Grenzen überwinden mit E-Mail-Partnerschaften

  • Computer, Internet & Co. / Sache und Technik
  • Primarstufe
  • 4 bis 5 Unterrichtsstunden zur Einführung in das Projekt, danach flexibel
  • Ablaufplan, Arbeitsblatt, Projekt

Das Internet und die Möglichkeit des kostengünstigen und äußerst Zeit sparenden Verschickens von E-Mails hat die Kommunikation verändert. Ziel einer E-Mail-Partnerschaft sollte nicht nur sein, die Voraussetzungen und Abläufe der E-Mail-Korrespondenz kennen zu lernen, sondern auch viel über die Lebensbedingungen der Kinder im Austauschland zu erfahren.

Beschreibung der Unterrichtseinheit

Ein realer kommunikativer Anlass erhöht die Freude und die Motivation der Kinder am Lesen und Schreiben und lässt sie die Möglichkeiten der Schrift als Kommunikationsmedium entdecken und erfahren. Jede Form von Klassenkorrespondenz - also der Austausch schriftlich verfasster Texte mit anderen Klassen - regt Kinder dazu an, einander näher kennen zu lernen und sich füreinander zu interessieren. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei schriftlich zu kommunizieren und zu Problemen und Fragen Stellung zu beziehen. Sie setzen sich mit den Erfahrungen und Sichtweisen ihrer Korrespondenzpartnerinnen und -partner auseinander und reflektieren dabei auch ihre eigene Umgebung, ihre Einstellungen und Wertmaßstäbe. Ihr Gesichtskreis wird erweitert, ihr Mitteilungsbedürfnis befriedigt. Dies gilt umso mehr, wenn die Partnerklasse weit entfernt beheimatet ist oder sich gar im Ausland befindet.

Didaktisch-methodischer Kommentar

Voraussetzungen schaffen

Schulpartnerschaften in Europa und weltweit

Wie und wo findet man die passende Partnerschule für ein E-Mail-Projekt? Eine gute Anlaufstelle ist beispielsweise das Projekt eTwinning. Es hat die Vernetzung von Schulen in Europa und die Fortbildung von Lehrkräften zum Ziel. Die gute europaweite Vernetzung kann auch dazu genutzt werden, virtuelle Schulpartnerschaften aufzubauen. Eine weitere gute Anlaufstelle ist die Seite Partnerschulnetz, auf der sich bereits über 4.400 Schulen weltweit mit einem kleinen Profil und ihren Kooperationsideen vorstellen.

Kostenlose Mailadressen einrichten

Zur Einrichtung einer eigenen E-Mail-Adresse bieten sich beispielsweise die Internetplattformen Grundschulpost oder mail4kidz.de an. Die Seiten gestatten nur die Kommunikation mit Kindern aus der Freundesliste beziehungsweise des Adressbuches, keine Werbe-Mails oder Fremdmails kommen ins Postfach der Kinder. Eine Anmeldung ist jeweils nur mithilfe der Eltern sowie mit deren Zustimmung und Unterschrift einzurichten. Die Kinder können somit ohne Angabe von persönlichen Informationen (wie zum Beispiel Adresse) nach der Registrierung auf ihr eigenes E-Mail-Konto zugreifen und ihre ersten kurzen Nachrichten per Mail an die eigenen Mitschülerinnen und Mitschüler schreiben.

Rechtsgrundlagen und Sicherheitsaspekte

Bevor die Kinder sich bei Grundschulpost oder einem anderen Anbieter anmelden können, ist das schriftliche Einverständnis der Eltern erforderlich! Außerdem müssen die Schülerinnen und Schüler über die wichtigsten Sicherheitsregeln im Umgang mit ihren persönlichen Daten unterrichtet werden, bevor sie ihre E-Mail-Adressen einrichten und nutzen können. Mehr zum Thema finden Sie unter klicksafe.de oder bei seitenstark.de.

Praktische Umsetzung

Wie unterhalten wir uns? Und worüber?

Meist haben die Grundschulkinder bereits einige Erfahrungen mit dem Schreiben klassischer Briefe. Diese Vorkenntnisse können zum Beispiel in Unterrichtsgesprächen auf moderne Kommunikationsmöglichkeiten ausgeweitet werden. Im gemeinsamen Klassengespräch werden Themen und Inhalte gesammelt, über die man sich austauschen möchte: Dazu gehören:

  • persönliche und biografische Angaben (zum Beispiel Eltern, Geschwister, Alter),
  • Erlebnisse,
  • Hobbys,
  • Vorlieben,
  • meine Heimat,
  • sonstige Fragen.

Ablauf des Projekts

Kontakt aufnehmen

Bei klasseninternen Mail-Kontakten haben die Kinder den Umgang mit dem E-Mail-Konto kennengelernt. Nun werden die bereits gesammelten Themen und Fragestellungen für den Austausch mit den Partnerkindern wiederholt. Anschließend gehen die Kinder paarweise an die Rechner, schreiben nacheinander ihre persönlichen Informationen auf und schicken die Mails an die Partnerschule. Dort wird eine Verteilung der einzelnen Schülerinnen und Schüler an ihre zukünftigen Partner vorgenommen. Wenn die ersten Nachrichten von den Partnerkindern eintreffen, werden sie den Mitschülerinnen und Mitschülern präsentiert. Der Grundstein ist gelegt, der Austausch kann beginnen.

Kontakte pflegen

Damit die Kontakte auch längerfristig aufrechterhalten und sinnvoll gestaltet werden können, müssen sie über den Austausch persönlicher Informationen hinausgehen. Anfangs brauchen die Kinder Unterstützung in Form thematischer Anregungen und konkreter Inhalte. Hier einige Beispiele: Einbeziehung von Sachunterrichtsthemen: Informationen über Stadt, Region, Land, Lebensumstände sammeln und austauschen. Aufgaben aus dem Sprachunterricht: Die Kinder beginnen länderübergreifend ein Elfchen zu schreiben. Jede Schülerin und jeder Schüler der Partnergruppe darf ein Wort hinzufügen und es dann seinem Partner schicken. Nach mehreren Kontakten (am besten zeitgleich im Netz) entsteht ein gemeinsames Elfchen. Die Ergebnisse werden ausgedruckt und der Klasse präsentiert. Nach der Anlaufphase ist das Projekt ein "Selbstläufer". Die Kinder teilen sich jetzt selbstständig ihre Zeit für die Kommunikation ein und präsentieren regelmäßig ihre Ergebnisse und Informationen.

Rahmenbedingungen

Eine Korrespondenz per E-Mail mit einer Partnerklasse ist nur dann sinnvoll, wenn die Kinder mehrmals pro Woche Zugriff auf ihr Postfach haben. Nimmt das Warten auf eine Antwort zu viel Zeit in Anspruch, lässt die Motivation schnell nach. Um den Kindern zusätzlich Zeit zum Schreiben zu geben, können auch die Pausen genutzt werden. Nachteil: Bewegungsaktivitäten und der persönliche Kontakt zu anderen Schulkindern werden dadurch natürlich eingeschränkt. Auch zu bedenken sind die unterschiedlichen Ferienzeiten und mögliche sprachliche Barrieren, die es zu überwinden gilt.

  • Ergebnisse
    Der Autor berichtet über die Umsetzung eines eigenen Austauschprojektes, beschreibt den neuen Kompetenzzuwachs der Kinder und den "Blick über den Tellerrand".

Vermittelte Kompetenzen

Sprachdidaktische Ziele

Die Schülerinnen und Schüler

  • lernen Schrift im kommunikativen Kontext kennen.
  • erfahren die Funktion von Schrift als Mittel zur schriftlichen Verständigung zwischen einzelnen Personen.
  • verfassen Texte frei und selbstständig.
  • beschreiben Ereignisse genau, sodass keine Missverständnisse auftreten.
  • orientieren sich an einem konkreten Empfänger.
  • stimmen die genaue Beantwortung von Fragen oder Beschreibungen einzelner Geschehnisse auf den Adressaten ab.
  • erschließen sich Texte Sinn entnehmend.

Medienkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • lernen den Umgang mit E-Mails.
  • erfahren die E-Mail als sinnvolles Kommunikationsmittel.
  • lernen den richtigen Umgang mit dem E-Mail-Account kennen (zum Beispiel anmelden, Postfach öffnen, E-Mails lesen und beantworten, nutzen des Adressbuchs, versenden von Anhängen).

Sozialkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • bauen Kontakte auf und erhalten sie (über einen längeren Zeitraum) aufrecht.
  • entwickeln Interesse an der Lebensweise anderer Kinder.
Autor
Avatar Lars Poppenborg

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In Kooperation mit

eTwinning

eTwinning fördert und unterstützt europäische Schulpartnerschaften.

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