Cartes du Ciel - ein virtuelles Planetarium für die Schule

Die leistungsstarke Software zur Darstellung des Sternhimmels unterstützt durch vielfältige Suchfunktionen und Einstellungsmöglichkeiten die Vorbereitung astronomischer Beobachtungen. Die Möglichkeit, zusätzliche Stern- oder Deep-Sky-Kataloge aus dem Internet zu nutzen sowie ein Ereigniskalender runden das kostenfreie Programm ab.
 

Die Astronomie ist eine Naturwissenschaft, die auf viele Schülerinnen und Schüler besonders anziehend wirkt und ihre Fantasie beflügelt. Die Lernenden selbst sind - und empfinden sich - als ein Teil des Universums, das noch viele unerforschte, ferne Welten und geheimnisvolle Objekte in sich birgt. Den Schlüssel, der das Tor zu diesen Welten öffnet, sehen Kinder und Jugendliche oft in den komplizierten und für sie wenig durchschaubaren Geräten der Profi-Astronomen und der großen Raumfahrtagenturen. Weit verbreitet ist die Meinung, Planeten, Kugelsternhaufen und ferne Galaxien ließen sich nur mit riesigen Teleskopen beobachten. Dass fast alle bedeutenden astronomischen Objekttypen mit einem kleinen Teleskop, ja sogar mit dem bloßen Auge, beobachtet werden können, zählt somit zu den besonderen Erfahrungen des Physik- und Astronomieunterrichts. Diese Erfahrung kann bei den Schülerinnen und Schülern erhebliches Interesse an der Astronomie entfachen, das dann auch auf andere naturwissenschaftliche Fächer überspringen kann.

Virtuelle Planetarien als Beobachtungshelfer

Möchte man als Lehrperson gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern einen Beobachtungsabend vorbereiten oder sie zum selbstständigen Beobachten anleiten, so eignen sich dazu besonders die so genannten virtuellen Planetarien. Mit ihnen lässt sich der Sternhimmel für ein beliebiges Datum am Computerbildschirm darstellen. Zudem lassen sich die Sternkarten leicht ausdrucken, Zeitpunkte für besondere Ereignisse (zum Beispiel Mondfinsternisse) errechnen, Objekte über Suchfunktionen finden und vieles mehr. Dies erleichtert das Auffinden astronomischer Objekte am "richtigen" nächtlichen Himmel erheblich.

Kostenfreie Programme für die Schule

Die meisten virtuellen Planetarien sind im Allgemeinen recht teuer (ab etwa 70 €) und für junge Schülerinnen und Schülern somit nicht ohne Weiteres verfügbar - was aber für die besonders reizvollen schülereigenen Beobachtungen eine hilfreiche Voraussetzung wäre. Das freie Programm Stellarium eignet sich sehr gut für Simulationen am Rechner (was auch die Intention der Entwickler ist). Bei der Planung von Beobachtungsabenden stößt man mit Stellarium allerdings schnell an Grenzen - insbesondere, wenn man Objekte außerhalb des Sonnensystems beobachten möchte. Denjenigen, die auf der Suche nach einer leistungsstärkeren Planetarium-Software sind, möchten wir mit Cartes du Ciel ein bislang weniger bekanntes und ebenfalls frei verfügbares virtuelles Planetarium vorstellen.

Stellarium und Cartes du Ciel - ein Vergleich

Stellarium - realitätsnahe Simulationen
Die Software stellt den Nachthimmel (oder den Taghimmel) über einer 3D-Landschaft sehr realitätsnah dar. Stellarium bietet eine intuitive, einfache Steuerung, mit der auch figürliche Darstellungen der Sternbilder aufgerufen werden können. Der Sternhimmel kann über einen Beamer in seiner vollen Pracht projiziert werden. Damit eignet sich Stellarium hervorragend für virtuelle Himmelsführungen, Vorträge und Demonstrationen sowie für eine Orientierung am Nachthimmel und die grobe Planung von Beobachtungsabenden.

Cartes du Ciel - Beobachtungsplanung
Die Software ist deutlich komplexer als Stellarium und dient in erster Linie der Erstellung von ausdruckbaren Sternkarten. Die Visualisierung der Objekte ist so gewählt, dass man schnell einen Überblick über den Sternhimmel bekommt und das Auffinden der gesuchten Objekte gut möglich ist. Cartes du Ciel ist also für die praktische Beobachtungsplanung optimiert und bietet keine realitätsnahe Simulation des Himmels. Die Software verfügt über einen enormen Funktionsumfang: Daten, wie etwa die Periodendauer oder die Helligkeitskurven von veränderlichen Sternen oder Informationen zu Planeten lassen sich mit wenigen Mausklicks abrufen. Aktuelle Bahndaten von Kometen und Asteroiden aus dem Internet können genutzt und besondere Ereignisse, zum Beispiel Finsternisse, in einem Ereigniskalender übersichtlich dargestellt werden.

Cartes-du-Ciel-Kurzanleitung zum Download

In dem Dokument "cartes_du_ciel_kurzanleitung.pdf" wird ausführlich beschrieben, wo Sie das Programm herunterladen, wie Sie es installieren und konfigurieren können.

cartes_du_ciel_kurzanleitung.pdf
 

Kurzinformationen

TitelCartes du Ciel - ein virtuelles Planetarium für die Schule
EntwicklerPatrick Chevalley
Preiskostenfrei
VertriebDownload aus dem Internet
Technische VoraussetzungenLinux, Windows und MacOSX (Version 3); die ältere Version läuft nur unter Windows.

Fazit

Dank des enormen Funktionsumfangs, vielfältiger Einstellungsmöglichkeiten, zusätzlich installierbarer Kataloge und vieler abrufbarer Objektinformationen eignet sich das von Patrick Chevalley entwickelte Cartes du Ciel für fast alle Zwecke der Beobachtungsvorbereitung - vom Einspielen aktueller Kometendaten und der Nutzung eines Ereigniskalenders bis hin zur Steuerung des Teleskops per Computer. (Auf weitere interessante Möglichkeiten wird in dem Dokument "cartes_du_ciel_kurzanleitung.pdf" hingewiesen.) Cartes du Ciel und Stellarium konkurrieren nicht, sondern ergänzen sich gegenseitig hervorragend: Während Cartes du Ciel ein Werkzeug für die praktische Beobachtung ist, dient Stellarium eher zur realitätsnahen Simulation des Sternenhimmels am Rechner.

Internetadressen

Informationen zum Autor

Alexander Staidl ist mit den Fächern Physik und Mathematik Studienreferendar an der Augustinerschule in Friedberg und Hauptautor der freien AstroSkript-Reihe (astroskript1.pdf, etwa 7 MB).

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