Internetnutzung: Eine kleine Charta

"Meine Eltern haben keine Ahnung vom Internet, wollen mir aber ständig etwas verbieten. Wenn ich denen zu erzählen versuche, was mir im Internet Spaß macht, schalten sie einfach ab."
 

Das Problem ist bekannt. Ängstliche Erwachsene, die sich im Internet kaum auskennen, sehen sich gezwungen, agilen Web-Kids Grenzen zu setzen. Warum kein Abkommen schließen, das beiden Vorteile bringt? Zusammenkommen, Verhandeln, sich Verständigen - auch in Familien und Schulen ist Politik in Kleinstform oft angebracht, als sinnvolle Alternative zu Laxheit und Dirigismus. Ein Artikel, der kürzlich in der britischen "Sunday Times" erschienen ist, unterbreitet Vorschläge für eine Familien-Charta zur Internetnutzung ("Doors family charter" in der Beilage der "Sunday Times" vom 21. Oktober 2001).

 

Verpflichtung des Kindes

Handfest und schlicht

  • Ich verspreche, um Erlaubnis zu fragen, bevor ich online gehe, denn das Internet kostet Geld, genau wie Telefonieren. Ich werde dafür sorgen, dass es nicht meine sonstigen Hobbys ersetzt.
  • Ich verspreche, ohne Erlaubnis keine persönlichen Daten herauszugeben, zum Beispiel Telefonnummern, Adressen, Namen und Ort meiner Schule oder die Kreditkartennummern meiner Eltern.
  • Ich verspreche, keine E-Mails von Fremden zu öffnen und niemals auf welche zu antworten, bei denen ich ein komisches Gefühl habe. Ich werde Mama oder Papa sofort davon erzählen.
  • Ich verspreche, mir keine neuen Webseiten anzuschauen, ohne Mama oder Papa vorher um Erlaubnis zu fragen.
  • Ich verspreche, niemals jemanden zu treffen, den ich im Internet kennengelernt habe, ohne Mamas oder Papas Erlaubnis einzuholen. Sie werden mitkommen, wenn ich jemals einen neuen Freund im "Real Life" treffen sollte.
  • ..................... Unterschrift (Kind)
 

Verpflichtung der Eltern

  • Ich verspreche, fair zu sein, wenn es darum geht, wie lange jedes Familienmitglied online sein darf und welche Webseiten sich die Kinder anschauen dürfen.
  • Ich verspreche, dass der Computer in einem Gemeinschaftsraum steht, so dass Surfen zu einer Familienangelegenheit wird.
  • Ich verspreche, mehr über das Internet zu lernen, und werde meine Kinder bitten, mir dabei zu helfen. Ich werde mich mit der "History"-Funktion des Browsers vertraut machen, um das Vertrauen zwischen uns zu stärken, indem ich weiß, wo sie surfen.
  • Ich verspreche, mich für Freundschaften, die meine Kinder online machen, zu interessieren - und mich daran zu erinnern, dass Menschen in Chatrooms nicht immer die sind, die zu sein sie vorgeben.
  • Ich verspreche, keine Überreaktionen zu zeigen, wenn meine Kinder ein Problem im Netz haben. Das Web ist eine prima Informationsquelle, und wir sollten keine Angst haben, es zu benutzen.
  • ..................... Unterschrift (Eltern/-teil)
 

Für die Schule

Solch ein Abkommen kann man natürlich auch innerhalb einer Schule schließen - Schritt für Schritt, damit alle Schülerinnen und Schüler, das Kollegium und die Eltern nachvollziehen können, worum es im einzelnen geht. Denn Abkommen, die ständig unterlaufen werden, nützen nur wenig; sie müssen schon von einer breiten Übereinkunft getragen werden. In jedem Fall ersparen Ihnen schulinterne Vorüberlegungen im Ernstfall womöglich langwierige Konsultationen. Hier die Vorschläge von "Superhighway Safety", einer Site des britischen Bildungsministeriums:

  • Wenn Sie eine Charta formulieren, sollten Sie darauf achten, alle interessierten Parteien an der Diskussion zu beteiligen.
  • Vielleicht laden Sie zu einem offenen Abend ein oder zu einer offenen Online-Diskussion.
  • Legen Sie gemeinsam fest, welches Verhalten als vernünftig oder unvernünftig gelten soll, und bestimmen Sie Reaktionsweisen, um auf missbräuchliche Nutzung zu reagieren.
  • Einigen Sie sich abschließend auf ein Rahmenwerk, um die neue Richtlinie auch weiterhin auf Aktualität und Angemessenheit zu überprüfen.
  • Denn Nutzung und Technologie können sich ändern, Sie sollten darauf flexibel reagieren.
 

Kernpunkte

Selbstverständlich oder zu klären?
Einige Aktivitäten verbieten sich von selbst (z.B. die Verbreitung von Viren, Download von Materialien, die durch Copyright geschützt sind, Beleidigung, Ansurfen von Pornosites). Bei anderen ist Verständigung nötig: Ihre Schülerinnen und Schüler dürfen zu Recherchezwecken vermutlich fraglos auf den Homepages von SPD, CDU/CSU, Grünen und FDP herumsurfen, sofern für generelle Ausgewogenheit gesorgt ist - aber wie steht es etwa mit den Angeboten der Republikaner oder der Hamburger Schill-Partei?

Vorüberlegungen erleichtern Reaktionen
Wollen Sie prinzipiell Internetfilter einsetzen? Chatten, Online-Spiele und das Nutzen webbasierter E-Mail-Adressen binden wertvolle Online-Zeit. Gestatten Sie solche Freizeitaktivitäten? Überlegen Sie sich abgestufte Sanktionen bei Regelverstößen (Verwarnung, Surfverbot, bis hin zur polizeilichen Meldung). Ist Ihre Schul-Richtlinie erst mal erstellt, sollten Sie ein paar hypothetische Situationen durchspielen. Eine Mutter beschwert sich zum Beispiel, ihr Kind wäre trotz Internetfilter auf pornographische Seiten gelangt. Wie werden Sie reagieren?

Elternarbeit
  • Elternarbeit
    Ideen und Infomaterialien zum Thema Medienerziehung
Mehr bei lo-recht
 
 
Impressum | Datenschutz | Über uns | RSS-Feeds | Seite bookmarken:  del.icio.us Yahoo! My Web google Bookmarks Digg Mister Wong OneView MerklisteEmpfehlenDruckenSeitenanfang
Nicht redaktionelle Inhalte nach § 6 TMG von anderen Anbietern als Lehrer-Online werden durch den Namen des Anbieters gekennzeichnet.