Zeichenstunden am Teleskop

Veröffentlicht am 25.11.2008

"Altmodische" Zeichnungen sind mehr als nur eine preiswerte Alternative zur Astrofotografie: Objekte werden besonders intensiv beobachtet und die naturwissenschaftlichen Grundtechniken des genauen Beobachtens und Protokollierens geübt.

Warum Zeichnen?

Bei der Nutzung computergesteuerter Teleskope, mit denen man eine vorprogrammierte "Guided Tour" am Himmel abfahren kann, sorgt das Zeichen für eine Entschleunigung der Himmelsbeobachtung. So sinnvoll und hilfreich computergesteuerte Teleskope sind - das Zeichen eröffnet eine ganz andere Facette astronomischer Beobachtung, die man Schülerinnen und Schülern einer Astro-AG nicht vorenthalten sollte.

  • Beim Zeichnen beschäftigen sich Beobachterinnen und Beobachter für eine lange Zeit intensiv mit einem Objekt - es wird ihnen vertraut.
  • Durch Wiederholung der Beobachtung unter wechselnden Bedingungen können immer mehr Details erkannt werden. Die Protokollierung macht eigene Beobachtungsfortschritte erkennbar. Die Erfolgserlebnisse machen den Entwicklungsprozess der eigenen Wahrnehmung bewusst.

Schülerinnen und Schüler auf Galileis Spuren

Monddarstellung von Galileo Galilei
+ Abb. 1: Monddarstellung von Galileo Galilei

Der Mond ist immer ein lohnendes Objekt. Im Internationalen Jahr der Astronomie 2009 hat das Beobachten und Zeichnen des Erdtrabanten noch einen besonderen Aspekt: Vor 400 Jahren richtete Galileo Galilei (1564-1642) ein Fernrohr auf den Himmel - und entdeckte und zeichnete "Mondberge", die Bewegung der Jupitermonde, die Phasen der Venus und Sternhaufen. Seine Ergebnisse veröffentlichte er im "Sidereus Nuncius" ("Sternenbote", 1610). Eingescannte Seiten oder sogar ganze Exemplare wurden bereits im Internet veröffentlicht. Seine Jahrhunderte alten Darstellungen (Abb. 1 zeigt einen von Galilei wohl bewusst "idealisierten" Kraterwall, der auf der der Mondoberfläche nicht zu sehen ist) können die Lernenden motivieren, in den Spuren des berühmten Astronomen selbst zum Zeichenstift zu greifen. Einfache Teleskope - sogar Feldstecher - zeigen bereits die Gipfel von der Sonne beschienener Berge, in deren Tälern noch die Mondnacht herrscht.

Tipps zum Zeichen am Schulteleskop

  • "Rotation" am Teleskop

    Ein Nachteil des Zeichens ist, dass lediglich eine Person das Objekt mit der nötigen Ruhe bearbeiten kann. Bei einem Beobachtungsabend mit einer Schülergruppe sollten daher zwei Teleskope zur Verfügung stehen, so dass die Rolle des Zeichners wechseln kann. Dabei sollten etwa 30 Minuten für einfache Zeichnung angesetzt werden. Eine Nachbearbeitung der Skizzen kann später am Schreibtisch erfolgen.
  • Ausrichtung des Zeichenblatts

    Die Himmelsmarkierungen auf dem Zeichenblatt sollen mit den "wahren" Himmelsrichtungen im Okular in Übereinstimmung gebracht werden (bevor man mit dem Zeichnen beginnt).
  • Zeichen, was man sieht

    Während des Zeichnens ist eine permanenter Abgleich mit dem Original im Okular erforderlich.
  • Helligkeiten kodieren

    Beim Skizzieren ist die Vergabe von Helligkeitsstufen für Flächen oder Sterne hilfreich, die in der Nachbearbeitung eine realitätsgetreue Wiedergabe der Helligkeiten ermöglicht.
  • Pausen einlegen

    Das Zeichnen erfordert eine hohe Konzentration - Pausen sind empfehlenswert!
  • Notizen

    Angaben zur verwendeten Optik, den Beobachtungsbedingungen und sonstige Bemerkungen sollten natürlich nicht fehlen.

Dr. André Diesel ist Diplom-Biologe und Fachredakteur für Naturwissenschaften, Mathematik und Geographie bei Lehrer-Online.

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