Mobiltelefon-Einsatz im Mathematik-Unterricht

Veröffentlicht am 02.03.2009

Es mag auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheinen, aber Mobiltelefone eignen sich tatsächlich für den Einsatz im Mathematik-Unterricht und können eine Alternative zum Computerraum darstellen.

Zum Für und Wider des Mobiltelefon-Einsatzes im Mathematik-Unterricht

Argument (contra Mobiltelefon) Gegenargument (pro Mobiltelefon)
Ein Telefon ist zum Telefonieren da. Die heutigen Mobiltelefone sind kleine Computer, die mehr als nur telefonieren können.
Der Akku ist möglicherweise schnell leer. Das kommt bei den stromsparenden CAS-Taschenrechnern nicht so oft vor. Stimmt. Wegen ihrer Leistungsfähigkeit müssen die Telefone oft ans Ladegerät. Schülerinnen und Schüler kümmern sich aber in der Regel sehr gut um den Ladezustand des Mobiltelefons.
Ein CAS-Taschenrechner leistet viel mehr für Mathemathik als ein Telefon. CAS-Taschenrechner sind teure Spezialgeräte, keine Universalrechner. Für Telefone kommt immer mehr Software auf den Markt.
CAS-Taschenrechner zeigen Grafiken an. Mobiltelefone können dies ebenfalls in brillanter Form.
Die Eingabe auf den 12+2+5-Tasten des Mobiltelefons stellt eine Hürde dar. Stimmt. Jedoch muss die Software entsprechende Modi anbieten. Beispielsweise muss für die Eingabe eines Funktionsnamens wie "sin" eine Hilfe angeboten werden, damit das Programm halbwegs bedienbar ist. Die T9-Eingabe bei SMS ist so ein Modus. Wie das Beispiel SMS zeigt, ist die eingeschränkte Eingabemöglichkeit weithin akzeptiert.
Die Schülerinnen und Schüler könnten während des Unterrichts telefonieren oder SMS versenden. An das neue Medium angepasste Verhaltenskodizes können diesen Missbrauch eindämmen. Wer erwischt wird, sieht einer Strafe entgegen, muss zum Beispiel beim nächsten Mal Kuchen für alle mitbringen (dies hat sich in meinem Unterricht bewährt). Das Lehrer-Schüler-Verhältnis spielt hier eine große Rolle. In manchen Klassen lässt sich leider nur wenig tun.
Bei Klassenarbeiten und Tests könnte gespickt und verbotenerweise kommuniziert werden. In Klassenarbeiten und Tests gehören in der Tat keine Kommunikationsgeräte. Kein Gegenargument.
Kommunikationshemmende SIM-Karten wurden in Versuchen testweise eingesetzt. Jedoch erschwert der Aufwand das Verfahren. Extra SIM-Karten kosten Geld und können leicht verschwinden. Man könnte die SIM-Karte im Unterricht durch eine andere, kommunikationshemmende Karte, ersetzen, so dass die Telefonfunktion gesperrt ist.
Ein Störsender erzeugt wieder mehr Elektrosmog. Außerdem gibt es ja noch Bluetooth und Infrarot, die Störsender eventuell umgehen können. Ein Störsender könnte die unerwünschte Kommunikation bei Mobiltelefonen hemmen.
Man könnte statt Mobiltelefonen PDAs (Personal Digital Assistants) mit Betriebssystemen wie Palm OS oder Windows Mobile einsetzen. Solche Versuche gibt es. Da die wenigsten Schülerinnen und Schüler so ein Gerät haben, müsste ein Klassensatz vorgehalten und gepflegt werden. Auf einem Palm oder Windows-Mobile-Gerät kann aber eine Java-Umgebung installiert werden. So können diese Geräte die Telefon-Software nutzen, was man eigentlich vermeiden will.
Ich gehe gerne in den Computerraum Nicht immer ist der Computerraum frei. Aber wenn das praktikabel ist und die Schülerinnen und Schüler die Software auch daheim nutzen können, ist das ein gutes Argument.
Ein Computer ist bezüglich der Software viel flexibler als ein Telefon. Der Computer ist ein bewährtes Medium, es gibt viele gute Programme dafür. Aber: nicht immer ist der Computerraum verfügbar.
Ich würde lieber Notebooks nutzen. Natürlich wäre ein Notebook pro Schülerin oder Schüler wünschenswert. Notebook-Rechner sind jedoch teuer, veralten schnell und müssen gepflegt werden.
Man muss als Lehrkraft schon ziemlich technikaffin sein, um sich in die Nutzung von Mobiltelefonen für den Unterricht einzuarbeiten. Stimmt. Das trifft jedoch auf den Medieneinsatz generell zu. Er macht den Unterricht technikabhängig. Andererseits eröffnen neue Medien neue didaktische Szenarien und damit ein Bereicherung des Methodenpools.
Die Mobiltelefone müssen gepflegt werden. Erfahrungsgemäß wenden Schülerinnen und Schüler viel Mühe auf, um ihr Telefon am Laufen zu halten. Insbesondere der Akku wird selten leer sein.
Vielleicht hat nicht jede und jeder ein Java-fähiges Telefon. Damit ist zu rechnen. Möglicherweise müssen zwei Personen ein Telefon nutzen.

Fazit

Mobiltelefone als geeignete Instrumente

Insgesamt kann ein ermutigendes Fazit gezogen werden. Sicher gibt es Für und Wider beim Einsatz von Mobiltelefonen. Insbesondere bietet sich für den Zweck des Plottens von Funktionen die Nutzung von Computern an. Dazu muss man aber in den Computerraum wechseln, was häufig mit Aufwand und einer anderen räumliche Situation verbunden ist. Auch bei den Hausaufgaben sind die Schülerinnen und Schüler auf den Computer angewiesen. Im konkreten Fall hatten nicht alle Lernenden einen heimischen Computer zur Verfügung. Das traf allerdings auf die Telefone auch zu. Im Unterricht hatte ich zwei Exemplare zum Ausleihen vorrätig. Sie können ohne viel Aufwand im Unterricht sofort eingesetzt werden.

Nutzung der Tastatur

Die etwas eingeschränkte Bedienung eines Mobiltelefons mit den 12+2+5-Tasten stellte in der Praxis kein Problem dar. Die Anordnung der Softkeys ist auf jedem Telefon etwas unterschiedlich. Da aber die Lernenden jeweils immer das gleiche Telefon nutzten, gewöhnten sie sich schnell an die Bedienung der Geräte und konnten die Aufgaben gut lösen.

Vorbehalte überwinden

Da ich selbst das Programm "Analysis mobil" im Unterricht testen wollte, stand ich der Telefonnutzung natürlich aufgeschlossen gegenüber. Meine Sorgen gingen eher dahin, ob das Programm fehlerfrei läuft, und ob die Lernenden es als Unterrichtsmittel annehmen. Letzteres war kein Problem, da nach einiger Übung das Eingeben der Computer-Terme immer besser klappte. Einige Darstellungsfehler im Programm konnten behoben werden, überwiegend gab es ein flüssiges, fehlerfreies Arbeiten. Die Absicht, das Denken durch Anschauung zu unterstützen, wurde erfüllt.

Mathematik-Programm für Mobiltelefone

Das Programm "Analysis mobil" kann in weiten Teilen der Analysis zum Einsatz kommen. Die Geräte arbeiteten ohne große technische Schwierigkeiten. Lediglich ein Siemens S65 stellte manche Eingabebildschirme nicht richtig dar. Der Java-Slogan "write once run everywhere" (sinngemäß: ein einmal geschriebenes Programm läuft überall) bewahrheitete sich in den meisten Fällen.


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