Die Aussage, die hier für den Englischunterricht getroffen wird, kann auch auf andere Fremdsprachen angewendet werden. Denn umfangreiche Texte lesen auch Französisch- und Spanischlernende, und auch sie können Ihre Werkanalysen in Hypertextform umsetzen, ergänzen und damit festigen.
Visualisierung der TextanalysePost-reading activities mit dem Internet stellen zum einen eine Ergänzung von herkömmlichen Textanalyse-Verfahren um kreative, spielerische, handlungs- und produktionsorientierte Formen der Textarbeit dar. Dabei bilden die im Rahmen der Textanalyse erarbeiteten Aspekte (Plot, Erzähltechniken, Erzählstrukturen, Informationen über die Charaktere, Personenkonstellation) eine unabdingbare Grundlage für die neuen Texte. Zum anderen geben sie Raum, auch solche Fragen zu erforschen, die sich aus der Lektüre ergeben haben, wie zum historischen Kontext, zum biographischen Kontext oder zur szenischen Umsetzung. Das World Wide Web mit seiner Hypertext-Struktur stellt durch seinen multimedialen und nicht-linearen Charakter ein geeignetes Werkzeug zur Umsetzung und Visualisierung verschiedenster Konstruktion dar.Adressatenorientierter TextDas traditionelle lineare Schreiben findet sich im Hypertext als ein Element wieder, allerdings mit der Möglichkeit versehen, diese Schrift um weitere Texte, Bilder, Töne oder Videosequenzen augenblicklich zu ergänzen. Die Multiziplizität oder Mehrschichtigkeit des Hypertext geht über die bloße Linearität vertrauter Medien hinaus. Mit der Linearität ist der Denkpfad eines Textes vorgegeben, sie entsteht hingegen innerhalb der Mehrschichtigkeit des Hypertextes erst durch den aktiven Wahlprozess, der den individuellen Pfad eines Lesers oder einer Leserin bestimmt. Die Kohärenz entsteht also beim Hypertext erst durch den Rezipienten im Prozess der Rezeption.Integration zurückhaltender LernenderDarüber hinaus eröffnet eine multimediale "Text"-Produktion - auch sonst im Fremdsprachenunterricht eher unbeteiligten - Schülerinnen und Schülern ganz neue Wege, sich auszudrücken, ihre Texte mithilfe von Bildern, Sounds, Animationen und non-linearen Strukturen lebendig zu gestalten, Informationen so aufzubereiten, dass ihre Mitschülerinnen und Mitschüler diese auch tatsächliche lesen und "erfahren" möchten, und ihre Ideen und ihre Kreativität im Unterricht Gewinn bringend einzusetzen.
Cerstin Henning ist Studienrätin und unterrichtet am Berufskolleg Humboldtstraße in Köln die Fächer Englisch, Mathematik und Webdesign.
Textarbeit, Hypermedia, Lesen, Leseförderung