Norbert Tholen
18.01.2006

Weblogs im (Deutsch-)Unterricht - ganz praktisch

Das "Tagebuch mit Kommentarfunktion" kann sehr sinnvoll für den Deutschunterricht genutzt werden. Norbert Tholen schildert seine Erfahrungen mit dem Weblog zur Unterrichtsunterstützung.
 

Dieser Erfahrungsbericht möchte dazu anregen, die vorgestellten Ideen für den Einsatz von Weblogs im Deutschunterricht aufzugreifen und auf die eigene Situation anzupassen. "Einfach mal auszuprobieren", was möglich ist, kann sich besonders im Fall des Weblog lohnen, denn ein Weblog ist schnell erstellt und flexibel einsetzbar.

1. Was ist ein Weblog?

Von wem und für wen?
Ein Weblog ist eine Möglichkeit, im Netz eine Art Tagebuch zu führen, allgemeiner gesagt: Texte zu veröffentlichen. Diese Texte kann man allen Usern, aber auch einem begrenzten Personenkreis zugänglich machen. Man kann den Besuchern erlauben, die Texte zu kommentieren (also auch Fragen zu stellen), kann dies aber auch verbieten.

Umfang eines Weblog
Die meisten Anbieter (beispielsweise 20six.de oder kulando.de) ermöglichen, dass man mindestens fünf verschiedene Rubriken oder Kategorien in einem Weblog kostenlos führen kann.

Eigene Erfahrungen
Ich habe bei 20six zum Schuljahr 2005/06 mit einem solchen Blog namens studio D begonnen, das netzbasierte Werkzeug für den Deutschunterricht zu nutzen.

  • studio D
    Dort waren zu Beginn des Schuljahres die Übersicht und der Haftungsausschluss zu finden. Ferner waren dort die Methoden-Arbeitsblätter, die man während der gesamten Sekundarstufe II brauchen kann, abgelegt (etwa Hilfen für die Textanalyse, aber auch Auseinandersetzungen mit dem Schulbuch).
  • studio D11
    Dort stand alles, was meinen Kurs in Klasse 11 betraf.
  • studio D12 und D13
    ... analog für die Jahrgangsstufen 12 und 13.
  • studio D14
    Dieser Bereich bot in Analogie zu den 14 Nothelfern weitere Hilfsmittel (Wörterbücher, Anleitung zur Internetrecherche, Anleitung zu Literatursuche, Adressen für die Stellenvermittlung für Abiturienten).

Technische Hürden
Nach einer Umstellung der Systemsoftware bei 20six bin ich mit studio D und studio D14 in Weblogs von kulando.de umgezogen. Die Reste meines altes Weblogs gibt es aber auch noch: studio D (alt).

2. Wie nutzt man das Weblog?

Zeitunabhängiges Lernen fördern
Die Rubrizierung des studio D zeigt schon einige Nutzungsmöglichkeiten auf. Die Idee, das Internet in dieser Form für meinen Unterricht zu nutzen, ist aufgekommen, weil Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II häufiger fehlen und dann auf Entschuldigungen wie diese zurückgreifen: "Ich wusste nicht, was aufgegeben war." Oder: "Man hat mir das falsch gesagt." Oder: "Das habe ich eben erst erfahren." Das wurde mit einem Schlag abgestellt: Die Hausaufgabe steht jetzt immer im Netz - oft sogar schon eine Woche vorher, damit sich die Schülerinnen und Schüler die Arbeitszeit einteilen können.

Verschiedene Einsatzbereiche
Es gibt viele weitere Möglichkeiten, das Weblog zu nutzen:

  • Arbeitsblätter oder Arbeitsaufträge bereitstellen
  • die Musterlösung einer Hausaufgabe (nachträglich) bieten
  • eine Reihenplanung erläutern
  • auf wesentliche Aspekte einer Unterrichtsreihe hinweisen
  • Hilfsmittel zusammenstellen
  • Lösungserwartung einer Klausur skizzieren
  • ... und je mehr man damit arbeitet, desto mehr fällt einem ein.

3. Was braucht man noch?

Natürlich braucht man einen passenden Browser. Je nach verwendetem Browser hat man verschiedene Zugriffsmöglichkeiten auf die Technik des jeweiligen Blogs. Bei mir sind Camino und Mozilla am besten geeignet, während Opera 8.5 und Netscape 7.2 nicht so gut passen, also mit der Blog-Technik nicht in gleichem Maß kompatibel sind (etwa bei Bloghof.net). Man muss also wirklich verschiedene Browser ausprobieren, um den jeweils besten zu finden.

4. Wie richtet man ein Weblog ein?

Zunächst einmal ist festzustellen: Das geht ganz einfach! Man gibt die URL eines Weblog-Anbieters (also beispielsweise www.kulando.de) in die URL-Leiste des Browsers ein und richtet dann - Schritt für Schritt begleitet - sein Weblog ein. Vorher sollten Sie sich einen guten Namen und ein Passwort überlegen. Die technischen Möglichkeiten sind natürlich bei den einzelnen Blogs verschieden, teilweise gibt es nur fünf freie Kategorien (Rubriken), teilweise muss man zahlen (twoday.net).

5. Praktische Hinweise

Wenn man mehrere Artikel nacheinander veröffentlichen will, ist zu bedenken, dass die Blogs dem chronologischen Prinzip für die Reihenfolge der Einträge folgen (meist kann man das nicht ändern). Man müsste also zunächst eine alphabetisch geordnete Liste der Beitragstitel anlegen und dann "unten" im Alphabet anfangen, die Artikel zu veröffentlichen, wenn man einer alphabetischen Reihenfolge folgen will.

 
 

Man sollte, wenn man mit einem neuen Kurs ein "altes" Thema bearbeitet, die bereits online verfügbaren Ergebnisse vorübergehend den Blicken entziehen, damit die "Neuen" nicht einfach die alte Lösung abschreiben.

 
 

Bei manchen Anbietern kommt man nicht mit einem Weblog aus, weil es nur fünf freie Kategorien (Rubriken) gibt. Wenn man beim gleichen Anbieter ein zweites Blog einrichtet, braucht man eventuell schon zwei Adressen und zwei Passwörter. Damit man sich da nicht verheddert, benötigt man einen Browser, der sich Passwörter merkt, also etwa Opera (opera.com oder opera-browser.de), Camino für den Mac (mozilla.org) oder Netscape (browser.netscape.com).

 
 

Möglicherweise empfiehlt es sich, zwei Blogs bei zwei verschiedenen Anbietern einzurichten. Denn wenn einmal ein Absturz passiert (selbstverschuldet oder wegen der ruckelnden Technik des Anbieters), ist nicht alles verloren ... Ein Vorteil dieser Lösung: Man kann Titel und Passwort für beide Blogs gebrauchen.

 

Download

weblog-deutsch_projektbeschreibung.pdf
 

Zusatzinformationen

  • Meinungen
    Lesen Sie hier, welche Meinungen aus der Praxis uns zum Thema Weblogs im Deutschunterricht erreicht haben.

Informationen zum Autor

Norbert Tholen unterrichtet Deutsch, Literatur und Philosophie an einem Gymnasium in Mönchengladbach.

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