Während im europäischen Ausland, zum Beispiel in Großbritannien, das interaktive Whiteboard fast schon Standard ist, führt es in Deutschland noch ein eher stiefmütterliches Dasein. Wie auch bei anderen Innovationen ist das deutsche Bildungssystem manchmal nicht gerade sehr flexibel und wandlungsfähig. Oft mangelt es aber auch einfach an finanziellen Ressourcen, wie sicherlich auch im Fall der schulischen Einführung von interaktiven Whiteboards. Dennoch haben sich einige Schulen eigeninitiativ auf den Weg "weg von der Kreidetafel" hin zur multimedialen Tafel gemacht. Inzwischen gibt es in deutschen Schulen immerhin schätzungsweise 16.000 Whiteboard-Klassen, und es kommen täglich neue hinzu.
Ein Whiteboard besteht aus einer weißen Tafel von etwa der Größe einer herkömmlichen Schultafel (es gibt auch kleinere Versionen), einem Beamer und einem Computer. Die Geräte sind untereinander vernetzt. Auf dem Computer ist eine Software installiert, die die Arbeitsfläche des Whiteboards interaktiv macht. Der Beamer überträgt das Bild vom Rechner auf die Oberfläche des Whiteboards.
AufbauEin Whiteboards kann fest an der Wand befestigt oder aber mobil auf Rollen installiert werden, so dass es in verschiedenen Räumen genutzt werden kann.
Wichtig bei der Wahl des Whiteboards ist auch die Software, die von Board zu Board unterschiedlich ist. So arbeitet das wohl meistverkaufte "Smartboard" mit der Software "Smart Notebook". Für dieses Board gibt es schon einiges an Material zum direkten Einsatz im Unterricht, ebenso wie für das nicht minder bekannte Activeboard der Firma "Promethean". Die Software von "Promethean" bietet eine eigene grundschulgerechte Software, mit deren Symbolen auch die Kinder schnell zurecht kommen. Die weiteren eher unbekannteren Boards besitzen ebenfalls leicht händelbare Software. Fertiges Unterrichtsmaterial dazu findet man aber eher selten.
Schulungen sind sinnvollEin interaktives Whiteboard ist eine Bereicherung in der Klasse, vorausgesetzt, dass Lehrerinnen und Lehrer kompetent damit umgehen können. Dies setzt ein gewisses Maß an Medienkompetenz voraus, und Lehrkräfte, die ein Whiteboard einsetzten, sollten sich grundlegend schulen lassen. Die meisten Hersteller bieten kostenlose oder günstige Schulungen an.Anschaffung lohnt sichWird das interaktive Whiteboard nur als herkömmliches Whiteboard oder Tafel genutzt, erfüllt es seinen Zweck nicht. Allerdings sollte man es wirklich als moderne Form der Tafel und nicht als Lösungsmöglichkeit für Fehler im Schulsystem betrachten. Die Anschaffung eines Whiteboards ist zwar noch kostenintensiv, verglichen mit einer herkömmlichen Schultafel aber keinesfalls unrealistisch hoch.Noch zu wenig MaterialProblematisch ist zur Zeit noch das eher zurückhaltende Engagement der Schulbuchverlage in diesem Bereich. Es gibt einfach zu wenig Material für den Unterricht mit Whiteboards, und das vorhandene Material bezieht sich oft nur auf eine spezielle Software. Daran sollte auf jeden Fall gearbeitet werden. Wenn ausreichend (kostenloses und gutes) Material vorhanden ist, werden sicher noch mehr Schulen die Anschaffung eines Whiteboards ins Auge fassen.
Sven Ludwig ist Lehrer an einer Grundschule in Pulheim-Stommeln.
Präsentation, kreative Medienarbeit, Unterrichtsmethode