Geisteswissenschaften

Täter, Opfer oder beides? Suizid eines jüdischen SS-Manns

Veröffentlicht am 06.12.2007
  • Sekundarstufe II
  • variabel
  • Arbeitsmaterial, Arbeitsblatt, Thematischer Hintergrund
  • 3 Arbeitsmaterialien

1933 erschoss sich der Klinikarzt und SS-Mann Walter Müller aus dem schwäbischen Waiblingen – weil er Jude war. Der Fall beschäftigt jetzt die Kleinstadt. Es wird darüber gestritten, ob das Grab von Walter Müller weiterhin gepflegt werden soll oder nicht.

Didaktisch-methodischer Kommentar

Als Methode, um die voraussichtlich kontroverse Diskussion zu führen, eignet sich ein Entscheidungsspiel. Als Einstieg wird der Abschiedsbrief Müllers an seine Frau vorgelesen und die Schülerinnen und Schüler mutmaßen, was Walter Müller zu seinem Schritt bewogen haben mag. Anschließend werden die Schüler über die aktuelle Debatte in Waiblingen und die Frage nach dem Umgang mit Walter Müllers Grab informiert. Danach bearbeiten die Lernenden in Einzelarbeit das Arbeitsblatt und verfassen mittels der Materialien und eventuell einer Internetrecherche ihr "Gutachten" der Schülerinnen und Schüler. Dafür benötigen sie ein bis zwei Unterrichtsstunden. In der folgenden Unterrichtsstunde wird mit der ganzen Lerngruppe eine Debatte über das Erinnern an Walter Müller und den Umgang mit seinem Grab geführt. Wichtig ist dabei, dass die Schüler in drei Gruppen umgesetzt werden. In einen Teil des Klassenzimmers setzen sich alle Schülerinnen und Schüler, die sich bei Aufgabe 1 für a (Grab einebnen) entschieden haben, in eine andere Ecke alle Schüler, die für b (Grab sich selbst überlassen) gestimmt haben, sowie in eine dritte Ecke diejenigen mit der Antwort c. Sie kennen somit den Standpunkt ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler und von nun an kann die Debatte über Meldekette geführt werden. Am Schluss der Debatte wird nachgefragt, ob jemand seinen Standpunkt im Laufe der Diskussion verändert hat.

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Vermittelte Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler

  • sollen anhand der aktuellen Debatte über Walter Müller die Frage nach Täterschaft und Schuld im Dritten Reich problematisieren und darauf aufmerksam werden, dass Auseinandersetzung mit Geschichte immer auch die Gegenwart beeinflusst.
  • üben sich durch die Methode des Entscheidungsspiels darin, einen Standpunkt zu beziehen und in der Debatte zu vertreten.
  • lernen, durch das Verfassen des Gutachtens aus Perspektive eines unabhängigen Historikers einen Standpunkt argumentativ schlüssig darzulegen.

Kurzinformation zum Unterrichtsmaterial

ThemaTäter, Opfer oder beides? Suizid eines jüdischen SS-Manns
AutorDr. Christoph Pallaske
FachGeschichte
ZielgruppeSekundarstufe II, gegebenenfalls Jahrgangsstufe 9 und 10
Zeitumfangzwei bis drei Unterrichtsstunden

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Avatar Dr. Christoph Pallaske

Dr. Christoph Pallaske ist promovierter Historiker und Studienrat im Hochschuldienst am Historischen Institut / Geschichtsdidaktik Gymnasium / Gesamtschule an der Universität zu Köln.

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