Antijudaismus bei Martin Luther – Konfirmandinnen und Konfirmanden erkunden eine Grenze der Toleranz

Veröffentlicht am 20.10.2016
  • Geschichte / Religion / Ethik
  • Sekundarstufe I
  • Ablaufplan
  • 4 Arbeitsmaterialien

Vor dem Hintergrund aktueller antisemitischer Vorfälle und der kirchlichen Mitschuld am Holocaust lernen die Jugendlichen anhand ausgewählter Originalquellen antijudaistische Motive bei Martin Luther und in seiner Zeit kennen.

Beschreibung der Unterrichtseinheit

Das Material ist für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden konzipiert. Als Grundlage einer schuldidaktisch überarbeiteten, kompetenzorientierten Fassung bietet es sich auch für den Schulunterricht an. Ziel ist es, den Jugendlichen antijudaistische Begründungen zur Zeit Luthers verständlich zu machen. Außerdem sollen sie befähigt werden, die Erkenntnisse kritisch auf ihre eigenen Vorstellungen von evangelisch sein und religiöser Toleranz anzuwenden und Ideen zu entwickeln, wie die evangelische Kirche ihrer besonderen Verantwortung gegenüber Juden heute gerecht werden könnte. 

Didaktisch-methodischer Kommentar

Eine Überprüfung gängiger Materialien für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden (beziehungsweise in der religionspädagogischen Praxisliteratur allgemein) ergibt, dass Luthers Antijudaismus dort kaum erwähnt wird. Soll man das Thema in der Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden überhaupt aufgreifen? Sind nicht zu viele Informationen nötig, um zu einer sachlich angemessenen, einordnenden Bearbeitung zu kommen?

Antisemitismus ist derzeit noch Teil der Lebenswelt von Konfirmandinnen und Konfirmanden, auch wenn es "nur" medial vermittelte Vorkommnisse sind. Jugendliche müssen Gelegenheit bekommen, sich in Ausschnitten mit dunklen Kapiteln der Kirchengeschichte auseinanderzusetzen, bevor sie sich in der Konfirmation als religiös Mündige bekennen. Didaktisch gesehen sind solche dunklen Seiten als Chance zu begreifen. Luthers Antijudaismus wirkt verstörend und provoziert eine kritische Auseinandersetzung mit der Person des Reformators in seiner Zeit. Insbesondere muss die strikte Kopplung von "Judenfeindschaft" und "Christusglauben" bei Luther hinterfragt werden. Der Arbeit mit Originalquellen kommt dabei aus folgenden Gründen eine besondere Bedeutung zu:

  • Sie kommt dem historischen Interesse 13-/14-Jähriger entgegen und unterstreicht zugleich die Fremdheit der Reformationszeit.
  • Sie verdeutlicht die Drastik auch emotional und wirkt damit Tendenzen zur abstumpfenden Distanzierung vom Holocaust entgegen.
  • Sie verdeutlicht, dass die Originalquellen teilweise bis heute öffentlich an und in Kirchen zu sehen sind (zum Beispiel "Judensau"-Motiv).
Arbeitsmaterial

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Avatar Dr. theol. habil. Martin Steinhäuser

Dr. theol. habil. Martin Steinhäuser ist Professor für Gemeindepädagogik an der Evangelischen Hochschule Moritzburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die kirchliche Bildungsarbeit mit Kindern, Gemeindepädagogik und das Godly Play-Konzept. Informationen zum Godly Play-Konzept unter www.godlyplay.de.

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