Projekt zur Medienerziehung: Sicher unterwegs im Internet

Veröffentlicht am 13.07.2010

Anders als auf das Entdecken der realen Welt bereitet die Schule Schülerinnen und Schüler nicht auf die virtuellen Weiten des Internets vor. Deshalb thematisiert das Nell-Breuning-Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung das World Wide Web und die damit verbundenen Chancen und Risiken jedes Jahr in einem Projekt.

Projekt schließt die curriculare Lücke

Nachdem die letzten Klassenarbeiten geschrieben sind, beschäftigen sich die Unterstufenschülerinnen und Schüler der zweijährigen Berufsfachschule Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung (Höhere Handelsschule) mit virtuellen Themen, die ihnen wichtig sind und von denen sie glauben, dass sie auch für Mitschülerinnen und Mitschüler bedeutsam sein könnten. Ihre Projektergebnisse stellen sie dann zu Beginn des neuen Schuljahres als neue Oberstufe den neuen Unterstufen einen ganzen Tag lang vor.

  • Ablauf des Projekts
    Hier erfahren Sie Details zur Planung, Vorbereitung, Durchführung und Kontrolle des jährlich am Nell-Breuning-Berufskolleg durchgeführten Medienprojekts.

Zentrale Ziele des Projekts

Um den Lernenden die Möglichkeit zu bieten, sich in Themen einzuarbeiten, die sie wirklich interessieren, sind sie in der Themenwahl relativ frei. Im Verlauf der vergangenen Jahre interessierten sich die Lernenden beispielsweise für folgende Themenkomplexe:

  • Urheberrecht und Copyright
  • Online-Shopping
  • Online-Banking
  • Viren, Trojaner, Hoax
  • Firewall
  • Tricks bei der Google-Recherche
  • Soziale Netzwerke, Netikette und virtuelle Selbstdarstellung

Pädagogische Aspekte

Risiken bewusst machen

Viele Schülerinnen und Schüler halten das World Wide Web immer noch für ihre ganz private Spielwiese. Dabei ignorieren sie, dass das Internet beileibe kein rechtsfreier Raum ist, dass sich dort mittlerweile immer mehr Betrüger tummeln und dass selbst Personaler, bevor sie zu Vorstellungsgesprächen einladen, immer häufiger das Internet konsultieren.

Wissensvermittlung durch Gleichaltrige

Diese Kenntnisse sind schwerlich in einem "oberlehrerhaften" Frontalvortrag zu vermitteln. Denn dieser Form der Belehrung verschließen sich die Schülerinnen und Schüler in der Regel. Deutlich besser akzeptiert wird hingegen die Wissensvermittlung durch Gleichaltrige, von denen sich die Schülerinnen und Schüler auch sonst Tipps und Tricks erklären lassen.

Erfahrungen weitergeben

Am Anfang der Unterstufe werden die Lernenden als Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer mit den verschiedenen Problemen der virtuellen Welt konfrontiert. Im Verlauf des Schuljahres sammeln sie dann diesbezüglich ihre eigenen Erfahrungen. Am Ende der Unterstufe bereiten sie ihr Wissen theoretisch auf, indem sie das Projekt für die kommende Unterstufe vorbereiten.

Lernfortschritte evaluieren

Während der Durchführung des Projektes - also als neue Oberstufenschülerinnen und -schüler - können sie ihre Lernfortschritte dann selbstständig evaluieren, indem sie sich den vielen Fragen der Unterstufenschülerinnen und -schüler stellen.

Hinweise zur Projektanordnung

Binnendifferenzierter Ansatz

Das Projektdesign orientiert sich anm induktiven Ansatz von Norbert Landwehr (Neue Wege der Wissensvermittlung, Aarau: Sauerländer, 1994, Seite 66). Da die neuen Schülerinnen und Schüler in der Regel über sehr unterschiedliche Vorkenntnisse mit den digitalen Medien verfügen, wurde der Ansatz von Landwehr entsprechend binnendifferenzierend modifiziert.

Stationen ermöglichen individuelles Lernen

Durch die Anordnung der verschiedenen Themen in Lernstationen wird Schülerinnen und Schülern mit entsprechenden Vorkenntnissen die Möglichkeit geboten, einzelne Lernstationen sehr schnell abzuarbeiten und dort, wo mehr Zeit nötig ist, länger zu verweilen.

Zirkuläres Lernen

Weiterhin berücksichtigt unsere Projektanordnung den Gedanken des zirkulären Lernens. Erfahrungsgemäß ist das einmalige Erörtern verschiedener Gefahren im Netz kaum nachhaltig. Durch die zweimalige Projekt-Teilnahme werden die Inhalte wiederholt und vertieft.

Inhalte gewinnen an Bedeutung

Zudem wird durch diesen Kreis erreicht, dass die Inhalte für die Lernenden bedeutsamer werden. Weil sie bereits als Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer erfahren, dass sie ein Dreivierteljahr später dieses Event selber ausrichten werden, registrieren sie in dessen Erwartung ähnliche Probleme sensibler und können diese Erfahrungen einbringen, wenn sie das Projekt selber ausrichten.

Besonders unterrichtsökonomisch

Das Projektdesign ist darüber hinaus in einem besonderen Maße unterrichtsökonomisch. Sowohl in der Zeit vor den Sommerferien als auch zum Schuljahresbeginn fällt es häufig nicht leicht, die Schülerinnen und Schüler für den "normalen Unterricht" zu begeistern. Mit diesem Projekt gelingt es, diese Zeit sinnvoll zu füllen. Denn die Schülerinnen und Schüler arbeiten in Erwartung des Events und in Kenntnis der knappen Zeit motivierter und zielstrebiger.

Auszeichnungen

  • 2006 gewann das Projekt den Wettbewerb, der zum zehnjährigen Bestehen von Schulen ans Netz e. V. veranstaltet wurde.
  • 2009 gewann das Projekt den Wettbewerb "Schulen surfen - aber sicher!" vom eco Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V., Deutschland sicher im Netz e. V. und der lo-net GmbH.

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Avatar Markus Niederastroth

ist Diplom-Kaufmann und arbeitet als Studienrat am Ludwig-Erhard-Berufskolleg in Bonn. Er verfügt über die Fakulten Wirtschaftswissenschaft, Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, Absatz und Marketing.

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