Archäologische Forschung im digitalen Informationssystem

Veröffentlicht am 08.06.2007

Ein digitales Informationssystem zum Xantener Raum in der Antike zeigt längst Vergangenes in anschaulichen Bildern und vermittelt ganz nebenbei die Methoden archäologischer Forschung. Das mit großem Aufwand realisierte Projekt kann kostenfrei im Internet aufgerufen werden.

Neue Vermittlungsformen durch Computertechnik

Es lag also nahe, die Möglichkeiten der Computertechnik zu nutzen und ein dreidimensionales computergeneriertes Schichtenmodell der römerzeitlichen Landschaft um die ehemalige römische Stadt "Colonia Ulpia Traiana" (CUT) in Xanten (Kreis Wesel) zu erarbeiten. Dieses Modell wurde in einem mehrjährigen Forschungs- und Entwicklungsprozess im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Archäologischen Park/Regionalmuseum Xanten und der Hochschule Anhalt (FH) realisiert. Das Projekt genoss große Unterstützung und eine erhebliche finanzielle Förderung durch das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Vorausgegangen waren Arbeiten an einem digitalen Informationssystem zur CUT, das die Geschichte und Archäologie der römischen Stadt darstellte. Dieses Informationssystem wurde erstmals im Jahr 2000 im Rahmen der archäologischen Landesausstellung in Köln und Nijmegen erfolgreich der Öffentlichkeit präsentiert.

Komplexität erfordert Interdisziplinarität

In einer interdisziplinären Kooperation zwischen Archäologen, Geologen, Archäobotanikern und Architekten wurden Topografie und Vegetation, Besiedlungsstrukturen und Architektur, Infrastrukturen und Straßen, Wasserleitungen und Flussläufe auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse rekonstruiert. Das Schichtenmodell ist hochdetailliert, so dass landschaftliche und architektonische Situationen sowohl im Ganzen als auch im Detail betrachtet werden können.

Ein Modell mit sechs Zeitebenen

Xanten: die sechs Zeitebenen des Schichtenmodells
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Das Schichtenmodell

Das Modell besteht aus sechs Zeitebenen. Jede Ebene zeigt einen Geländeausschnitt von 8 x 8 km um die CUT beziehungsweise deren Vorgängersiedlung (siehe Abb. 1). Die entsprechenden Vorgaben folgten lokalhistorischen Daten und aussagekräftigen Zeitebenen.

Xanten um 12. v. Chr.: das erste Legionslager Vetera Castra I auf dem Fürstenberg
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Die erste Schicht

Die erste Schicht zeigt die Zeit um 12 v. Chr., als das erste Legionslager Vetera castra I auf dem Fürstenberg gegründet wurde.

Xanten um 60 n. Chr.: die vorcolonia-zeitliche Siedlung unter der späteren CUT, im Hintergrund das neronische, in Stein ausgebaute Zweilegionenlager Vetera Castra I
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Die zweite Schicht

Die zweite Schicht ist auf circa 60 n. Chr. angelegt (neronisches, in Stein ausgebautes Zweilegionenlager Vetera castra I, vorcoloniazeitliche Siedlung unter der späteren CUT).

Xanten um 60 n. Chr.: das neronische, in Stein ausgebaute Zweilegionenlager Vetera Castra I
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Detailansicht

In dieser Darstellung der "zweiten Schicht" erblickt man das Legionslager Vetera Castra aus der Vogelperspektive.

Die weiteren Schichten

Die dritte Schicht zeigt die Situation um 90 n. Chr. (nach Aufgabe von Vetera castra I an neuem Standort Lager Vetera castra II für nur noch eine Legion, Beginn einer Orientierung der vorcoloniazeit-lichen Bebauung am späteren coloniazeitlichen Straßenraster). Die vierte Schicht stellt die Zeit um 200 n. Chr. dar (CUT in einer fortgeschrittenen städtebaulichen Entwicklung, vor-städtischer vicus im Bereich des späteren St. Viktor-Doms zu Xanten), während die fünfte Schicht um 330 n. Chr. (stark reduzierte, schwer befestigte spätantike Tricensimae), die sechste Schicht um 500 n. Chr. angesiedelt wurde (fränkische Besiedlung, fränkisches Gräberfeld und cella memoriae unter heutigem Xantener Dom).

Anpassung des Modells an den Forschungsstand

Das Modell ist nie ?fertig'; da der Forschungsprozess kontinuierlich voranschreitet, kann auch das Modell den jeweiligen Veränderungen dem aktuellen Forschungsstand folgend angepasst werden. Diese Vorgehensweise sichert einen hohen Grad an Aktualität. Es ist denkbar, den Nutzer künftig in den Prozess der Erkenntnisgewinnung unmittelbar einzubeziehen.

Vorteile des digitalen Mediums

Digitale Medien haben gegenüber analogen Medien wie zum Beispiel dem Holzmodell oder dem Buch Vorteile. Virtuelle Gebäude in Form von gewichtslosen Bits und Bytes und deren digitale Abbildungen in Form von Renderings lassen sich wesentlich einfacher und in Teilen auch kostengünstiger verändern und via Internet der Weltöffentlichkeit verfügbar machen. Dieses digitale Potenzial kann nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Bildung von großem Wert sein, da historische Informationen stets wissenschaftlich aktuell und anschaulich vermittelt und diskutiert werden können.

  • Die Möglichkeiten des Mediums
    Das System richtet sich nicht nur an die Museumsbesucher vor Ort, sondern auch an Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und andere Fachinteressierte, die via Internet die Zeitreise machen möchten.

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