Wildcard-Suche: Optimierung der Google-Korrektur

Veröffentlicht am 01.02.2011

Nicht alles, was englisch aussieht, ist es auch. Nicht jede spanisch erscheinende Phrase würde auch ein Spanier so schreiben. Und auch in Französischklausuren tauchen Sätze auf, die haarscharf am Sprachgebrauch vorbeischrammen. Aber wie heißt's richtig? Lehrer-Online-Autor Kurt Ludwigs schildert in diesem Beitrag anhand englischer Beispiele, wie die Suchmaschine Google den Korrektur-Alltag erleichtert.

Sprach-Bewertung und -Korrektur mit Google

Google ist eine der größten Suchmaschinen im Netz. Das Google-Prinzip ist schnell erklärt: Ein riesiger Webkatalog und eine ganze Batterie riesiger Großrechner erlauben es der Suchmaschine, in Sekundenschnelle die vorhandenen Webseiten auf die Bestandteile eines Suchwunsches zu durchforsten. Dabei kann der User wählen, ob er eine weltweite Suche durchführen möchte oder länderspezifisch suchen will. Letztere Suchvariante ist für Fremdsprachenlehrende von Interesse, da Google hier überprüfen kann, ob und wie oft eine bestimmte Wendung auf Webseiten aus diesem Land zu finden ist. Ist die Trefferzahl hoch, kann man von der sprachlichen Korrektheit - zumindest von der großen Verbreitung dieser Variante - dieser Wendung ausgehen.

Die String-Suche

Wortgruppen finden

Die String-Suche ist eine der Suchoptionen, die Google anbietet. String-Suche bedeutet die Suche nach Wortgruppen oder Wortfolgen (strings). Gebe ich einen String (etwa "told me a nice story") in das Suchfenster von Google ein, so überprüft die Suchmaschine, in wie vielen Webseiten genau dieser String vorkommt. Möchte ich dies zur Überprüfung der sprachlichen Korrektheit tun, so sollte ich die länderspezifische Version von Google (www.google.co.uk) benutzen und die Option "Pages from the UK" auswählen, um herauszufinden, wie oft dieser String auf einer Webseite aus dem United Kingdom vorkommt.

Häufigkeit als Anhaltspunkt für Korrektheit

Bekomme ich eine hohe Trefferzahl (in diesem Fall: 1.440), so kann ich davon ausgehen, dass dieser Ausdruck sprachtypisch und damit für die Korrektur sprachlich korrekt ist. Verändere ich diesen String nur ganz wenig (etwa "told me a nicely story"), werde ich keine Suchergebnisse angezeigt bekommen. Dieser String ist nicht sprachtypisch und enthält einen Fehler.

Die Wildcard-Suche

Mit Platzhalter suchen

Wildcard (vom englischen "wild card", einer Spielkarte im Poker) ist ein Fachausdruck aus der Computer-Sprache und bezeichnet einen Platzhalter für andere Zeichen. Dieses Konzept wird zuweilen auch als "globbing" bezeichnet. Üblicherweise wird die Wildcard beim Suchwunsch durch den Asterisk (*) dargestellt und steht in der Suchmaschine Google als Platzhalter für ein Wort ("partial phrase searching"). In dem String "he didn't the letter" steht der Asterisk für Verben wie write, receive, send, open, get, understand, respond to, mention, remember, recall, publish oder know.

+Abb. 1

Das Grundprinzip

Gehen wir zunächst vom eingangs erwähnten Beispiel der Kollegin aus. Mit der länderspezifischen Version von Google (www.google.co.uk) hat sie herausgefunden, dass der String "This was music for her ears" einen Fehler enthält (Abb. 1).

+Abb. 2

Präpositionsfehler

Die Vermutung liegt hier nahe, dass es sich bei dem Fehler um einen Präpositionsfehler handelt. Folglich ersetzt man die Präposition "for" durch einen Asterisk und gibt den String in www.google.co.uk ein (Abb. 2).

+Abb. 3

Sprachtypisch oder nicht?

Die große Liste der Suchergebnisse lässt vermuten, dass "to" die richtige Präposition ist. Zur Sicherheit gibt man den korrigierten String erneut ein, um über die Anzahl der Suchergebnisse eine positive Rückmeldung darüber zu bekommen, dass dieser String sprachtypisch ist (Abb. 3).

Viele Ergebnisse, vermutlich sprachtypisch

Die Anzahl von 1.100 Ergebnissen, in denen genau dieser String auf Webseiten aus dem United Kingdom zu finden ist, deutet darauf hin, dass er sprachtypisch und damit sprachlich korrekt ist.

Zusammenfassung

Die Wildcard-Suche ist eine Optimierungsstrategie bei der Suche mit Google. Die Fremdsprachenlehrkraft kann mit dieser Suchstrategie noch genauer sprachliche Äußerungen auf ihre Korrektheit überprüfen. Besonders hilfreich ist die Wildcard-Suche für die Positivkorrektur. Eine Kombination der in dem Artikel "Korrigieren mit Google" erläuterten Suchstrategien mit der Wildcard-Suche hilft die folgenden - zumeist ergebnislos verlaufenden - Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen zukünftig für sinnvollere Dinge zu nutzen: "Kann man … im Englischen sagen?" - "Weiß ich auch nicht so genau, ich denke mal …" "Wenn der Ausdruck … falsch ist, wie muss es dann richtig heißen?" - (Schulterzucken).


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Avatar Kurt Ludwigs

unterrichtet die Fächer Englisch und Pädagogik an der Bischöflichen Marienschule Mönchengladbach. Zusammen mit Walfried Schubert rief er den Arbeitskreis lingu@Konzept ins Leben, der sich mit Möglichkeiten des effektiven Einsatzes neuer Medien im Sprachenunterricht beschäftigt. Speziell für Englischlehrende hat er die Website angloconcepts in Netz gestellt und schuf damit eine "Internetplattform für den Einsatz Neuer Medien im Englischunterricht".

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