Raus aus dem Klassenzimmer

Ein Beispiel zur Öffnung des Softwareunterrichts präsentierte jüngst die Höhere Technikschule des Berufskollegs Uerdingen: Die Projektgruppe rekonstruierte eine abgebrannte Synagoge.

Beschreibung

Zahlreiche Gäste waren erschienen, als die sechs Schüler der Höheren Technikschule des Berufskollegs Uerdingen selbstbewusst und nicht ohne Stolz das Ergebnis ihrer wochenlangen Arbeit vorstellten: die virtuelle Synagoge. Mithilfe alter Zeichnungen, Radierungen und wenigen stark verwitterten Fotos machten sich die Schüler an die Arbeit ein virtuelles dreidimensionales Modell der alten Synagoge aus der Krefelder Petersstraße am PC zu entwerfen, was ihnen auch erfolgreich gelungen ist (Abb.1 und Abb.2).

Hintergründe zum Projektvorhaben

Die Synagoge wurde in der Progromnacht 1938 von den Nationalsozialisten niedergebrannt und war damit unwiderbringlich verloren. Eine virtuelle Rekonstruktion wollte die Stadt Krefeld bereits vor Jahren an ein kommerzielles Büro in Auftrag geben, was aber durch die enormen Kosten verhindert wurde. Der Religionslehrer der Schülergruppe, Pfarrer Kai Schäfer, vermittelte Kontakte zur jüdischen Gemeinde, fand Zeitzeugen und verschaffte den Schülern Zutritt zu Synagogen, die einen ähnlichen Baustil aufweisen, so dass die Lerngruppe im Rahmen des Softwareunterrichts und in unzähligen Stunden ihrer Freizeit am Projekt arbeiten konnten.

Tag der Präsentation

Die Schüler demonstrierten den eingeladenen Gästen neben dem 40 Sekunden langen und aus 1400 Bildern bestehenden Rundflug um die Synagoge auch die weiteren Details ihrer Arbeit. Hierzu gehörten die Recherche im Stadtarchiv, das Erstellen der Grundkonstruktionen (Abb.3), die Gestaltung der Oberflächen des virtuellen Modells, die Einbindung in eine Präsentation sowie die Organisation ihrer Arbeit.

Öffnung der Schule

Die Lernenden erhielten neben den intensiven fachlichen Einblicken in der Bedienung verschiedenster Computeranwendungen Einblicke in die Arbeit des Stadtarchivs, der jüdischen Gemeinde, der christlich-jüdischen Gesellschaft. Sie lernten Experten und Zeitzeugen kennen und übten, ihre Arbeit vor größerem Publikum zu präsentieren. Die Schüler hielten mehrere Vorträge außerhalb der Schule und unternahmen Exkursionen zu wichtigen Stationen und Partnern. Außerdem gab es einige Besuche von Kooperationspartnern in der Schule. Abb. 4 zeigt einen Überblick über einige der im Schwerpunkt bearbeiteten Inhalte des Projekts. Es wird deutlich, welches Potenzial an Kooperationen innerhalb und außerhalb von Schule sich hier noch finden ließen.

Einbindung im Lehrplan

In der Bildungsgangkonferenz wurden Lernsituationen wie "Das Erstellen einer Lernsoftware" kreiert, welche die Teilnahme an den Schülerwettbewerben "join multimedie" und dem Focus-Schülerwettbewerb ermöglichte. Das Ganze fand im Rahmen der vom Lehrplan vorgeschriebenen Kategorie "Handhabung technischer Grundlagen" und der für das Fach Software vorgeschriebenen Inhalte "Nutzung aktueller Software, rechnergestützte Dokumentation und Präsentation" statt. Die Schüler, die nicht an den Wettbewerben teilnahmen, erlernten entsprechende Techniken im Klassenverbund.

Fazit

Breites Engagement

Zunächst muss herausgestellt werden, welche Arbeit die Schüler investierten und welche tolle Leistung sie damit erzielten. Eine Herkulesarbeit in wenigen Wochen. Es existierte in der Klasse noch eine Gruppe, die sich mit einer ähnlichen Thematik beschäftigte und ebenfalls erstaunlich gute Leistungen erzielte, wenn es hier auch weniger Medienresonanz gab.

Auszeichnungen und Erfolge

Neben den Auszeichnungen durch die Presse, den Urkunden aus den Schülerwettbewerben und den vielen Lobes- und Dankesworten aus zahlreichen Quellen erhielten die Schüler von der Schule ein Beiblatt zum Zeugnis, auf dem die herausragende Leistung gelobt wurde. Sicherlich waren all diese Referenzen bei den Bewerbungen der Schüler hilfreich. Mittlerweile haben alle Schüler der Gruppe einen Ausbildungsplatz in ihren Wunschberufen erhalten. Der besondere Erfolg der "Synagogengruppe" basierte sicher in erster Linie auf den leistungsstarken Schülern und in zweiter Linie auf der sehr guten Kooperation von Software- und Religionslehrer.

Autor
Avatar Michael Suermann

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