Redaktion / PM
31.08.2015

Studie: Was mit Erinnerungen im Gespräch passiert

Was geschieht mit unserer Erinnerungsleistung, wenn wir uns bei einem Gespräch mit anderen Personen gemeinsam gemachte Erfahrungen ins Gedächtnis rufen? Dieser Frage sind Psychologinnen und Psychologen der Universität Regensburg nachgegangen.
 

Das Ergebnis: Sofern die betreffende Erfahrung noch nicht allzu lang her ist, tut man gut daran, das Gespräch selbst zu beginnen. Denn Zuhören kann dann zum Vergessen von damit verbundenen Erinnerungsstücken führen. Demgegenüber profitiert man als Zuhörerin beziehungsweise Zuhörer gerade in den Fällen, bei denen die Erfahrung weiter zurückliegt. Die Ergebnisse der Forscherinnen und Forscher sind in der renommierten Fachzeitschrift "Cognition" erschienen.

 

Die Studie

Gesprächssituationen genauer untersucht
Wir alle kennen die Situation: Gemeinsam mit einem Freund hat man etwas sehr Schönes oder wirklich Komisches erlebt. Nach einer gewissen Zeit trifft man sich wieder und beginnt bei dieser Gelegenheit, die Geschehnisse noch einmal Revue passieren zu lassen. Bisherige Forschungen haben gezeigt, dass anfängliches Zuhören die eigene Erinnerungsleistung abschwächt. Vor diesem Hintergrund haben Professor Dr. Karl-Heinz Bäuml und Dr. Magdalena Abel vom Institut für Psychologie der Universität Regensburg solche Gesprächssituationen nun etwas genauer untersucht. Dazu führten sie insgesamt drei Verhaltensexperimente - mit jeweils 128 Regensburger Studierenden als Probanden - durch.

Der erste Redner aktiviert den Erinnerungsprozess
"Entscheidend ist zunächst, wer mit dem Gespräch und der damit verbundenen Erinnerung an die vergangenen Geschehnisse beginnt", erläutert Professor Bäuml die Ergebnisse der Experimente. Denn der erste Redner aktiviert den Erinnerungsprozess und bringt selektiv einzelne Passagen der gemeinsamen Vergangenheit zur Sprache, während wiederum andere unerwähnt bleiben.

Sofern dabei das Zeitintervall zwischen Gespräch und der erinnerten Erfahrung kurz ist, kann das Gespräch negative Folgen für die Zuhörerinnen und Zuhörer haben. "Die Erinnerungen buhlen hier geradezu um das "Erinnertwerden" und der selektive Zugriff durch einen Sprecher führt bei Zuhörern zu einer Unterdrückung weiterer Erinnerungen", erklärt Professor Bäuml. Im Falle eines längeren Zeitintervalls ist der gegenteilige Effekt zu beobachten: Hier führt die Rolle des Zuhörers gewissermaßen zu einer Auffrischung der nur noch fragmentarisch vorhandenen Erinnerungen.

Die Ergebnisse der Regensburger Wissenschaftler könnten weitreichende Konsequenzen für verschiedene Fachgebiete - von der Pädagogik bis hin zur Kriminologie - haben. Sie belegen zudem, dass das Abrufen von Erinnerungen in sozialen Gruppen zwei Gesichter haben kann. Der Grundsatz "Schweigen ist Gold" gilt dabei eben nur unter bestimmten Bedingungen.

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