Dieser Artikel informiert über gängige Messwerterfassungssysteme im Schulbereich. Einige wichtige Systeme sowie Software zum Messen, Auswerten und Weiterverwerten naturwissenschaftlicher Messgrößen werden vorgestellt. Videoclips zur Software-Bedienung der vorgestellten Systeme erleichtern die Einarbeitung in die Technik. Zudem finden Sie hier eine Sammlung von Anregungen zum Einsatz computergestützter Experimente im Chemie- und Biologieunterricht.
Die Bildungskommission der GDNÄ (Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte e.V.) betont in einer Denkschrift zum Thema "Allgemeinbildung durch Naturwissenschaften" (Aulis Verlag Deubner, 2002), dass zu den unverzichtbaren Kulturtechniken das Lesen, das Schreiben, das Rechnen und - oft völlig unterschätzt - das Messen gehöre. Die MNU (Deutscher Verein zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts e.V.) sieht den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg in das Experimentieren und damit das Messen sogar schon vor dem Beginn des Fachunterrichts in Physik und Chemie. Dabei werde die Persönlichkeitsentwicklung im Bereich der Eigeninitiative, Selbständigkeit, Phantasie und Kreativität gefördert (Physikunterricht und naturwissenschaftliche Bildung - aktuelle Anforderungen, MNU 2001).
Modulare GerätekonfigurationenDer Vorteil der modularen Geräte sind die Möglichkeiten zum stufenweisen Ausbau, der spezielle Zuschnitt auf den Bedarf und die Möglichkeiten an der Schule (zum Beispiel kann die Ausrüstung aus Kostengründen auf pH-Messungen reduziert werden). Alle Module passen hier an die gleiche Basiseinheit (Grundversion). Zu diesen Systemen gehören zum Beispiel die Produkte Cassy (LD Didactic), Cobra3 (Phywe) oder Pasport (Pasco, Abb. 1).
Kompakte GerätekonfigurationenIn den kompakten Gerätekonfigurationen, wie zum Beispiel All-Chem-Misst (AK Kappenberg), Chembox (Ingenieurbüro Hartl) und wiederum Cobra3 (Phywe), sind an die vorhandenen Eingänge nur noch entsprechende Sensoren anzuschließen. Die "Boxen" sind relativ groß, wegen der Ausstattung komplexer und in der Anschaffung in der Regel teurer als die modularen Systeme, die auch einfache und gute Lösungen für Schülerarbeits-Messplätze zu erschwinglichen Preisen bieten.
Für den Schulbereich werden zahlreiche Produkte aus dem Bereich der Messtechnik und Messsoftware angeboten. Hier finden Sie eine Übersicht der vom Autor getesteten und für gut befundenen Messwerterfassungssysteme:
Es ist wichtig, dass Schülerinnen und Schüler lernen, kompetent mit der Messwerterfassung umgehen zu können. Das alleinige Wissen um die Abläufe oder das Betrachten von Demonstrationsversuchen reicht dabei nicht aus. In der aktiven Auseinandersetzung mit der Aufnahme und Weiterverarbeitung von Messdaten, insbesondere unter Nutzung des Computers, werden den Lernenden die Leistungsfähigkeit, aber auch die Grenzen der Technik bewusst. Die Schülerinnen und Schüler lernen den Computer als nützliches Werkzeug für das naturwissenschaftliche Arbeiten kennen. Beim Einsatz eines Messwerterfassungssystems sollen sie einfache Versuche durchführen und auswerten können, dazu gehört
Es macht wenig Sinn, Versuche, die man bisher ohne Computer zur Zufriedenheit aller durchführte, nun mit Computer durchzuführen. Das Messen mit dem Rechner darf Messungen "mit der Hand" nicht ersetzen. Die digitale Messwerterfassung erweitert, ergänzt, vertieft und objektiviert die "von Hand" durchgeführte Messung.
Gegenüber der herkömmlichen Erfassung von Messdaten bietet der Computereinsatz folgende Vorteile:
Trotz aller Vorteile muss man sich auch klarmachen, dass der Einsatz von Computern zur Messwerterfassung neue Probleme aufwirft, die es im Unterricht und in dessen Vorbereitung zu lösen gilt, wie zum Beispiel
Die Bedienung der hier vorgestellten Programme wird durch kurze Videosequenzen beispielhaft veranschaulicht, die mit so genannten Screen-capture-Programmen aufgenommen wurden. Zum Abspielen dieser Videos sind zum Beispiel die folgenden Programme geeignet:
Video zur Programmbedienung (CassyLAB)
Video einer pH-Titration mit anschließender Umrechnung der Abszissenachse (Umrechnung von Zeit in Volumen)Dateigröße: 481 KB
Mess-SystemAn die Cobra3 Basic-Unit können verschiedene Messmodule und Sensoren angeschlossen werden. Mit der Chem-Unit können Sie zahlreiche Messgrößen gleichzeitig erfassen, ohne weitere Messgeräte zu benötigen.
SoftwarePhywe bietet die auf die Arbeit mit seinen Systemen abgestimmte Mess-Software Measure sowie unterschiedliche Messmodule und Sensoren an, die automatisch von Cobra3 erkannt werden.
Videos zur Programmbedienung (Measure)
Video einer pH-Titration inklusive Temperaturmessung (Grundeinstellungen vornehmen)Dateigröße: 474 KB
Video einer pH-Titration: Umrechnung von Zeit in Volumen (Kanalumwandlung)Dateigröße: 275 KB
Einsatzmöglichkeiten im UnterrichtPhywe bietet eine Vielzahl von Produkten mit Anregungen für das Experimentieren mit Cobra3:
Videos zur Programmbedienung (DataStudio)
Pasco bietet die Möglichkeit einfacher, grafischer Visualisierung der Messwerte mit dem Programm "EZ-Screen" (hier lassen sich Screenshots erstellen und als BMP- oder JPG-Bild speichern); von hier aus kann schließlich das komfortablere "DataStudio"-Programm geöffnet werden.Dateigröße: 522 KB
Video einer Temperaturmessung: Handling von DataStudio, Einstellungen, Ansichten, ArbeitsmappeDateigröße: 562 KB
Video einer pH-Titration: Handling der Software und Umrechnung von Zeit in VolumenDateigröße: 1595 KB
Kurzanleitungen zur Nutzung von MultiMESDateigröße: 41 KB
Anwendungsbeispiel: Vorgehen zum Aufzeichnen einer Titration mit MultiMESDateigröße: 44 KB
Video (Temperatur einer Kerzenflamme): Handling der Software, verschiedene Darstellungen, Beschriftungen, Überführen in die Tabellenkalkulation ExcelDateigröße: 718 KB
Hilfen zur Programmbedienung
Kurzanleitungen zur Nutzung von AKMmEDateigröße: 41 KB
Video (Temperatur in der Feuerzeugflamme, gemessen mit dem Digitalmultimeter ME 32): Programmeinstellungen, Messung, Veränderung der Achsenbeschriftung, AnsichtenwechselDateigröße: 454 KB
Kurzanleitungen von UNI-MESS-Light: Beispiel SpektroskopieDateigröße: 48 KB
Video 1: Aufnahme von Absorptionsspektren (Programmeinstellungen, Leerküvettenmessung)Dateigröße: 176 KB
Video 2: Aufnahme von Absorptionsspektren (Messlösung, Speichern)Dateigröße: 202 KB
Video 3: Auswertung der Absorptionsspektren (Variograph)Dateigröße: 125 KB
Video 4: Auswertung über Aufruf des "UNI-MESS-AUS"-ProgrammteilsDateigröße: 202 KB
Die folgenden Experimente wurden vom Autor des Artikels erfolgreich eingesetzt und zeigen die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten digitaler Messwerterfassung auf.
Ermittlung der molaren Neutralisationswärme und Berechnung der molaren Neutralisationswärme aus thermodynamischen Daten.Dateigröße: 33 KB
Bestimmung der Phosphorsäure in Cola-Getränken - Anwendungsbeispiel für eine Titration, bei der es auf eine möglichst exakte Gehaltsbestimmung ankommt.Dateigröße: 23 KB
Katalytische Oxidation von Weinsäure mit Wasserstoffperoxid - dieser Versuch ist auch ohne computerunterstütztes Messen sehr schön!Dateigröße: 36 KB
Reaktionskinetik: Messung der Geschwindigkeit der Esterhydrolyse in Abhängigkeit von der Temperatur und der Konzentration der Edukte.Dateigröße: 62 KB
Die Lernenden bestimmen die Transpirationsmenge von Pflanzen und gewinnen eine Vorstellung von der täglichen Transpirationsleistung eines Baumes.Dateigröße: 47 KB
UV/VIS-Spektroskopie eines Blattextraktes; alternativ wird auch ein Experiment zur Herbstlaubverfärbung vorgestellt.Dateigröße: 25 KB
Die bei der Wasserstoffperoxid-Spaltung freiwerdende Sauerstoffmenge wird unter verschiedenen Bedingungen bestimmt.Dateigröße: 18 KB
Die Spannungsänderung einer galvanischen Zelle in Abhängigkeit von der Veränderung des pH-Wertes wird aufgezeichnet.Dateigröße: 58 KB
Versuchsanleitung zur Leitfähigkeits-Titration von Natriumhydroxid beziehungsweise Bariumhydroxid mit Schwefelsäure.Dateigröße: 19 KB
Mit einem Temperaturfühler werden die Temperaturen verschiedener Flammen sowie die verschiedenen Temperaturzonen in einer Flamme ermittelt.Dateigröße: 13 KB
Holger Schickor studierte an der Martin-Luther-Universität Halle/Saale Lehramt für Biologie und Chemie. Seit 1995 unterrichtet er am Staatlichen Eifel-Gymnasium in Neuerburg (Rheinland-Pfalz). Er beschäftigt sich mit Animationen von biologischen und chemischen Vorgängen. Auf seiner Homepage finden Sie weitere Unterrichtsmaterialien für die Fächer Chemie und Biologie.
Reaktionskinetik