Geisteswissenschaften

Innenpolitik im Kaiserreich ab 1871

Veröffentlicht am 20.01.2012
  • Sekundarstufe I, Sekundarstufe II
  • 2-4 Unterrichtsstunden
  • Unterrichtsplanung, Arbeitsmaterial, Projekt, Anderer Lernort

Im Fokus der Unterrichtseinheit "Innenpolitik im Kaiserreich ab 1871" steht die kritische Beschäftigung mit der historischen Figur des Reichskanzlers Otto von Bismarck (1871 bis 1890). Die Schülerinnen und Schüler sollen das politische Handeln des "Eisernen Kanzlers" aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Unterrichtsablauf

Inhalt
Sozial- / Aktionsform

Didaktisch-methodischer Kommentar

Geschichtsbewusstsein

Die drei Sozialgesetze, wie sie am Ende des 19. Jahrhunderts im deutschen Reichstag beschlossen worden waren, standen im internationalen Vergleich auf lange Zeit konkurrenzlos da. Der in der schulischen Geschichtsdidaktik relevante Aspekt des Geschichtsbewusstseins lässt sich an der von Bismarck forcierten Sozialgesetzgebung gut darstellen. Die Krankenversicherung (1883), Unfallversicherung (1884) und Invaliditäts- und Altersversicherung (1889) markierten den Beginn einer neuartigen (deutschen) Sozialstaatspolitik und bilden bis heute die Grundlage des fünfgliedrigen staatlichen Sozialsystems der Bundesrepublik Deutschland. Ein Gespür für historische Wandelbarkeit kann mithilfe dieses Themas bei den Schülerinnen und Schülern erzeugt werden.

Multiperspektivität

Der Erfolg der Sozialgesetzgebung darf jedoch nicht zu einer einseitigen Betrachtung der Bismarckschen Sozialpolitik führen. Das schon zu Lebzeiten Bismarcks konstruierte Geschichtsbild des Reichskanzlers als "weitblickender und Fürsorge tragender Sozialreformer" muss schon im Unterricht der Sekundarstufe I hinterfragt und in den Kontext seiner innenpolitischen Maßnahmen zur Lösung der "Sozialen Frage" im Deutschen Kaiserreich gestellt werden. Dazu gehört es, neben den Sozialgesetzen auch Bismarcks gesetzlich angeordneten Kampf gegen die deutsche Sozialdemokratie zu thematisieren. Berücksichtigt man diese beiden Perspektiven bei der Quellenauswahl, kommt der Klassenverband zu einem differenzierteren Urteil über Bismarcks politisches Handeln und Staatsverständnis in Bezug auf die "Soziale Frage". Der Bismarck-Mythos wird dekonstruiert.

  • Unterrichtsverlauf und verwendete Medien
    Den Schwerpunkt dieser Unterrichtseinheit für die Sekundarstufen I und II bildet die Arbeit mit methodisch aufbereiteten Bild- und Schriftquellen aus dem Internet.

Vermittelte Kompetenzen

Fachkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler sollen

  • erkennen, dass Bismarck mit dem "Sozialistengesetz" ("Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie") vom 21. Oktober 1878 beabsichtigte, die Organisations- und Kommunikationsstrukturen der sozialdemokratischen Partei zu zerschlagen.
  • wissen, was die Motive und die sozialpolitischen Ziele der "Kaiserliche Botschaft" vom 17. November 1881 waren.
  • (in Grundzügen) den Inhalt der drei folgenden Sozialgesetze wiedergeben können: Die Krankenversicherung (1883), die Unfallversicherung (1884) und die Invaliditäts- und Altersversicherung (1889).
  • abwägend urteilen, mit welchem Ansatz Bismarck die "Soziale Frage" im Kaiserreich lösen wollte.

Methoden- und Medienkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler sollen

  • ihren Umgang mit unterschiedlichen historischen Quellengattungen schulen.
  • das Internet nutzen, um historisch aufbereitetes Quellenmaterial zu erschließen.
  • in Gruppen Quellentexte am Computer bearbeiten und dadurch ihr Textverständnis schulen.
  • politische Gesetzestexte verstehen und Karikaturen interpretieren können.

Sozialkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler sollen

  • in Gruppenarbeit Fragen zu Geschichtsquellen gemeinsam bearbeiten.
  • lernen, politische Karikaturen frei zu beschreiben und zu analysieren.

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Avatar Florian Faderl

hat Geschichte auf Lehramt studiert. Er ist Redakteur bei der Stiftung Jugend und Bildung und Autor für Unterrichtsmaterialien in den Schulfächern Geschichte und politische Bildung.

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