In der Familie wird ferngesehen! Das ist so selbstverständlich, dass niemand mehr ernsthaft darüber nachdenkt. Erst wenn das Medium in Zusammenhang mit Gewaltdarstellung gebracht wird, oder über den Sinn von Sendungen für unter Dreijährige öffentlich diskutiert wird, rückt der Apparat wieder stärker in das Bewusstsein. Doch was wissen Eltern über die Wahrnehmung ihrer Kinder, im Zusammenhang mit TV-Sehgewohnheiten und Nutzungsverhalten? Wann entwickeln sich welche Fähigkeiten, was wird gesehen und verarbeitet, und wie lange sollten Kinder überhaupt vor dem Fernseher verbringen? Fragen, denen nachfolgend auf den Grund gegangen werden soll.
0 - 2 JahreFrüher ging man davon aus, dass Kinder dieser Altersgruppe bewegte Bilder nicht wirklich wahrnehmen. Neueste Untersuchungen belegen allerdings, dass sich durch das veränderte Medienverhalten, insbesondere der ständigen Präsenz der Fernsehbilder, diese Fähigkeit bei Kleinkindern früher entwickelt. Mit eineinhalb Jahren erkennen sie Fernsehfiguren auf Werbeträgern wieder, mit zwei Jahren ahmen sie Handlungen nach und sprechen Zahlen mit. Alles was Kinder dieses Alters auch real begreifen, fasziniert sie am Fernsehen. Und alles was sie im wirklichen Leben erschreckt und verstört, jagt ihnen auch vor dem Bildschirm Angst ein. Wenn überhaupt, sollten Kinder bis zu zwei Jahren nie vor dem Fernseher allein sein. Programmangebote gibt es für diese Altergruppe in Deutschland ohnehin kaum.
3 - 5 JahreRealität und Fiktion ist für Kinder bis zu fünf Jahren nicht eindeutig trennbar. Viele Ereignisse auf dem Fernsehschirm erscheinen ihnen als wirklich, um so mehr, wenn sie ähnliche Situationen bereits erlebt haben. Zwar wächst bei den Vorschulkindern zunehmend die Fähigkeit, kurze und linear aufgebaute Handlungsstränge wiederzugeben, oft vermischt sich dabei jedoch das real Erlebte mit den Fernsehgeschichten. Programmangebote für Drei- bis Fünfjährige berücksichtigen diesen Entwicklungsstand beispielsweise durch Magazinsendungen, in denen kurze Geschichten aneinandergereiht sind (Die Sendung mit dem Elefanten, Sesamstrasse etc.). Hierbei haben die Kinder die Möglichkeit, eine Handlung zu verfolgen und zu begreifen und jederzeit auszusteigen.
6 - 9 JahreAb diesem Alter wächst bei den Kindern die Fähigkeit, der Logik einer Handlung selbst dann zu folgen, wenn sie durch Zeit- und Raumsprünge oder verschiedene Rahmenhandlungen unterbrochen wird. Das Verständnis für Sachverhalte und Sinnzusammenhänge ist allerdings noch begrenzt ausgeprägt. Dafür sind sie zunehmend in der Lage fiktionale Geschehnisse distanziert zu betrachten und beispielsweise gezeichnete Bilder als solche zu begreifen. Die Auswahl von Sendungen erfolgt selbstbewusster, orientiert an Inhalten und Personen, mit denen sie sich identifizieren können. Serien und Serienhelden sind aufgrund des Wiederholungsfaktors bei ihnen besonders beliebt. Familie, Schule und Freizeit spielen bei der Programmauswahl - oft auch unbewusst - ebenso eine Rolle, wie das was gerade "In" ist.
10-13 JahreMit zunehmendem Alter lassen sich auch Unterschiede im Rezeptionsverhalten bei Mädchen und Jungen erkennen. Während Mädchen nach Außen hin auf gefühlsbetonte Szenen emotional offen und stark reagieren, benutzen Jungen häufiger verbale Äußerungen und Bewegungen als Ventil. Jedoch sind beide in der Lage Fiktion und Wirklichkeit zu trennen sowie komplexe, nicht-lineare Handlungsstränge mühelos bis zum Schluss zu verfolgen. Wichtiger als die Logik einer Handlung sind ihnen jedoch bestimmte Einzelszenen, die im Bezug zu individuellen Alltagserlebnissen stehen.
Darauf gibt es auch altersbedingt keine pauschale Antwort. Wie viel Zeit ein Kind vor dem Fernseher verbringt hängt in erster Linie von den Familiengewohnheiten ab. Als Empfehlung für Kinder im Vorschulalter gilt ein Richtwert von maximal 45 Minuten täglich und 7 Stunden wöchentlich. Wenn Kinder aufgrund ihrer familiären Situation das Fernsehen als einzige Freizeitbeschäftigung kennen lernen, machen sie automatisch weniger soziale Erfahrungen. Viel sehen bedeutet auch nicht automatisch viel lernen. Etwas lernen und begreifen kann man erst dann, wenn ein Bezug zum realen Erleben besteht. Auch Gewalt im Fernsehen kann laut Expertenmeinung nur das Verhalten von Kindern beeinflussen, wenn sie in ihrer Alltagswelt mit Gewalt konfrontiert werden. Fazit: Das Fernsehgucken allein ist nicht schädlich, die Auswirkungen von Übertreibungen und Faktoren, die nur mittelbar mit dem Medium in Zusammenhang stehen, dagegen schon.
Wenn Medienprofis Medienlaien lenkenDie Landesmedienanstalten mahnen die Einhaltung moralische Grenzen bei Casting- und Dokushows an.Wenn Medienprofis Medienlaien lenken
Flimmo Online - Fernsehen mit KinderaugenDas Internetangebot "Flimmo" bietet interessierten Eltern praxisnahe Orientierungshilfen in pucto Fernsehen für Kinder von 3 bis 13 Jahren.Flimmo Online - Fernsehen mit Kinderaugen
Für jeden was dabei - Daily SoapsWas macht den Reiz der täglichen Seriendosis aus, die Parallelweltenpotential hat und den Vorteil, dass man, sollte man mal verhindert sein, jederzeit wieder einsteigen kann?Für jeden was dabei - Daily Soaps
Zeichentrickfilm auf JapanischAnime, die japanischen Zeichentrickfilme, genießen in ihrer Heimat eine große Popularität. Was macht den Reiz des Genres aus, an dem sich die Gemüter hierzulande gerne reiben?Zeichentrickfilm auf Japanisch: Das Anime-Genre
MusikfernsehenMusikvideos sind für Jugendliche ein an Bedeutung nicht zu unterschätzender Anteil ihres Fernseh- und Internetkonsums geworden.Musikfernsehen: Alltagsbegleiter Heranwachsender
Wie Eltern das Kinderfernsehen nutzenWelche Rolle übernimmt der Fernseher im Alltag von Familien mit kleinen Kindern? Ist er ein Babysitterersatz oder gibt es vielfältige andere situative Einsatzmöglichkeiten?Wie Eltern das Kinderfernsehen nutzen
KIM-Studie 2008Für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren bleibt der Fernseher das wichtigste Medium, so das Ergebnis der repräsentative KIM-Studie 2008.KIM-Studie 2008