Identität der Schülerinnen und Schüler und ihren Beziehungen in der Gesellschaft verknüpft.
"Wir betrachten die Geschichte und wir betrachten uns"An Stelle eines fertigen Unterrichtsplans stellt FHAO so genannte Rahmenpläne ("lessonframes") sowie umfassende Materialien aus den Fächern Geschichte, Kunst, Wirtschaft, Literatur und Naturwissenschaften zur Verfügung. Mithilfe dieser Materialien, die sich größtenteils über die Website von FHAO erreichen lassen, können die Lehrerinnen und Lehrer dann einen der eigenen Schulklasse angepassten Unterricht entwickeln.Individualistischer AnsatzFachlich verfolgt FHAO einen individualistischen Ansatz, das heißt der Einzelne wird mit seinen individuellen Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten in den Vordergrund gestellt, unabhängig von objektiven Strukturen und sozialen Ursachen. Für die Schülerinnen und Schüler hat das zur Folge, dass sie sich mit persönlichen Stellungnahmen der Opfer, Täter, Helfer und Retter in Form von Texten und Videoauszügen auseinander setzen.Fächerübergreifender UnterrichtDabei sind die Materialien so ausgewählt, dass sie nicht allein die Geschichte, sondern vor allem auch Aspekte der Literatur, Psychologie, Soziologie, Rechtswissenschaften und Bereiche der Kunst berühren. Damit legt FHAO eine fächerübergreifende Zusammenarbeit nahe.
Online-Module, Materialien und FortbildungenBesonders interessant sind die Online-Einheiten mit Materialien, die weltweit eingesetzt werden können. In Deutschland sind sie vor allem für den bilingualen Geschichtsunterricht geeignet. Zu den vielfältige Materialien ("Resources") zählen Texte, Unterrichtspläne, ganze Bücher sowie Online-Module. Jede Lehrkraft kann sich über die gut gemachte Website mithilfe der Materialien einen individuellen "Lernweg" für die eigene Klasse zusammenstellen. Auf dem "FHAO campus" werden Online-Fortbildungen sowie Austauschmöglichkeiten zwischen Lehrkräften angeboten. Außerdem kann hier Kontakt zu Überlebenden oder Augenzeugen der Genozide und Zeitzeugen anderer Ereignisse aufgenommen werden.
Individuelle und historische Verantwortung im VordergrundDer Ansatz, Schülerinnen und Schülern die Verantwortlichkeit für das eigene Handeln zu vermitteln, ist ein zentrales Element jeglicher (Schul-)Bildung und unabhängig vom Fächerkanon. FHAO will Jugendlichen zeitgleich die Dimensionen historischer Verantwortung nahe bringen. Die thematischen Schwerpunkte, die auch aktuelle Ereignisse wie den Genozid im Sudan aufgreifen, eignen sich für viele Fächer. Bereichernd ist dabei der aktuelle Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler.
Methodische Aspekte teilweise kritischAus Sicht der (deutschen) Geschichtsdidaktik muss sich das Projekt jedoch in einem Punkt methodische Kritik gefallen lassen: Der individualisierte Ansatz von FHAO widmet der historischen sowie aktuellen Bedeutung von gesellschaftlichen Verhältnissen, Machtstrukturen und ökonomischen Interessen nicht genügend Aufmerksamkeit.
Materialien bieten FreiräumeWie die Materialien von "Facing History" im Unterricht eingesetzt werden, kann jede Lehrkraft individuell entscheiden. Die "Rahmenlehrpläne" bieten genügend Freiraum, um sie an die Lernziele des eigenen Unterrichts und die jeweilige Lerngruppe anzupassen. Eine Fundgrube für den bilingualen Geschichtsunterricht oder den landeskundlichen Engschlischunterricht ist das Portal allemal und bietet darüber hinaus hilfreiche Ansätze für den fächerverbindenden Unterricht.
Bilinguale Geschichtsklassen gesuchtFHAO hat derzeit Mitglieder in acht Ländern. Arne Lietz stellt in Deutschland Materialien für den Einsatz in deutschen Schulen zusammen. Da die Materialien in englischer Sprache verfasst sind, werden in Deutschland zunächst Kontakte zu bilingualen Geschichtsklassen gesucht. Lehrkräfte haben die Möglichkeit, an Online-Seminaren oder konventionellen Fortbildungen teilzunehmen, die durch Stipendien unterstützt werden.
Uta Hartwig unterrichtet Geschichte und Englisch an der Max-Tau-Schule in Kiel. Gleichzeitig ist sie als Fachberaterin Geschichte für Lehrer-Online tätig.
Internetrecherche, multimediales Material, fächerübergreifender Unterricht