Die Unterrichtsreihe „Our town“

Ein offenes Thema für die Videokonferenzschaltungen, das sich gut in den fächerübergreifenden Unterricht integrieren lässt, kann Unterschiede in den Lernständen bei deutschen und britischen Kindern auffangen.

Themenfindung

Unterschiedliche Curricula

Bei einem Treffen im März 2006 glichen die verantwortlichen Lehrkräfte die Schnittstellen der beiden Curricula ab. Im Gegensatz zum nordrhein-westfälischen Lehrplan Englisch sieht das National Curriculum noch keine zusätzliche Zeit für den Fremdsprachenunterricht in der Grundschule vor. Die Anforderungen, die ab 2008 verbindlich werden, bewegen sich auf einem niedrigen Sprachniveau. So musste bei der Themenfindung vor allem darauf geachtet werden, dass die Inhalte der Videokonferenzen gut in andere Fächer zu integrieren waren und genug Offenheit boten, um die unterschiedlichen Lernstände aufzufangen.

 

"Wir erkunden unsere Heimatstadt"

Das Präsentieren von Arbeitsergebnissen bietet eine gute Möglichkeit, auch mit geringen sprachlichen Mitteln miteinander zu kommunizieren. Gemeinsam entschied man sich für das Thema "Our town", welches sich in vier Sequenzen gliederte:

  • Videokonferenz 1: Gegenseitiges Kennenlernen
  • Videokonferenz 2: Shops and buildings
  • Videokonferenz 3: Emergency services
  • Videokonferenz 4: Transport

Als weitere Themen wären auch "This is me", "Down our street" oder "Our school" denkbar gewesen.

Umsetzung

Einbindung in den Englisch-, Sach- und Kunstunterricht

Die Unterrichtsreihe "Our town" wurde in Deutschland fächerübergreifend in einem dritten Schuljahr umgesetzt. Die Schülerinnen und Schüler der englischen Partnerklasse waren ein Jahr älter. Die Kinder erkundeten ihre jeweilige Heimatstadt, fotografierten und zeichneten Geschäfte, Gebäude, Fahrzeuge und Personen und beschrifteten diese in der Fremdsprache. Während der Videokonferenzen wurden vier unterschiedliche Schwerpunkte (siehe oben) der so entstandenen Stadt thematisiert.

 

Jeder kommt dran

Da die Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Konferenzen keine gleich großen Redeanteile hatten, durfte nach und nach jedes Kind eine führende Sprecherrolle übernehmen (etwa fünf Kinder pro Konferenz). Dies waren meist einleitende Sätze in der Fremdsprache, kurze Erklärungen zu den gezeigten Bildern und Gegenständen oder einfache Fragen an die Partnerklasse, die vorher festgelegt wurden.

 

Eine Ausstellung zum Abschluss

Kinder mit Sprecherrollen saßen unmittelbar vor der Kamera und bekamen ihre eigene Einstellung (shot). Die übrigen Klassenmitglieder saßen gut sichtbar in den Reihen dahinter. Antworten auf gestellte Fragen konnten spontan von allen Kindern in der Muttersprache gegeben werden. Vor den Sommerferien endete die Unterrichtsreihe und die Partnerklassen bekamen die Materialien zur jeweils anderen Stadt zur Ausstellung im Schulgebäude per Post zugeschickt.

Fazit

Eine wertvolle Erfahrung

Für die englischen und deutschen Schulkinder war das Videokonferenzprojekt eine wertvolle Erfahrung, die ihre Einstellungen gegenüber fremdsprachigen Kulturen und ihr Interesse an ihnen positiv beeinflusst hat. Durch das Nutzen der Fremdsprachen in einer authentischen Kommunikationssituation wurden auch ihre sprachlichen Fähigkeiten erweitert.

Tipps für die Praxis

  • Die Videokonferenzen stellen insbesondere von technischer Seite eine Herausforderung dar. Um die Kinder nicht zu enttäuschen ist es sinnvoll, im Vorfeld eine Konferenz nur mit Kolleginnen und Kollegen durchzuführen, um die Technik auszuprobieren.
  • Es ist zu empfehlen, offene Themen zu wählen, die es ermöglichen, die Fremdsprache auf unterschiedlichem Niveau anzuwenden, da die Sprachkompetenz der deutschen Schülerinnen und Schüler in Englisch in der Regel höher ist als die der englischen Schulkinder im Deutschen.
  • Einzelne Videokonferenzen sollten in eine themenbezogene Unterrichtsreihe eingebettet werden, die den Kindern die notwendigen sprachlichen Mittel näher bringt.
  • Es ist wichtig, die Sitzordnung, die Verteilung und Reihenfolge der Sprecherrollen sowie den genauen Ablauf der Konferenz vor jedem Treffen genau mit den Kindern zu besprechen und einzuüben. Kameraeinstellungen können auf diese Weise erprobt und gespeichert werden.
  • Damit die Schaltungen termingerecht umgesetzt werden können, müssen sich die verantwortlichen Lehrkräfte inhaltlich und zeitlich genau aufeinander abstimmen.
  • Im Fremdsprachenunterricht allein sind Videokonferenzen aufgrund des hohen organisatorischen Aufwands schwierig zu realisieren. Gute Umsetzungsmöglichkeiten bieten sich allerdings für Klassenlehrerinnen und -lehrer, die den Englischunterricht in ihrer eigenen Klasse geben.
Autorin
Avatar Babette Schulz

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