Prinzipien des genderorientierten multimedialen Unterrichts

Wo liegen für Mädchen und Jungen gleiche und unterschiedliche Problemlagen? Zehn Prinzipien, die beim Computereinsatz in der Grundschule zu beachten sind.

Prinzipien für die Lehrkraft

  • Einstellung der Lehrkraft

    Die Interessen an Technik und Computern sowie die Leistungen beider Geschlechter müssen in gleichem Maße geachtet werden. Abwertende Verhaltensweisen sollten vermieden und ihnen entgegengesteuert werden. Dazu ist es nötig, die eigene Einstellung als Lehrkraft in Bezug auf die vermuteten technischen Mehrkompetenzen bei Jungen zu überprüfen. Es ist nicht sinnvoll, Mädchen zu schonen und Jungen am Computer zu überfordern, zum Beispiel durch das Herbeirufen bei technischen Schwierigkeiten.
  • Gegengeschlechtliche Erfahrungen

    Schülerinnen und Schüler müssen in ihren jeweils geschlechtsspezifischen Technik- und Computererfahrungen wahrgenommen und unterstützt werden. Gleichzeitig müssen ihnen neue und auch gegengeschlechtliche Erfahrungen ermöglicht werden. So sollen Jungen Erfahrungen im kreativen Umgang mit Computern sammeln, in dem sie am PC schreiben oder malen. Mädchen dagegen sollten in der Schule Möglichkeiten erhalten, mit Mathematikprogrammen zu arbeiten oder Computerspiele zu spielen.
  • Genderregeln im Unterricht

    Die Lehrkraft sollte durch Klassenregeln eingreifen, wo dies sinnvoll und notwendig erscheint. Es sollte zur Selbstverständlichkeit werden, dass im Gesprächskreis Jungen und Mädchen nebeneinander sitzen, keine Mädchen- und Jungentische zugelassen sind. Dies bedeutet auch, das prinzipiell ein Mädchen und ein Junge gemeinsam am PC arbeiten. Gelegentlich sollte eine begründet gewählte geschlechtsspezifische Gruppenzusammensetzung bei bestimmten Themen durchaus akzeptiert werden.
  • Geschlechterbewusste Sprache im Unterricht

    Lehrerinnen und Lehrer sollten den neutralisierenden Begriff "Kinder" vermeiden. Sie sollten bei Aufgabenstellungen und in Berichten von "Mädchen" und "Jungen", "Schülerinnen" und "Schülern" sprechen und sie damit auch in ihren je spezifischen Unterschieden meinen und berücksichtigen. Dies sind keine "Höflichkeitsfloskeln" und vermeintliche Erschwernisse im Umgang mit Sprache, sondern es bedeutet, sich bewusst auf die Einzelnen einzulassen.

Mädchen und Technik

  • Expertinnenstatus

    Eine einfache, aber wirkungsvolle Maßnahme ist, neue Techniken, beispielweise das Scannen, einmal zuerst einer Mädchengruppe zu erklären. Diese gibt das Wissen dann an die Mitschüler und Mitschülerinnen weiter. Dadurch erhalten die Mädchen einen Expertinnenstatus, der dem Bild des technikfernen und inkompetenten Mädchens entgegenwirken kann.
  • Weibliche Technikkompetenz

    Die Technikkompetenz der Mädchen wird gestärkt. Mädchen erleben sich selbst als fähig, mit dem Computer umzugehen, und gleichzeitig erleben dies auch alle Mitschülerinnen, Mitschüler und Lehrkräfte.
  • Verantwortung für die Geräte

    Ein Chefinnen- und Chefsystem sollte eingeführt werden. Mädchen und Jungen übernehmen gleichberechtigt die Verantwortung für wichtige Bereiche in der Klasse, auch für die Computer. Computerchefinnen und -chefs werden zunächst von der Lehrkraft eingewiesen. Ein Grundsatz hierbei ist, dass ein Mädchen und ein Junge gemeinsam die Verantwortung für jeweils ein Gerät übernehmen. Nur diese schalten den Computer am Morgen ein und fahren ihn auch am Ende des Schultages ordnungsgemäß wieder herunter. Später bilden die "alten" Chefinnen und Chefs die neuen umfassend aus.
  • Stärkung der Identität

    Die Identitätsstärkung von Mädchen und Jungen muss gefördert werden. Dazu ist es notwendig, für Schülerinnen und Schüler Erfahrungsräume zu schaffen, in denen sie ihre je spezifischen Handlungskonzepte erproben können.

Medienerziehung in der Grundschule

  • Entzauberung des Computers

    Medienerziehung ist in den Rahmenplänen vieler Bundesländer Bestandteil aller Fächer. Der Einsatz klassischer Medien bereitet Lehrerinnen und Lehrern dabei in der Regel keine Schwierigkeiten, wohl aber der neu hinzugekommene Computer in der Medienecke des Klassenraums. Eigene Unsicherheiten verführen immer wieder dazu, das Gerät gar nicht erst oder nur sehr selten einzuschalten und es so für Mädchen und Jungen zu einem besonderen Highlight zu stilisieren. Nur eine regelmäßige und kontinuierliche Nutzung im Unterricht entzaubert den Computer.
  • Bewusster Einsatz alter und neuer Medien

    Der zielgerichtete und bewusste Einsatz von Medien erfordert, dass Mädchen und Jungen über den situations- und problemorientierten Einsatz von Computern selbstständig entscheiden lernen. Nicht immer ist es richtig, im Internet oder in elektronischen Lexika nach Informationen zu suchen, wenn im Klassenraum auch Bücher vorhanden sind. Hieran lernen Jungen, sich nicht nur auf Elektronik zu verlassen. Mädchen dagegen lernen, Elektronik adäquat einzusetzen. Beides sind wichtige Bestandteile von Medienkompetenz.
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