Alternativpläne: Plan B lenkt vom Ziel ab

veröffentlicht am 08.12.2015

Ist es eine gute Idee, immer einen Plan B zu haben? Oder kann das dazu führen, dass wir unsere Ziele weniger wahrscheinlich erreichen? Psychologinnen und Psychologen der Universität Zürich haben ein Modell entwickelt, das die Wirkung von Alternativplänen erfasst. Demnach kann ein Plan B umso ablenkender und schädlicher sein, je mehr Energie man in seine Ausarbeitung steckt.

Für viele Ziele - etwa den Traumjob finden - wissen wir nur ganz selten mit Bestimmtheit, ob wir sie erreichen. Unerwartete Hindernisse und Herausforderungen können auftreten und uns zuwiderlaufen. Ein häufiger Rat für den Umgang mit dieser Unsicherheit lautet: "Man sollte immer einen Alternativplan haben". Aber: Ist es tatsächlich klug, Zeit und Energie in einen Plan B zu stecken? Oder ist es besser, sich ganz auf Plan A als zielführenden Weg zu konzentrieren? Zur Beantwortung dieser Fragen entwickelten Psychologinnen und Psychologen der Universität Zürich ein neues Modell, das die Verwendung und Nützlichkeit von Alternativplänen analysiert.

Die Studie

Ein Alternativplan lenkt häufig ab

Dem theoretischen Modell der Zürcher Psychologinnen und Psychologen, das in der Zeitschrift "Perspectives in Psychological Science" publiziert wird, liegt folgende Idee zugrunde: "Alternativpläne ändern die Art und Weise, wie wir unser Ziel verfolgen, auch wenn wir sie nicht nutze", erklärt Christopher Napolitano, Erstautor und Postdoktorand am Psychologischen Institut der Universität Zürich. "Mitunter kann ein Alternativplan das Selbstvertrauen steigern", ergänzt Alexandra Freund, Mitautorin und Inhaberin des Lehrstuhls für Entwicklungspsychologie an der Universität Zürich. "Doch häufig lenkt uns ein Alternativplan auch ab oder führt dazu, dass wir uns nicht mehr so viel Mühe mit Plan A geben."

Wenn Plan B zu Plan A wird

Wie viel man in die Entwicklung eines Alternativplans investiert, bestimmt letztlich seine Wirkung. "Selbstverständlich ist es eine gute Idee, etwas Zeit und Aufwand für die Entwicklung von Alternativplänen aufzuwenden, damit man für komplexe und wichtige Situationen ein Sicherheitsnetz hat", so Christopher Napolitano. Doch nach dem Modell von Napolitano und Freund können Alternativpläne zum Phänomen der "selbst erfüllenden Prophezeiung" führen: Wer sehr viel in die Ausarbeitung von Alternativplänen investiert, nutzt auch mit hoher Wahrscheinlichkeit diese besonders gut entwickelten Alternativpläne. Dadurch untergräbt man eine ausreichende Investition in den Erfolg mit Plan A.


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