Nicht nur durch die ausgezeichnete Grafik, sondern auch durch die spannende Geschichte lädt Physikus zum Spielen ein. Die durchaus anspruchsvollen Rätsel und Aufgaben stammen aus den Gebieten Optik, Mechanik, Elektrizitätslehre, Akustik und Wärmelehre. Damit auch Schülerinnen und Schüler mit weniger guten Physikkenntnissen eine gute Chance haben voranzukommen - aber auch einfach wiederholen und dazulernen können, gibt es einen interaktiven Wissensteil. Bei der Durchführung der einzelnen Experimente, die zur Veranschaulichung verschiedener Phänomene dienen, verstehen die Spielerinnen und Spieler schnell die physikalischen Zusammenhänge. Durch besonders kurze und einfach zu verstehende Texte wird das Lesen oder Zuhören auch nicht anstrengend oder langweilig.
Auch Lernende mit weniger guten Vorkenntnissen verstehen bei den interaktiven Experimenten schnell die Zusammenhänge. Beispielsweise kann man im interaktiven Wissensteil des Akustikkapitels an den Gitarrensaiten zupfen und beobachten, wie durch die Schallwellen die Reiskörner auf dem "Trommelfell" zu hüpfen beginnen (Abb. 1, Platzhalter bitte anklicken). Hat man etwas ausprobiert, so wird dieser Vorgang erläutert. Zusätzlich wird das Textverständnis durch Animationen gefördert. Jedes Rätsel ist einem physikalischen Bereich zugeordnet. Spielerinnen und Spieler können dann im entsprechenden Wissensteil die für die Lösung des Rätsels erforderlichen Informationen nachlesen. Da man nicht alle Aufgaben direkt lösen kann, sondern auch kombinieren muss, ist es hilfreich, sich während des Spiels Notizen zu machen. So hat man später bei Kombinationsaufgaben keine (oder weniger) Probleme, die richtige Lösung zu finden.
Damit niemand frustriert aufgeben muss, gibt es auf der CD-ROM eine Komplettlösung im PDF-Format. Diese Datei kann man jederzeit aufrufen und sich die Lösung eines Rätsels "abgucken" oder einfach nur den nächsten Spielschritt nachlesen. Abb. 2 zeigt einen Screenshot aus einem der Optikrätsel: Vier verschiedene Strahlengänge werden abwechselnd in schneller Reihenfolge gezeigt und halten immer wieder nur kurz an. Dann muss der jeweils richtige Linsentyp unterhalb des Displays angeklickt werden (Abb. 2).
Hürden für KnobelbegeisterteFür ehrgeizige Spielerinnen und Spieler, die ohne jede Hilfe spielen, gibt es keine Rückmeldung zur Wirkung ausgeführter Aktionen. Wenn sie zum Beispiel einen Hebel umgelegt haben, erfahren sie nicht, welche Tür sie damit geöffnet haben, sondern müssen das auf eigene Faust herausbekommen. Während des Spiels sammeln die Spielerinnen und Spieler Objekte, die sie als Inventar lagern. Allerdings können auch hier wichtige Informationen zunächst vorenthalten werden. Zum Beispiel nimmt man eine Batterie auf, die man zum Einschalten einer Glühbirne benötigt. Legt man sie dann in den Stromkreis, passiert nichts, da die Batterie leer ist. Weil das Spiel keine Auskunft über den Zustand der Batterie gibt, müssen Spielerinnen und Spieler selber auf die Idee kommen, die Batterie erst einmal aufzuladen. Aber das wird Knobelbegeisterte nur anspornen.
Um den virtuellen Planeten zu erforschen, benutzt man die Maus. Anhand der Pfeilrichtung des Mauszeigers orientiert man sich. Zeigt der Pfeil nach links, kann man links abbiegen, zeigt der Pfeil zurück, kehrt man um. Man findet sich mit der Bedienung des Spiels schnell zurecht, da es nur ein Hauptmenü zum Speichern, Laden und Beenden gibt. Um die Items zu benutzen, die man während des Spiels sammelt, muss man nur auf die untere Leiste im Programmfenster klicken und kann dann das benötigte Item auswählen. Auch das Lexikon ist nicht schwer zu finden. Per Klick auf einen roten Knopf am unteren linken Bildrand wird es geöffnet. Wird die Maus zu einem roten oder grünen Rechteck, weiß man sofort, dass entweder ein Objekt eingefügt werden muss (rotes Rechteck) oder dass ein Objekt genommen werden kann (grünes Rechteck).
Physikus ist eine schöne Ergänzung zum Physikunterricht ab der 8. Klasse für Physikinteressierte. Für den Einsatz im Unterricht selbst eignet es sich weniger: Als Lernadventure wurde es für die Freizeitbeschäftigung entwickelt.
Doreen Dyckerhoff ist 15 Jahre alt und absolvierte ein Schulpraktikum bei Schulen ans Netz e. V. Im Rahmen des Praktikums erstellte sie diese Rezension. Im Jahr 2008 wurde sie beim Jugendsoftwarepreis für ihren Beitrag Das ist gut zu wissen! ausgezeichnet.