E-Learning - ein Schlüssel zu Motivation und Erfolg?

In diesem Fachartikel zum Thema E-Learning erfahren Sie, unter welchen Voraussetzungen diese Art des Lernens zu einem Motivationsanstieg auf Seiten der Lernenden führt.

Die Einstellung zu einem zu erlernenden Thema und die daraus resultierende Motivation beim Lernenden bilden die Grundlage jedes Lernprozesses und beeinflussen somit das Lernen - das ist in der Kognitionswissenschaft hinreichend bewiesen. Fehlende Motivation führt sehr häufig zu deutlich verringerter kognitiver Leistungsfähigkeit. Deshalb scheint eine positive Wahrnehmung des Lernstoffes notwendig, um die Basis eines wirksamen Lernprozesses zu bilden. Es werfen sich nun die Fragen auf, ob durch E-Learning-Maßnahmen die Motivation beim Lernenden positiv beeinflusst werden kann, und ob es einen Zusammenhang zwischen Motivation und E-Learning gibt.

Abwechslungsreicher Unterricht führt zu Lernerfolg

Einsatz verschiedener Medien

Zieht man einschlägige Fachliteratur (zum Beispiel Hilzensauer 2008, Holzinger 2001, Ehlers 2005) zu Rate, erkennt man relativ rasch, dass es einige Argumente gibt, die dafür sprechen, dass E-Learning die Motivation steigert. Beispielsweise kann das Lernen durch den Einsatz verschiedener digitaler Medien wie kurze Videosequenzen abwechslungsreicher werden. Oftmals ist schon alleine durch den Wechsel der Lehr- oder Lernmethode ein positiver Motivationseffekt zu erwarten. Möchte man dieses Argument kritisch betrachten, kann man sagen, dass der Unterricht durch ein jedes Medium abwechslungsreicher gemacht werden kann, und man dazu keine konkreten Umsetzungen von E-Learning-Maßnahmen beziehungsweise digitale Medien braucht.

Technische Affinität

Für manche Autorinnen und Autoren (Hilzensauer 2008, Wiedenmann 2002) wirkt sich vor allem das Ansprechen von technischer Affinität positiv auf die Motivation aus. Wenn man die aktuellen Entwicklungen im Bereich Internet oder die von sozialen Netzwerken betrachtet, lässt sich durchaus vermuten, dass besonders bei jungen Lernenden ein gewisser Motivationseffekt durch das Einbinden von digitalen Medien entsteht.

Flexible Lernorganisation möglich

Als einer der wichtigsten Vorzüge des Lernens mit digitalen Medien im Vergleich zum Lernen mit traditionellen Medien wird häufig die große Zeit- und Ortsunabhängigkeit genannt (Welsh 2003, Hudetz 2003). E-Learning ermöglicht somit eine flexible Lernorganisation. Lehrende und Lernende müssen sich nicht mehr zur gleichen Zeit am gleichen Ort treffen. Man kann alleine zu Hause sitzen und muss eigenverantwortlich dafür sorgen, dass die Inhalte verstanden und gelernt sowie die Aufgaben durchgearbeitet werden. Für jene, die die Reife der Eigenverantwortlichkeit haben, ermöglicht E-Learning somit eine flexible Lernorganisation. Heute weiß man (Winkelbauer ohne Jahrgang), dass sich die meisten Menschen beim Lernen zu Hause wohler führen, was einen Anstieg der Motivation zur Folge hat.

Kritische Betrachtung

Die Annahme, dass E-Learning die Motivation steigert, ist allerdings nicht unumstritten und wird auch kritisch gesehen. Dieses Argument wird von manchen Experten sogar als Mythos bezeichnet (Holzinger 2001, Rietsch 2003). Die Vermutung, alleine die Verwendung neuer Technologien sei motivierend, wird mit dem Konzept der Neugiermotivation erklärt, könne jedoch kaum als dauerhaft angesehen werden. Durch die Einführung eines digitalen Mediums ist zwar ein kurzzeitiger Motivationsanstieg beim Lernenden erkennbar, dieser lasse allerdings nach einem bestimmten Zeitraum bis zur Gänze nach.

Fazit: Didaktisches Konzept erforderlich

Wie man im Vorangegangenen erkennen kann, gibt es trotz aller Kritik eine Reihe von Argumenten, die für einen positiven Motivationsanstieg sprechen. Um diese Motivation auf Dauer aufrecht zu erhalten, scheint vor allem die Gestaltung der konkreten Form der Umsetzung von E-Learning (zum Beispiel bei einem Kurs auf einer Lernplattform) ausschlaggebend und einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren beim E-Learning zu sein. In diesem Sinne können digitale Medien nur mithilfe eines didaktischen Konzepts zielführend eingesetzt werden.

Literatur zum Thema E-Learning

Hier finden Sie die Literatur aufgelistet, auf die sich der Autor des Fachartikels bezieht. Die Werke versorgen Interessierte außerdem mit ausführlicheren Informationen.

  • Ehlers, U. (2005)

    Was wissen wir über den E-Lerner? - Zum Stand der Qualitätsforschung aus Nutzersicht. In Balli, C. (Hrsg.), E-Learning - wer bestimmt die Qualität (S. 10-12). Bielefeld: Bertelsmann.
  • Hilzensauer, W., Attwell, G., Chrzaszcz, A., Buchberger, G., Hornung-Prähauser, V. & Pallister, J. (2008)

    Neue Kompetenzen für E-Portfolio-Begleiter/innen? - Der Kurs MOSEP - More Self-Esteem with my E-Portfolio. In Zauchner, S., Baumgartner, P., Blaschitz, E. & Weissenbäck, A. (Hrsg.), Offener Bildungsraum Hochschule - Freiheiten und Notwendigkeiten (S. 103-112). Münster/New York/München/Berlin: Waxmann.
  • Holzinger, A. (2001)

    Basiswissen Multimedia. Würzburg: Vogel.
  • Hudetz, K. (2003)

    E-Learning als methodisch-didaktischer Ansatz für die Gestaltung und Nutzung neuer Unternehmenskonzepte in KMU des Handels am Beispiel von E-Commerce. In J. Kutscha (Hrsg.), E-Learning - Die Anwender bestimmen die Qualität - Analysen und Konzepte für die Integration von E-Learning in Geschäftsprozesse kleiner und mittelständischer Handelsbetriebe (S. 51-77). Bielfeld: Bertelsmann.
  • Rietsch, P. (2003)

    Erfolgsfaktor Multimedia-Didaktik - Drei Beispiele. In Dittler, U. (Hrsg.), E-Learning - Einsatzkonzepte und Erfolgsfaktoren des Lernens mit interaktiven Medien (S. 77-91). München/Wien: Oldenbourg Verlag.
  • Winkelbauer, W. (o.J.)

    Lernen von zu Hause via Web. www.wissenswertes.at/index.php (11. Jänner 2014).
  • Welsh, E.T., Wanberg, C.R., Brown, K.G.& Simmering, M.J. (2003)

    E-learning: emerging uses, empirical results and future directions. International Journal of Training and Development, 7. onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1046/j.1360-3736.2003.00184.x/abstract (20. März 2013)
Autor
Avatar Matthias Hütthaler

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