Ergebnisse

Neben Spielregeln der schriftlichen Kommunikation werden die Besonderheiten der E-Mail-Korrespondenz verdeutlicht sowie soziale und personale Kompetenzen durch die Interaktion mit anderen Kindern geschult.

Positives Feedback

Voranstellen möchte ich, dass ich die Kooperation mit den beiden Klassenlehrerinnen und dem Schulleiter der polnischen Schule als sehr hilfreich empfand. Sprachliche Hindernisse gab es nicht, da die Kinder der polnischen Partnerschule Deutsch lernten. Auch mein Versuch, das Projekt möglichst selbstständig von den Kindern gestalten zu lassen, glückte: Die Schülerinnen und Schüler waren durchweg sehr engagiert. Lediglich die technischen Probleme, die teilweise zu mehrtägigen Verspätungen der Nachrichten führten, bremsten vorübergehend die Motivation.

Spielregeln der schriftlichen Kommunikation

Alle Kinder gewannen die Erkenntnis, dass funktionierende Kommunikation auf Gegenseitigkeit beruht - dass man also antworten muss, um selbst wieder eine Nachricht zu erhalten. Sie lernten sich für die Partner nachvollziehbar auszudrücken und auf Nachfragen einzugehen und erlebten, dass sich das Warten auf Nachrichten lohnen kann. Teilweise mussten aber auch Enttäuschungen verkraftet werden, wenn Kinder längere Zeit vergeblich auf E-Mails hofften, während die Mitschülerinnen und Mitschüler stolz ihre Briefe vorlasen. Kurze Absprachen mit den Lehrenden der Partnergruppe - und entsprechende Hinweise an die betreffenden Partnerkinder - schafften Abhilfe oder lieferten Erklärungen wie zum Beispiel die, dass das Partnerkind erkrankt war.

Sprachliche Ziele

Das Projekt überzeugte die Schülerinnen und Schüler davon, dass Lesen und Schreiben ein wertvoller und sinnvoller Vorgang ist. Die selbst verfassten Texte hatten einen relativ geringen Umfang, was ich aber der fehlenden Zeit und nicht der mangelnden Motivation zuschreibe.

 

Die Einhaltung der Rechtschreibung ist bei einem E-Mail-Projekt sehr schwer zu bewerten. Die Kinder müssen noch den Umgang mit der Tastatur lernen und tippen gelegentlich auch mehrere Tasten gleichzeitig. Viel wichtiger als dieser Aspekt war mir der gegenseitige Austausch, der hervorragend zum Erlernen, Motivieren, Unterstützen und Intensivieren des schriftlichen Sprachgebrauchs in realen Situationen geeignet ist.

 

Differenzierung

Die Aufgabenstellungen beinhalten eine innere Differenzierung, die von den Kindern sowohl durch den Umfang ihrer Fragen und Antworten, Nachrichten und Informationen als auch durch die Art der Formulierung je nach Leistungsstand frei gewählt wird.

Soziale Aspekte

Die Partnerarbeit hat sich positiv entwickelt. Die Kinder handelten aktiv, halfen sich gegenseitig und tauschten sich während der Arbeit aus. Bei anfänglichen technischen Schwierigkeiten konnten "Experten" schwächeren Schülerinnen und Schülen behilflich sein und ihnen ihr Vorwissen vermitteln. Auch für den Lehrenden der Partnerklasse und für mich war die soziale Kontaktaufnahme über die Schulgrenzen hinaus eine Bereicherung und eine überaus positive Erfahrung.

Persönliche Erfahrungen

Die deutschen Kinder konnten im Laufe des Kontakts feststellen, dass es vielen Menschen in Polen nicht so gut geht wie ihnen. Teilweise berichteten die polnischen Kinder von Geburtstagsgeschenken, die viele Schülerinnen und Schüler meiner Klasse "nur mal so nebenbei" bekommen. Auch Luxusgüter wie zum Beispiel eine Playstation, ein eigener Fernseher oder Urlaube in fernen Ländern, die für viele deutsche Kinder zum Standard gehören, können die Eltern in Polen ihren Kindern nicht bieten. Die Schülerinnen und Schüler meiner Klasse zeigten sich nachdenklich, versuchten sich in die Lage der Partnerkinder zu versetzen und verzichteten einige Tage auf ihre "Luxusgüter" - einige hielten dies jedoch nicht lange durch und gaben dies auch zu.

 

Als wichtiges Ergebnis betrachte ich die positive Entwicklung des Selbstbewusstseins und des Selbstwertgefühls der polnischen Kinder in meiner Klasse, die aufgrund dieses Projekts eine Art Expertenrolle übernehmen und ihr Ansehen im Klassenverband stark verbessern konnten.

Medienkompetenz

Alle Kinder der Klasse sind mittlerweile in der Lage den Computer und das Internet selbstständig als Werkzeug zu nutzen. Sie haben Fähigkeiten im Umgang mit den verschiedenen Funktionen des E-Mail-Dienstes und der Textgestaltung erworben, können E-Mails schreiben, neue Nachrichten im Posteingang öffnen und das Adressbuch gebrauchen. Auch das Verschicken von Nachrichten mit Anhängen stellt kein Problem mehr dar.

Dossier "Vertretungsstunden sind kein Hexenwerk"
Autor
Avatar Lars Poppenborg

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