Naturwissenschaften

Das fotografische Gedächtnis - ein Experiment

Veröffentlicht am 18.03.2010
  • Sekundarstufe II
  • 1-2 Stunden
  • Arbeitsmaterial, Arbeitsblatt interaktiv, Anwendung/Software

Affen wird zu Recht ein gutes fotografisches Gedächtnis nachgesagt. Mit einem spielerischen Experiment können Schülerinnen und Schüler die fotografischen Eigenschaften ihres Gedächtnisses trainieren und ihre Ergebnisse mit den Leistungen eines Schimpansen vergleichen - mit einem erstaunlichen Ergebnis.

Didaktisch-methodischer Kommentar

Dass Affen und Menschen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen, wissen wir spätestens seit 1871, dem Jahr der Veröffentlichung der Evolutionstheorie durch Charles Darwin. Von allen Tieren sind uns die Menschenaffen am ähnlichsten. Besonders im Verhalten der Schimpansen erkennen wir uns häufig wieder. In Bezug auf die Wahrnehmungsfunktionen der Tiere nahm man lange Zeit an, dass sie denen der Menschen unterlegen seien. In Experimenten stellte sich jedoch heraus, dass erwachsene Menschen viel länger brauchen, um sich die Anordnung verschiedener Ziffern auf einer Bildschirmseite zu merken, als Menschenaffen. Das Gedächtnis der Affen scheint geradezu fotografisch zu sein! Auch bei kleinen Kindern tritt dieses Phänomen auf. Das Talent lässt aber beim Menschen mit zunehmendem Alter nach - ein Effekt, den man beim Memory-Spielen deutlich zu spüren bekommt: Hier gewinnen meistens die Jüngsten. Der zunehmende Interpretationsaufwand (Bewertung und Selektion von Informationen), den die Gehirne der Erwachsenen betreiben, verbraucht möglicherweise die "Rechenkapazitäten" des Gehirns, die kleinen Kindern und Menschenaffen für ein speicherintensives fotografisches Gedächtnis zur Verfügung stehen.

  • Hintergrundinformationen zum Experiment
    Schimpansen haben nicht nur ein gutes Gedächtnis: Sie verwenden Werkzeuge, planen ihr Handeln, können andere Affen vorsätzlich täuschen und "Fremdsprachen" erlernen.
  • Einsatz des Zahlen-Experiments im Unterricht
    Der Versuch steht für den Einsatz an der elektronischen Wandtafel oder im Computerraum der Schule in zwei unterschiedlich anspruchsvollen Varianten zur Verfügung.
  • Thematische Einbettung in den Unterricht
    Das Experiment bietet Anknüpfungsmöglichkeiten an die Evolution des Menschen, den Vergleich von Mensch und Menschenaffe sowie an die Neurobiologie des Lernens.

Vermittelte Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler sollen

  • Verhaltensweisen und intellektuelle Leistungen von Schimpansen kennen lernen.
  • eine Hypothese aufstellen, wer das bessere fotografische Gedächtnis hat: Mensch oder Menschenaffe?
  • ihr fotografisches Gedächtnis im Rahmen eines Experiments, das mit Affen durchgeführt wurde, trainieren, ihre Leistungsfähigkeit bestimmen und mit derjenigen von Affen vergleichen.
  • Hypothesen aufstellen und diskutieren, warum die Affen bei dem Versuch besser abschneiden als Menschen.
  • erkennen, dass sich das fotografische Gedächtnis beim Menschen mit der Entwicklung übergeordneter Gehirnfunktionen (Interpretation von Daten) zurückentwickelt.

Kurzinformation zum Unterrichtsmaterial

ThemaDas fotografische Gedächtnis - ein Experiment
AutorDr. Matthias Nolte
FachBiologie
ZielgruppeSekundarstufe II
Zeitraum1-2 Stunden
Technische VoraussetzungenInternetanschluss; Computerraum (Partnerarbeit), alternativ Präsentationsrechner mit Beamer oder elektronische Tafel (interaktive Whiteboard, Smartboard); Flash-Player (kostenfreier Download)

Literatur

  • Matsuzawa,Tetsuro

    Symbolic representation of number in chimpanzees, Current Opinion in Neurobiology 2009 (19), Seite 92-98
  • Inoue, Sana; Matsuzawa,Tetsuro

    Working memory of numerals in chimpanzees, Current Biology, 2007, 17(23), R1004-R1005

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Avatar Dr. Matthias Nolte

studierte an der Universität zu Köln Biologie und Chemie auf Lehramt (Sek I und II) und promovierte 2005 in Anorganischer Chemie. Seit Sommer 2007 unterrichtet er Biologie, Chemie und Physik an der Erzbischöflichen Marienschule in Leverkusen-Opladen.

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