Hintergrund

Einordnung der Unterrichtseinheit in den schulischen Kontext mit einer Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre

Umstrukturierung durch G8

Einbeziehung neuer Technologien

Die Einführung des G8 bringt erhebliche Umstrukturierungen des Mathematikunterrichts mit sich. Ein einfaches Zusammenstreichen von Themen kommt ebenso wenig in Frage, wie einfaches belassen und komprimieren der vorhandenen Themen. Stattdessen ist eine altersgemäße Umstrukturierung erforderlich, die, um eine inhaltliche Verflachung zu vermeiden, neuste Technologie in den Unterricht einbeziehen muss, um die zeitlichen Verluste bei der G8 Einführung durch Anwendung neuester Lerntechnologie zu kompensieren. Neueste Lerntechnologie bedeutet im wesentlichen den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie in einer den Schülerinnen und Schülern jederzeit und selbstverständlich zur Verfügung stehenden Inkarnation. Dieser Grundsatz impliziert die Verwendung mobiler Computer, welche die Lernenden stets bei sich tragen. Erst mit der Einführung kostengünstiger Netbooks ist dieser Grundsatz aber realistisch zu erfüllen:

Computerräume versus heimische Computer

Computerräume scheitern an der Diskrepanz zwischen häuslicher und schulischer Installation. Zu Hause ist der schülereigene Computer, wenn er denn vorhanden ist, aufs Spielen ausgerichtet. Jeder Versuch, schulische Software einheitlich zur Verfügung zu stellen, scheitert an der fehlenden Systemhomogenität, selbst dann, wenn offene Software benutzt wird, bei der Kosten- oder Lizenzfragen in den Hintergrund treten:

  • Schülerinnen und Schüler benutzen ein anderes Betriebsystem als in der Schule.
  • Das zur Verfügung gestellte Softwaresystem wird von den Schülerinnen und Schülern nicht beherrscht, unabhängig von den möglichen verschiedenen Konzepten (komplett bootfähiges System, Sammlung von freier Software, die lediglich installiert werden muss, und so weiter).
  • Schülerinnen und Schüler sind oft nicht in der Lage, die verwendete Software zu installieren.

Laptops

Laptops scheitern an der zu großen Masse und dem Volumen der Geräte. Reine Laptopklassen wären hinsichtlich der Größe und des Gewichts der Laptops nur vertretbar, wenn die Schülerinnen und Schüler keine Bücher oder andere konventionelle Lernmittel zu transportieren hätten. Dass der gesamte Unterrichtsbetrieb aber "buchlos" organisiert werden kann ist eher eine Illusion von Utopisten als ernsthafte Vorstellung von im Unterricht stehenden Kolleginnen und Kollegen.

Vorteile von Netbooks

Netbooks sind klein und leicht und nur mit der nötigsten Hardware ausgestattete Laptopvarianten. Ihnen fehlt eine Festplatte, die durch einen Speicherchip ersetzt wurde. Dazu bieten sie eine Vielzahl von Schnittstellen, mit denen sie unter anderem leicht in ein Funknetz eingebunden werden können. Ein großzügig dimensionierter Akku erlaubt einen dem Taschenrechner ähnliche Verfügbarkeit. Sie besitzen sowohl das äußerliche Format als auch das Gewicht und die Haptik eines mittleren Schulbuchs. Sie passen also problemlos in einen gewöhnlichen Schulranzen. Diese Kompatibilität mit dem Schulalltag macht sie zu Werkzeugen des Durchbruchs beim Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) in der Schule, insbesondere im Mathematikunterricht der 10. Klassen des G8, bei dem wie dargelegt ein Rationalisierungsproblem besteht. Die Funktionalität erlaubt problemlos einen grafikfähigen Taschenrechner (GTR) inklusive der CAS-Varianten (Computer Algebra System) zu ersetzen. Mithin erhöhen Netbooks die physische Schülerbelastung nur minimal, bei erheblichem Nutzen in der Anwendung.

Voraussetzungen

IuK-Voraussetzungen

Alle Schülerinnen und Schüler verfügen über dasselbe Netbook mit derselben Software. Im konkreten Fall wurden Intel Classmate Netbooks mit vorinstallierter Software (Ubuntu Linux, GeoGebra, Geonext und wxMaxima) verwendet, die vom Verein Schulen ans Netz e. V. im Rahmen des Projektes "Naturwissenschaften entdecken!" zur Verfügung gestellt wurden. Die Verwendung von Linux-Netbooks und fehlendem root-Passwort hat den Vorteil, dass die Lernenden die Rechner nicht manipulieren können. Erfahrungsberichte von Laptopklassen haben gezeigt, dass ein sinnvoller Unterrichtseinsatz privater Laptops nur möglich ist, wenn neben der privaten Partition auf der Festplatte eine weitere "Schulpartition" unter Linux vorhanden ist, die ausschließlich von der Lehrkraft verwaltbar ist. Diese Erfahrung mit Laptopklassen und privaten Laptops sollte unbedingt auf Netbookklassen übertragen werden. Wegen der Größe der Netbooks muss aber im Regelfall auf eine Dualboot Umgebung (wahlweise Windows oder Linux) verzichtet werden. Deshalb die dringende Empfehlung, Netbooks ähnlich wie GTR anzusehen: für die Schülerinnen und Schüler nicht veränderbar. Das lässt sich problemlos mit den preiswerten Linux-Netbooks realisieren.

Mathematische Voraussetzung

Ganzrationale Funktionen sind in der Klasse bekannt.

Autor
Avatar Dr. Karl Sarnow

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