Grundlegendes zum Konzept

Innerhalb der Oberstufe entwickeln die meisten Schülerinnen und Schüler mehr oder weniger klare Vorstellungen über ihre Zukunft. Die Lehrkraft hilft, Pläne auszubauen.

Was ist Coaching?

Wenn man Definitionen vereinfacht, kommt man zu einer Grundstruktur, die die freiwillige Kooperation zwischen Klient (Schülerien oder Schüler) und Coach (SBK) mit dem Ziel der Verbesserung der berufsbezogenen Perspektivenbildung bei dem oder der Lernenden ins Zentrum stellt. Der Coach kann sich auf ein differenziertes Instrumentarium stützen, das die Selbsttätigkeit des Klienten ermöglicht.

Was macht Schülerinnen und Schüler zu Klienten?

  • Beispiel: "Ich studiere Medizin und übernehme später die Praxis meines Vaters."

    Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die sehr klare Vorstellungen haben, benötigen in der Regel kein Coaching. In solchen Fällen sollte der SBK lediglich die Solidität dieser Perspektive befragen.
  • Beispiel: "Ich muss erst zum Bund, also habe ich noch viel Zeit zum Nachdenken."

    Viele Schülerinnen und Schüler verweigern sich trotz intensiver Bemühungen der Eltern und des SBK einer Perspektivenbildung bis in die Jahrgangsstufe 13 hinein und sind entsprechend keine Klienten. Hier kann der SBK nur geduldig abwarten und gelegentlich nachfragen.

Klienten

  • Beispiel: "Mein Freund will BWL studieren, wäre das auch was für mich?"

    Der überwiegende Teil der Schülerinnen und Schüler entwickelt sich in der Jahrgangsstufe 12 zum Klienten, da durch Elternhaus, Peergroup und flankierende Maßnahmen der Schule Ziele, Wünsche, Perspektiven, Probleme und Ängste auftauchen, die den Wunsch nach Klärung bedingen.
  • Beispiel: "Ich würde gern etwas mit Sprachen machen."

    Ein kleiner Teil der Schülerinnen und Schüler entwickelt bereits in der Jahrgangsstufe 11 entsprechende Perspektiven und gehört damit zum Klientenkreis, bildet dafür aber auch meistens sehr früh klare Vorstellungen aus.

Was macht Lehrerinnen und Lehrer zum Coach?

Die Aufgabe bedingt die Rolle

Nach modernem Verständnis ist jeder Lehrer und jede Lehrerin spätestens in der Oberstufe ein Coach im Sinne eines Lernberaters oder einer -beraterin, auch wenn praktisch in Deutschland Belehren und Bewachen noch vor Unterstützen und Beraten rangieren. Eine Lehrkraft, die das Amt des SBK übernimmt, wird automatisch in die Coach-Rolle gezwungen: Niemand kann sich heute zutrauen, einem jungen Menschen eine stabile Lebensperspektive zuzuweisen; man kann nur versuchen, die Möglichkeiten des persönlichen Life/Work-Planning zu verbessern. In diese Rolle kann sich jeder und jede einarbeiten, perspektivisch hoffentlich mit Fortbildungsangeboten als Hilfe.

Kompetenzen ausbauen

Der SBK muss sich lediglich in die Grundstrukturen des Coaching einarbeiten und muss kein Experte für Persönlichkeits- und Intelligenztests werden. Alle komplizierten Einzelfragen verlagert der Coach in das umgebende Netzwerk.

Aufgaben und Phasen des Coaching

"Ich möchte etwas im Bereich Mode machen, weiß aber nicht was."

Jeder Klient geht mit einem konkreten Problem, einem Wunsch oder einem Ziel in das Coaching. Auf dieser Basis sind die folgenden Phasen zu durchlaufen.

  • Ausgangslage klären

    Hier sollte der Coach zunächst die Ausgangslage klären (Vorwissen, bereichsbezogene Erfahrungen, familiäre Kenntnisse).
  • Beratung einfordern

    Bei geringen Kenntnissen sollte der Klient sich selbst die Aufgabe stellen, Beratung zu beanspruchen; den Kontakt zur Agentur für Arbeit stellt der SBK her.
  • Selbsteinschätzung

    Wenn der Klient in der nächsten Phase genügend Kenntnisse über die Anforderungen und Möglichkeiten in seinem Bereich vorweisen kann, sind Feststellungsverfahren sinnvoll, etwa ein Fragebogen zum Kompetenzprofil (Selbsteinschätzung), verbunden mit einem Berufseignungstest, vermittelt durch den SBK.
  • Angebote zur Zielfindung

    Wenn die angestrebte Perspektive dadurch unterstützt wird, kann der SBK Angebote machen (Freistellung für ein individuelles Praktikum, für Betriebserkundungen und Expertengespräche, für Hochschulbesuche). Um die Realisierung sollte sich der Klient selbst bemühen, eventuell kann der SBK Kontakte vermitteln.
  • Evaluation

    Abschließend sollte eine kurze Evaluation stattfinden. In den einzelnen Phasen sind zeitliche Festlegungen wichtig. Grundsätzlich sollten Klientenihren Coach über den Verlauf informieren.
  • Indirekte Einflussnahme

    Insgesamt ist wichtig, dass der Klient lernt, sich um seine eigene Zukunft zu kümmern; wenn es dabei Schwierigkeiten gibt, sollte der SBK nicht in seine Lehrerrolle verfallen, sondern eher indirekt Einfluss nehmen, wenn das möglich ist.
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Avatar Klaus Meschede

ist OStR i.E. am LSH Schloss Heessen, einem privaten Ganztagsgymnasium mit Internat in Hamm. Er unterrichtet die Fächer Deutsch, Philosophie, Pädagogik und Musik. Zudem ist er Berufskoordinator am LSH und Administrator für lo-net² am LSH. Einen Arbeitsschwerpunkt bildet der mediengestützte Unterricht in der Sekundarstufe II.

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