PriMaPodcast zum Thema Vierecke – ein Beispiel

Veröffentlicht am 08.07.2013

Studierende haben mit Grundschulkindern Podcasts erstellt, um deren Kommunikation beim Darstellen von Mathematik zu untersuchen. Im vorliegenden Artikel wird beispielhaft die Erstellung und Analyse eines "PriMaPodcasts" zum Thema Vierecke vorgestellt.

Schritt 1: Spontane Audio-Aufnahme

Spontane Einfälle festhalten

Die spontanen Einfälle zur Aufgabe "Welche verschiedenen Vierecke kennst du? Beschreibe diese!" wurden in einer ersten spontanen Aufnahme festgehalten. In dieser kommunizieren die beiden Schüler miteinander, indem einer der Schüler durch Fragen und Aufforderungen ein Gespräch zwischen beiden aufbaut, um auf diese Weise die Aufgabe gemeinsam zu lösen.

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Analyse der spontanen Audio-Aufnahme

Die Schüler nennen die Begriffe Viereck, Rechteck sowie Quadrat und versuchen diese zu definieren, indem sie auf Alltagsbeispiele zurückgreifen, statt mathematische Fachsprache zu verwenden. Besonders deutlich wird dies an der Definition des Rechtecks: Sie vergleichen das Rechteck mit einem geschlossenen Vorhang, wodurch sie vermutlich verdeutlichen wollen, dass es sich bei einem Rechteck um eine Fläche handelt, ohne allerdings diesen Fachbegriff zu nennen.

Schritt 2: PriMaPodcast

Drehbuch und Aufnahme

Nach mehrmaligem Anhören der spontanen Audio-Aufnahme erstellten die Schüler ein Drehbuch, das als Strukturierungshilfe dienen sollte, um den Inhalt für Mitschülerinnen und Mitschüler verständlich darzustellen. Anschließend wurde der PriMaPodcast zur gleichen Fragestellung aufgenommen. Zur Analyse wurden die spontane Aufnahme und der PriMaPodcast transkribiert.

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Analyse des PriMaPodcasts

In der PriMaPodcast-Aufnahme fassen die Schüler ihr schriftlich festgehaltenes Wissen über das Thema Vierecke zusammen, indem sie das allgemeine Viereck definieren und anschließend diese Definition auf spezielle Formen des Vierecks übertragen: Zunächst erläutern sie, dass ein Viereck unabhängig von der Seitenlänge immer vier Ecken habe. Die Schüler stellen in der PriMaPodcast-Aufnahme die Unterschiede bzw. Zusammenhänge der von ihnen dargestellten Figuren heraus. Dabei helfen sie sich durch die zeichnerische Darstellung der Vierecke. Das Rechteck zähle aufgrund seiner vier Ecken ebenfalls zu den Vierecken. Vermutlich deuten sie unbewusst auf die rechten Winkel und die daraus resultierende Parallelität der gegenüberliegenden Seiten eines Rechtecks hin, indem sie in Abgrenzung zum allgemeinen Viereck festhalten, dass beim Rechteck die gleichlangen Seiten gegenüberliegen müssen. Die Definition des Quadrats beginnen sie neben dem Bezug zum allgemeinen Viereck mit der Ähnlichkeit zum Rechteck: Das Quadrat gleiche dem Rechteck, allerdings seien im Gegensatz zum Rechteck alle Seiten gleich lang.

Schritt 3: Vergleich der beiden Aufnahmen

Inhaltlich korrekte Aufgabenbewältigung

Beide Aufnahmen verdeutlichen, dass die Schüler die unterschiedlichen Vierecke korrekt bezeichnen, die bisher im Unterricht erarbeiteten Eigenschaften darstellen sowie Zusammenhänge zwischen den einzelnen Figuren herstellen können.

Alltags- statt Fachsprache

Allerdings haben sie bei ihren Darstellungen weder den Fachbegriff Fläche noch Seite verwendet. Durch die schriftlichen Aufzeichnungen hat sich zwar die Verwendung der mathematischen Fachsprache nicht verändert, allerdings haben die Schüler die Eigenschaften der verschiedenen Vierecke ausführlicher und strukturierter dargestellt, wobei sie eine stringente Argumentationslinie aufgebaut haben.

Fazit

Festigung der Fachsprache

Ausgehend von dem PriMaPodcast kann die Lehrkraft den Unterricht dem Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler anpassen, indem sie erneut die mathematischen Fachbegriffe Fläche und Seite einführt. Diese sollten in den Unterrichtsalltag integriert werden, sodass eine Festigung der Fachsprache ermöglicht wird. Zudem ist es denkbar, am Ende der Lerneinheit erneut einen PriMaPodcast zum Thema Vierecke von den Kindern erstellen zu lassen. Zum einen fassen die Schülerinnen und Schüler dadurch ihr Gelerntes zusammen und reflektieren auf diese Weise ihren Lernzuwachs, zum anderen kann die Entwicklung der Fachsprache dokumentiert sowie analysiert werden.

PriMaPodcasts als Diagnoseinstrument

Zusammenfassend können PriMaPodcasts als Diagnoseinstrument für die mathematische Fachsprache der Schülerinnen und Schüler eingesetzt werden. Bezüglich der Fachsprache ergab die vorliegende Analyse keine Unterschiede zwischen der spontanen Aufnahme und dem PriMaPodcast in der Verwendung der Begrifflichkeiten, allerdings ermöglichte die Erstellung des Drehbuchs und des PriMaPodcasts den Aufbau einer stringenten Argumentationslinie.

Literatur zum Thema

  • Ladel, S. und Schreiber, C. (2011)

    PriMaMedien - den digitalen Medien eine Chance! In: Steinweg, A. S. (Hrsg.). Medien und Materialien - Tagungsband des AK Grundschule in der GDM 2011. University of Bamberg Press: Bamberg, Seite 25 bis 38
  • Maier, H. & Schweiger, F. (1999)

    Mathematik und Sprache. Zum Verstehen und Verwenden von Fachsprache im Mathematikunterricht, Wien.
  • Schreiber, C. (2011)

    Digitale Medien und Darstellung im Mathematikunterricht - Schriftlichkeit und Mündlichkeit. In: Knaus, T. und Engel, O. (Hrsg.). framediale 2011. kopaed: München, Seite 97 bis 108.

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Avatar Autorenteam "PriMaPodcast"

Sara Klesczewski & Julia Klesczewski

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