Uwe Rotter
17.04.2008

DVD: Wissen der Zukunft

Der Untertitel der DVD lautet "Wie Bildungsarbeit weltweit gelingt - Naturwissenschaften im internationalen Vergleich". Dieser Dokumentarfilm präsentiert Beispiele für erfolgreiche Lernszenarien im naturwissenschaftlichen Unterricht aus fünf verschiedenen Ländern.
 

Ausschnitte aus dem Alltag zahlreicher Schulen geben einen Eindruck von den Bedingungen, unter denen naturwissenschaftliche Inhalte vermittelt werden. Begleitet werden diese Bilder von zahlreichen Kurzinterviews. Vielfach erzählen Schülerinnen und Schüler von ihren Erfahrungen im Unterricht und ihrer Motivation an naturwissenschaftlichen Themen und Problemfeldern. Lehrkräfte erläutern ihre Unterrichtsmethoden, und Vertreter von Ministerien sprechen über den Bedarf an naturwissenschaftlich gebildetem Nachwuchs. Zunächst werden die drei Sieger der 2006 durchgeführten PISA-Studie vorgestellt: Finnland, Kanada und Japan. Aber auch aus Mexiko, das deutlich unter dem OECD-Durchschnitt lag, werden erfolgreiche Konzepte präsentiert. Zum Schluss zeigt der Film zwei Beispiele aus Deutschland.

 

    Allgemeingültige Erfolgsfaktoren?

    Landestypische Aspekte
    Die Frage drängt sich auf: Gibt es allgemeingültige Erfolgsfaktoren für guten naturwissenschaftlichen Unterricht? Eine Antwort scheint, wie so häufig, irgendwo zwischen ja und nein zu liegen. Wenn beispielsweise ein japanischer Bildungsexperte davon spricht, dass Wissen ohne Disziplin, Moral und Körperkraft wertlos sei, dann klingt das nach einem eher landestypischen Phänomen.

    Gründe für das Interesse für Naturwissenschaften
    Hinsichtlich der Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler scheint der Bezug zur Lebenswelt ein global verbreiteter Motivationsfaktor zu sein. Sehr häufig wird das Interesse an Naturwissenschaften mit lokalen und überregionalen Umweltproblemen in Verbindung gebracht. Als weiterer Erfolgsfaktor wird der Umgang mit den Lernenden selbst dargestellt, um die Motivation aufrecht zu erhalten. Wenn darauf Rücksicht genommen wird, was und wie Schülerinnen und Schüler lernen, nimmt auch der Spaß am Lernen zu. Selbstorganisierte Lernformen und die Berücksichtigung individueller Stärken und Schwächen sind gefragt.

    "Schule ist Leben und Leben ist Schule"
    Ein anderer allgemeingültiger Faktor sind die Rahmenbedingungen, unter denen gelernt wird. Da spielt die räumliche und personelle Ausstattung der Schule eine wichtige Rolle. So sind beispielsweise in Japan die Lehrerzimmer immer offen und immer besetzt, weil japanische Lehrkräfte auch die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts in der Schule erledigen. Schulen sind dort ein umfassender sozialer Raum für Schülerinnen und Schüler. Neben der Kompetenz- und Wissensvermittlung gibt es zahlreiche außerunterrichtliche Angebote. Und eine Krankenschwester gehört auch zu jeder Schule.

    Umgang mit Heterogenität
    Die Herkunft und der Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler sind in allen Bildungssystemen unterschiedlich. Wie wird damit umgegangen? Finnland hat bereits in den 70er Jahren das dreigliedrige Schulsystem abgeschafft. Zwar gab es damals Widerstände, der Erfolg der Gesamtschulen hat diesem Schritt jedoch Recht gegeben. Individualisierte Lehrpläne und eine intensive Förderkultur lassen dort niemanden mehr sitzen bleiben. Auch in Kanada findet eine individuelle Förderung statt. Einstufungstests dienen nicht nur der Ermittlung der Vorkenntnisse, sondern auch der Kontaktaufnahme mit den Eltern. In Mexiko begreifen die Grundschulen die Sozialisation ihrer Schülerinnen und Schüler, die aus sehr heterogenen sozialen Schichten stammen, als eine ihrer zentralen Aufgaben.

    Die Bedeutung digitaler Medien

    Ein finnischer Schüler gibt seinen Mitschülerinnen und Mitschülern am Computer Nachhilfe über die Ernährungsgewohnheiten verschiedener Tiere. Eine mexikanische Grundschulklasse sitzt auf dem Boden und unterhält sich über verschiedene Topfpflanzen. Im Hintergrund steht Wikipedia auf einer elektronischen Tafel zur Verfügung, um weitere Informationen abrufen zu können. Das sind nur zwei Beispiele dafür, wie selbstverständlich Computer und Internet eingesetzt werden. Neben dem praktischen Nutzen als Unterrichtswerkzeug wird auch der positive Einfluss auf die Motivation der Lernenden erwähnt. Es ist cool, mit dem Computer zu arbeiten.

    Forderung nach naturwissenschaftlicher Bildung

    Vertreter aus staatlichen Organisationen beklagen fast unisono den Bedarf an mehr naturwissenschaftlichem Personal. In Japan gibt es sogar ein Gesetz zur Förderung der Naturwissenschaften. Der Bildungsforscher Prof. Andreas Schleicher legt dar, dass in zunehmendem Maß eine Urteilsfähigkeit für alle Bürgerinnen und Bürger gefordert ist, die nur durch eine breite naturwissenschaftliche Bildung gewährleistet werden kann.

    Kurzinformation

    TitelWissen der Zukunft - Wie Bildungsarbeit weltweit gelingt
    MediumDVD, 105 Minuten
    RegieDr. Paul Schwarz
    Preis19,90 €
    ISBN978-3-407-62621-9
    VertriebBeltz Verlag, Weinheim

    Fazit

    Der Film gibt einen guten Einblick in zahlreiche Lernszenarien aus verschiedenen Schulstufen und verschiedenen Weltregionen. Durch die starke Fokussierung auf reale Situationen werden viele interessante Anregungen geliefert. Die vielen Interviews tragen zum authentischen Eindruck bei. Die Beiträge aus den einzelnen Ländern sind klar in unterschiedliche Episoden getrennt. Ein direkter Vergleich zwischen verschiedenen Bildungssystemen wäre sicherlich auch interessant.

    Zusatzinformationen

    Ergebnisse der PISA-Studie 2006

    1. Finnland (563 Punkte)
    2. Kanada (534 Punkte)
    3. Japan (531 Punkte)
    8. Deutschland (516 Punkte)
    30. Mexico (410 Punkte)
    OECD-Durchschnitt: (500 Punkte)

    Bei PISA 2006 bildeten die Naturwissenschaften den Schwerpunkt der Erhebung. Wie gut können naturwissenschaftliche Fragestellungen erkannt , wie gut können naturwissenschaftliche Phänomene erklärt, und wie gut können naturwissenschaftliche Schlussfolgerungen aus empirischen Ergebnissen gefällt werden? Die jeweiligen Problemstellungen wurden dem Alltagsleben entnommen oder tangieren allgemein-politische Phänomene, zum Beispiel "Ernährung" oder "Treibhauseffekt".

     

    Informationen zum Autor

    Uwe Rotter ist Fachredakteur im Projekt "Naturwissenschaften entdecken!" und betreut vorrangig Inhalte zum Themenkomplex Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie Inhalte aus dem Bereich Sachkunde.

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