Das Programm ist der traditionellen Arbeit mit Lernkarteien nachempfunden. Das Wissen ist auf einzelne Frage- und Antwortkärtchen verteilt, die je nach Kenntnisstand in unterschiedlichen Ordnern (Phasen) aufbewahrt werden. Die Nutzung des Computers sorgt für Ordnung. Im Gegensatz zu traditionellen Trainingsprogrammen auf CD-ROM greifen die Schülerinnen und Schüler hier nicht auf vorgefertigte Übungen zurück, sondern müssen Fragen und Antworten in eigener Verantwortung oder mithilfe der Lehrkraft zunächst selbst erarbeiten und zusammenstellen. Die regelmäßige Abfrage und den Erfolg kontrolliert das Programm auf fundierte Weise. Es eignet sich im Prinzip für alle Fächer und Jahrgangsstufen. Vokabeln lassen sich genauso verwalten wie Grammatikregeln oder wissenschaftliche Gesetze, die sich in wenigen Sätzen ausdrücken lassen.
Eingabe von WissenJeder Wissensbaustein kann einem bestimmten Fach zugeordnet werden und gliedert sich in Frage und Antwort. Möglich ist die Eingabe von Textzeichen und Ziffern. Über eine Toolbox werden zahlreiche Sonderzeichen, unter anderem für das Vokabeltraining, in gängigen Fremdsprachen angeboten. Im Jahr 2007 wird eine Professional Version erscheinen, die auch die Integration multimedialer Elemente ermöglicht. Per Mausklick wird das erstellte Kärtchen in eine auf MS-Access basierende Datenbank gespeichert.
Abfrage von WissenWährend der regelmäßigen Abfrage am PC erscheinen die Fragekarten in zufälliger Reihenfolge. Bei korrekter Antwort - hierüber entscheiden die Lernenden selbst oder ein Assistent - wird das Kärtchen in eine andere "Phase" verschoben. Dieser Status bestimmt die Häufigkeit zukünftiger Abfragen. Hat ein Wissensbaustein die phase6 erreicht, so gilt er als im Langzeitgedächtnis gespeichert. Der Abfrage-Rhythmus ist als Standard vorgegeben, lässt sich aber in den Extra-Einstellungen des Programms individuell anpassen. Mit einer optionalen Zusatzlizenz wird phase6 auch in Netzwerken nutzbar.
Gerade hier zeigt die Software ihre Überlegenheit gegenüber der traditionellen Lernbox. Komfortable Funktionen zum Sortieren und Gruppieren unterstützen die Nutzer zum Beispiel bei der Vorbereitung auf eine Prüfung optimal (Abb. 1, Platzhalter bitte anklicken). Richtig interessant wird es dann beim Export und Import von Lerneinheiten via Internet oder externer Datenträger. Der Austausch von Wissenseinheiten zwischen den Schülerinnen und Schülern einer Klasse ist genauso problemlos möglich wie die Weitergabe eines Kartensatzes zu einem bestimmten Grammatikthema an jüngere Geschwister. Für alle Bildungseinrichtungen ergibt sich die interessante Möglichkeit, Grundwissenkataloge für verschiedene Fächer und Jahrgangsstufen in einem Download-Bereich bereit zu stellen. Dort können sich auch interessierte Eltern informieren, über welche Kenntnisse ihre Kinder am Ende einer Jahrgangsstufe verfügen müssen.
Der Einsatz der Software im Sprachunterricht ist nahe liegend und erklärt sich von selbst. Das Potenzial von phase6 kann aber zum Beispiel auch im Mathematikunterricht der Sekundarstufe I genutzt werden. Im Anfangsunterricht des Gymnasiums werden die Schülerinnen und Schüler mit vielen neuen Fachbegriffen, Verfahren und logischen Strukturen konfrontiert. Sie müssen lernen, Definitionen von Anwendungen zu trennen sowie das Grundwissen aus der Fülle des Stoffes herausfiltern. Diesen Prozess kann die Lehrkraft durch die Bereitstellung eines Phase6-Fragebogens zum Abschluss einer Unterrichtseinheit unterstützen. So wird zum Beispiel das Rechnen mit negativen Zahlen auf wenige repräsentative Beispiele zurückgeführt und das jeweilige Vorgehen erklärt. Ein Beispiel zeigt Abb. 2 (Platzhalter bitte anklicken).
Speicherung im LangzeitgedächtnisMotivation und Erfolgserlebnisse der Lernenden sind Voraussetzung für die Akzeptanz von phase6 als regelmäßig bei der häuslichen Vorbereitung benutztes Lerninstrument. Förderlich sein könnte die wöchentliche Abfrage im Klassenverband mit Quizcharakter, sowie die Integration von phase6-Grundwissen in den Aufgabenkatalog bei schriftlichen Prüfungen. Zu Beginn eines neuen Schuljahres lässt sich mithilfe eines phase6-Tests ein schneller Überblick über den eigenen Wissensstand gewinnen. Lücken können dabei nicht nur aufgezeigt, sondern durch Training mit entsprechenden phase6-Daten auch zeitnah geschlossen werden. Damit ist phase6 auch ein hilfreiches Werkzeug für Lehrerinnen und Lehrer.
Jochen Dotterweich ist Lehrer für Physik und Mathematik am Arnold-Gymnasium in Neustadt bei Coburg. Sein besonderes Interesse gilt dem nachhaltigen und praxisorientierten Lernen. Darüber hinaus engagiert er sich für die Idee "Jugend forscht" und verwaltet den Sponsorpool Bayern, aus dem Wettbewerbsprojekte engagierter Schulen finanziell unterstützt werden.