Selbststeuerung und autonomes Lernen

Das Seminar "Digitale Medien im Fremdsprachenunterricht" initiiert das selbstgesteuerte Lernen und stellt damit für die Studierenden einen Schritt auf dem Weg zum autonomen Lernen dar.

Selbststeuerung und autonomes Lernen in hybriden Lernarrangements

Die Begrifflichkeiten

Die Begriffe "selbstgesteuertes Lernen" und "autonomes Lernen" werden mitunter als Synonyme verwendet, obwohl sie auf unterschiedlichen Ebenen des didaktischen Begriffsfeldes angesiedelt sind (Wolff 2003: 321). Im Folgenden sollen sie voneinander abgegrenzt werden um anschließend Elemente des Blended-Learning-Seminars vorstellen zu können, die das selbstgesteuerte Lernen ermöglichen.

Ziele, Inhalte und Progressionen in eigener Verantwortung

Brammerts geht in Anlehnung an Holec davon aus, dass beim selbstgesteuerten Lernen der oder die Lernende selbst die Ziele, Inhalte und Progressionen, die angewandten Lernmethoden und Lernstrategien, alle Einzelschritte sowie die Evaluation und Bewertung seines eigenen Fremdsprachenlernens bestimmt. Er wird dabei oft mit anderen kooperieren und Hilfen anderer in Anspruch nehmen, übernimmt aber die Verantwortung für sein eigenes Lernen und bestimmt in letzter Instanz selbst (2006:1).

Hohes Maß an Selbststeuerung

Brammerts bezieht sich auf ein hohes Maß an Selbststeuerung und deutet dennoch an, dass beim selbstgesteuerten Lernen nicht auf die Vorstrukturierung des Lernprozesses verzichtet werden muss. Die Vorgabe von Lernzielen, Methoden oder eine Auswahl von Ressourcen ist durchaus mit dem selbstgesteuerten Lernen vereinbar (Konrad / Traub 1999; Schmidt 2005) und anfangs sogar notwendig, um Demotivation zu vermeiden. Lerner sind nicht per se in der Lage ihren Lernprozess selbst zu steuern und fordern durchaus Strukturierungshilfen ein (vgl. Grünewald 2006: 305ff).

Konkrete Lernsituation versus Lernerautonomie

Meines Erachtens ist der Begriff des "selbstgesteuerten Lernens" auf die konkrete Lernsituation zu beziehen während "Lernerautonomie" als der übergeordnete Begriff zu verstehen ist. Damit ist die Fähigkeit selbstgesteuerte Lernprozesse zu bewältigen eine Teilkompetenz des autonomen Lerners.

 

Psychologische und politische Kompetenzen

Benson nennt diese Teilkompetenz die "technische" Version von Lernerautonomie und fügt zwei weitere hinzu: die psychologische und die politische (1997, zit. nach Wolff 2003: 321). In der psychologischen Variante rückt die Fähigkeit, für seinen eigenen Lernprozess Verantwortung zu übernehmen in den Mittelpunkt während die politische Variante die Bedingungen fokussiert, unter welchen es Lernern möglich ist, sowohl ihr eigenes Lernen" als auch die institutionellen Kontexte zu kontrollieren, in welchen ihr Lernen stattfindet (Wolff 2003: 321). Autonomes Verhalten setzt ein bestimmtes Maß an Kompetenz voraus. Wenn die Erwartungen an Lernende zu hoch sind, wenn beispielsweise zu schnell Autonomie erwartet wird oder Lernende nicht mit der Technologie vertraut sind, lässt das Interesse nach und die Motivation nimmt ab (vgl. Grünewald 2006: 305ff).

Autor
Avatar Prof. Dr. Andreas Grünewald

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