Die Möglichkeiten des Mediums

Das System richtet sich nicht nur an die Museumsbesucher vor Ort, sondern auch an Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und andere Fachinteressierte, die via Internet die Zeitreise machen möchten.

Sich ein Bild von der Vergangenheit machen

Benutzeroberfläche mit aktiviertem Zeitschieberegler im oberen Drittel. Unten Colonia und Umland
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Mit dem Zeitschieberegler durch die Jahrhunderte

Da das virtuelle Landschaftsmodell aufgrund seiner komplexen geometrischen Gestalt und der Datenmenge zurzeit noch nicht auf einem kommerziell verfügbaren Computer in Echtzeit bereist werden kann, wurde hierfür ein Softwaresystem entwickelt. Mit dem entstandenen multimedialen Informationssystem, kann der Nutzer durch die verschiedenen Zeitebenen interaktiv und in Echtzeit reisen. Er kann die jeweilige Epoche ihrer landschaftlichen Gesamtheit (siehe Abb. 5), aber auch im Detail, etwa ein Gebäude, betrachten. Das wesentliche interaktive Element des Systems ist ein "Zeitschieberegler", welcher mit einer Überblendtechnik eine Reise durch die Zeitebenen des Schichtenmodells ermöglicht.

Benutzeroberfläche: Colonia und Umland (mit eingeblendeter topografischer Karte)
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Bezug zur Gegenwart

Die mit Hilfe moderner 3D-CAD-Systeme rekonstruierten und fotorealistisch visualisierten Darstellungen vermitteln ein gut verständliches und nachvollziehbares Bild von Landschaft und Architektur des Xantener Raums vor 1500 Jahren. Eine interaktiv einzublendende Karte der heutigen Situation bietet die Möglichkeit, einen Bezug zur Gegenwart herzustellen (siehe Abb. 6). Die hierdurch gegebene unmittelbare Vergleichbarkeit von Damals und Heute hilft, eine Vorstellung von Dimension und Bedeutung der römischen Stadt in Bezug zur Landschaft der Gegenwart zu gewinnen.

Benutzeroberfläche mit vergrößerter Darstellung der CUT und bewegbarem ovalen Sichtfenster
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Archäologische Befunde im Scheinwerferlicht

Mit Hilfe eines mit der Maus bewegbaren ovalen Sichtfensters (in Form eines "Scheinwerferkegels") kann der Benutzer die Draufsicht der Stadt, der Legionslager, der Ziegelei und der Straßen abtasten. Dort erscheinen dann Befundpläne, die den tatsächlich ergrabenen Zustand und somit die dokumentierten Überreste der Vergangenheit zeigen. Eine Gegenüberstellung von Befund und rekonstruierter Hypothese ist mit dieser Darstellungsform jederzeit gegeben (siehe Abb. 7).

Xanten, Colonia Ulpia Traiana: Film mit Kerninformationen zum Objekt (hier: Hafentempel)
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Objektbezogene Zusatzinformationen

Ist das genannte Sichtfenster beispielsweise über einem Gebäude platziert worden, so können durch einen weiteren Mausklick objektbezogene Zusatzinformationen abgerufen werden. Eingeleitet werden diese Informationen durch einen computeranimierten Kurzfilm, der Kerninformationen zu dem Objekt liefert (siehe Abb. 8). Der "Zurück"-Knopf bietet dem Nutzer die Möglichkeit, jederzeit zur Gesamtdarstellung der Landschaft und zur Zeitreise zurückzukehren. Hier findet er auch allgemeine Informationen, etwa zur Vegetation oder zur Topografie.

Xanten: Film ?Römische Legionen am Niederrhein - Woher und wohin
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Medium "Film" für komplexe Themen

Auf der Hauptebene lassen sich insgesamt zehn drei- bis achtminütige Filme abrufen. Sie liefern zusätzliche Informationen zu Themen wie Importgütern, dem Verkehrsnetz, Bestattungsbräuchen, der Herkunft und dem Verbleib der in Xanten stationierten Legionen (siehe Abb. 9) et cetera. Auslöser für die Entwicklung dieser Filme war die Überzeugung, dass einige wichtige Themen gar nicht oder nicht ideal nur in Bild und Text vermittelt werden konnten. Für diese wurde das Medium Film gewählt, das die jeweiligen Inhalte in einer dramaturgisch interessanten Mischung aus computeranimierten Sequenzen des virtuellen Modells und bewegten Bildern transportiert.

Didaktischer Ansatz des Projekts

Sich ein Bild von der Vergangenheit machen zu können - dies war der didaktische Ansatz bei der Entwicklung des Systems. Informationen werden vermittelt durch das interaktive Ein- und Überblenden von Bildern, das Abspielen von animierten Grafiken und computergenerierten Filmen. Die multimedialen Möglichkeiten des Computers waren Parameter bei der Entwicklung des pädagogischen Gesamtkonzeptes. Der interaktiv zu bedienende "Zeitschieberegler" ist ein solches multimediales Element und auch Kernstück dieses Informationssystems. Er hilft, nicht nur stets die Orientierung bei der Reise durch 500 Jahre Stadt- und Landschaftsgeschichte zu behalten, sondern auch in kurzer Zeit eine Gesamtvorstellung wesentlicher epochaler Ereignisse von der Entstehung bis zum Untergang der CUT zu bekommen.

Hypothesen als solche kenntlich machen

Digitale Medien ergänzen andere Medien

Die computergenerierten, realitätsnahen Darstellungen der Landschaften, Siedlungen und Gebäude vermitteln ein scheinbar exaktes, umfassendes und detailscharfes Bild der Vergangenheit, an dessen Unmittelbarkeit weder ein künftiger Forschungsstand wird heranreichen können, geschweige denn der aktuelle heranreicht; sie sollen lediglich helfen, sich ein Bild über das Vergangene zu machen. Man sollte sich also auch dem Problem stellen, wie die Überzeugungskraft dieser Bilder, nach denen leicht alles für wissenschaftlich erwiesen und abschließend erforscht angesehen werden könnte, zu relativieren ist und die Kluft zwischen dem tatsächlich Gesicherten, dem Interpolierten und dem frei Ergänzten als "Unschärfe des Wissens" zumindest ansatzweise selbst visualisiert werden kann.

Visualisierung als Forschungsmotivation

Während der Projektbearbeitung zeigte sich, dass das hierarchische und modular strukturierte System ein universelles Forschungs- und Präsentationswerkzeug für weite Felder der Archäologie, ja der Vermittlung komplexer Informationen in Gänze sein kann. Die intensiven und fortlaufenden Diskussionen zwischen den unterschiedlichen Fachdisziplinen während der Umsetzung führten zu zahlreichen Iterationsschritten. Im Ergebnis gibt es an manchen Punkten auch differierende, teils gar entgegen gesetzte Forschungsmeinungen unter Forschern: durch direkte Gegenüberstellung können sie die Vermittlung der "Unschärfe des Wissens" unterstützen.

Forschung schreitet fort!

Für multimediale Systeme, die Forschung unterstützen und vermitteln wollen, ist es von großer Bedeutung, mit der Dynamik der Forschung Schritt halten zu können. Leichte, schnelle und damit kostengünstige Administration (Änderung von Inhalten) und Übertragbarkeit machen solche Systeme zukunftssicher und angesichts angespannter öffentlicher Kassen notwendig - besonders in unserer Museumslandschaft.

Dossier "Vertretungsstunden sind kein Hexenwerk"
Frei nutzbares Material
Die von Lehrer-Online angebotenen Materialien können frei für den Unterricht genutzt und an die eigene Zielgruppe angepasst werden.