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Digitale Lesekompetenz: Glaubwürdigkeit prüfen und Fake News erkennen

Unterrichtseinheit
14,99 €

Die Glaubwürdigkeit im Internet prüfen, Fake News erkennen zur Förderung der digitalen Lesekompetenz üben die Lernenden mit diesem Unterrichtsmaterial, um bei der Internetrecherche Meinungen von Fakten zu unterscheiden. Anhand ausgewählter Nachrichten eignen sie sich dabei Strategien zur kritischen Medienreflexion an, die ihnen im Alltag zur Konstruktion von Wissen dabei helfen, Meldungen im Internet angemessen zu bewerten. Nach den Ergebnissen der Pisa-Studie von 2019 haben deutsche Schülerinnen und Schüler im Bereich digitale Lesekompetenz vor allem Schwächen darin, bei Publikationen im Internet Meinungen von Fakten zu unterscheiden. Im Zeitalter zunehmender Digitalisierung aller Lebensbereiche gehe es, so die OECD, nicht mehr vorrangig um das Finden, Filtrieren und Entschlüsseln von Zeichen, Signalen und Informationen, sondern um die Konstruktion von Wissen. Im Internet veröffentlichte Bilder, Grafiken und Texte müssen im Zusammenhang gedeutet, interpretiert und zusammengesetzt werden, um auf der Basis des eigenen Vorwissens ein Verstehen und eine Deutung zu ermöglichen. Die folgende Unterrichtseinheit möchte in acht Lernrunden diese Kompetenz entwickeln und stärken, um auf die Pisa-Ergebnisse zu reagieren. Zudem möchte sie den unterschiedlichen Lerntypen in einer Klasse Strategien, Routine und Kriterien für Recherche und Bewertung an die Hand geben und diese einüben. Das Ziel besteht darin, dass die Lernenden diese Kompetenz dann auch in ihrem Alltag einsetzen. Der bereitgestellte Online Check Glaubwürdigkeit dient zusätzlich der Motivation. Gelingt es nicht, die Menschen zu einem kompetenten Umgang mit den Neuen Medien zu befähigen, wird das Internet nicht nur eine Bedrohung für sich selbst, sondern für die ganze Gesellschaft und die demokratische Grundordnung. Die Analyse der Glaubwürdigkeit von Netzinhalten wird daher zu einer notwendigen Kernkompetenz für alle Bürger von freiheitlichen Gesellschaften. Das Unterrichtsmaterial fördert gleichermaßen Lesekompetenz, Medienkompetenz und kritisches Denken. Die Arbeitsblätter eignen sich für die Auseinandersetzung in Berufsschulen im Fach Deutsch oder Kommunikation ebenso wie in den Sekundarstufen anderer Schulformen. Sie können im Rahmen einer umfassenden Einheit, aber auch einzeln zwischendurch eingesetzt werden. Die ausgewählten Nachrichten aus dem Internet können ohne großen Aufwand ausgetauscht oder ergänzt werden, um die Lesefähigkeit beispielsweise auch im Rahmen eines aktuellen Themas aus den Medien durch digitale Lesestrategien zu schulen. Das Thema "Förderung der digitalen Lesekompetenz" im Unterricht Um die Informationsflut des digitalen Zeitalters bewältigen zu können, benötigen wir einen Kompass. Nur wenn wir entscheiden können, was richtig und falsch, wichtig und unwichtig ist, dann gelingt uns eine erfolgreiche Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben. Kernstück der digitalen Lesekompetenz ist daher die möglichst rasche und letztlich intuitive Einschätzung von Internet-Publikationen. Dabei müssen in kürzester Zeit Relevanz und Wahrheitsgehalt einer Website beurteilt werden, indem man aus einzelnen Versatzstücken Inhalt und Aussage des Textes rekonstruiert. Didaktisch-methodische Analyse Die Unterrichtseinheit führt die Schülerinnen und Schüler nicht nur zu einer kritischen Wahrnehmung von Internetinhalten, sondern sie zeigt ihnen in mehreren Lernrunden auch, wie man problematische Veröffentlichungen im Netz entschlüsseln und interpretieren kann. Dazu werden den Lernenden gemäß den Prinzipien eigenverantwortliches Arbeiten und Methodenvielfalt mehrere Instrumente an die Hand gegeben. Diese reichen von einfachen Entscheidungsformularen bis zu einem kompletten Entscheidungsmodul im Internet. Ausgehend von einfachen Leitfragen werden die Schülerinnen und Schüler zu immer komplexeren Rechercheroutinen und Entscheidungstableaus geführt, bis sie dann entscheiden können, welches der Analyseverfahren ihnen für den täglichen Gebrauch am geeignetsten erscheint. Die Unterrichtseinheit schlägt damit den Bogen vom Problemaufriss "Fake News" zum Einüben von Strategien zur Überprüfung der Glaubwürdigkeit von Netzinhalten. Die Methoden reichen von der Textkritik über Internetrecherchen bis hin zu Plakaterstellung, Podiumsdiskussion und Positionslinie. Abschließend wird den Lernenden sozusagen als Highlight zur Motivation als digitales Asset ein Online-Check Glaubwürdigkeit an die Hand gegeben, den sie auch später im Alltag verwenden können. Fachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler erfassen und analysieren Inhalte aus dem Internet. hinterfragen und kritisieren Netzinhalte im Quellkontext. bewerten und beurteilen Online-Pubilkationen mit vorgegebenen Kriterien zur Überprüfung der Glaubwürdigkeit. Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler recherchieren den Quellkontext von Internetseiten mit differenzierten Suchstrategien. beurteilen die Glaubwürdigkeit von Internetseiten und deren Verfasserinnen und Verfassern mit strukturierten Analyse- und Bewertungsverfahren. beurteilen die Glaubwürdigkeit von Internetseiten mit fertigen Online-Modulen. Sozialkompetenz Die Schülerinnen und Schüler fällen gemeinsam Bewertungen in Bezug auf den Wahrheitsgehalt von Internetseiten. recherchieren und präsentieren im Team. vertreten ihre eigene Meinung und behaupten sich in unterschiedlichen Kommunikationssituationen wie zum Beispiel einer Podiumsdiskussion.

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben
  • Berufliche Bildung, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II

Post Pisa Diskussion

Unterrichtseinheit

Drei Monate sind vergangen, seit die OECD die PISA-Studie publik gemacht hat. Der erste Schock ist verflogen, die permanenten Expertenzirkel und Bildungskonferenzen haben getagt und dem lange vor PISA bekannten Befund, um das deutsche Bildungssystem sei es nicht mehr bestens bestellt ist, kräftig beigepflichtet.Politiker, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände hatten schnell Erklärungen parat, Ursachen ausgemacht und auch Schuldige benannt, und die Schulen konnten sich vor Empfehlungen und Vorschlägen kaum retten. Allein der Glaube an den Wandel fehlt, da angesichts der amtlich bestätigten Bildungskrise vor allem alte Konzepte inklusive ihrer ebenso alten Gegenargumente mit neuer Vehemenz vorgetragen werden. Vor diesem Hintergrund lohnt es, nochmals einen kritischen Blick auf die Medienlandschaft zu werfen und zu fragen, welche kurz-, mittel- und längerfristigen Konzepte derzeit kursieren, ob der vielbeschworene Ruck - wieder einmal - nur durch die Feuilletons gegangen ist oder ob nach der öffentlichen Erregung Taten folgen. Fortsetzung Politiker, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände hatten schnell Erklärungen parat, Ursachen ausgemacht und auch Schuldige benannt, und die Schulen konnten sich vor Empfehlungen und Vorschlägen kaum retten. Allein der Glaube an den Wandel fehlt, da angesichts der amtlich bestätigten Bildungskrise vor allem alte Konzepte inklusive ihrer ebenso alten Gegenargumente mit neuer Vehemenz vorgetragen werden. Vor diesem Hintergrund lohnt es, nochmals einen kritischen Blick auf die Medienlandschaft zu werfen und zu fragen, welche kurz-, mittel- und längerfristigen Konzepte derzeit kursieren, ob der vielbeschworene Ruck - wieder einmal - nur durch die Feuilletons gegangen ist oder ob nach der öffentlichen Erregung Taten folgen. Fortsetzung Katrin Schaumann ist Mitarbeiterin von politik-digital Die KMK-Präsidentin Dagmar Schipanski versucht daher, die schlechte Stimmung mit vorläufigen Ergebnissen abzufedern und vorsichtigen Optimismus zu verbreiten. Gleichzeitig warnt sie aber vor "Schnellschüssen". Ihre Reaktion zeigt recht deutlich, in welchem Dilemma die Kultusministerkonferenz steckt. Der Erwartungsdruck ist hoch, möglichst bald Reformen auf den Weg zu bringen, um in der Öffentlichkeit das verheerende Bild der Bildungspolitik in Deutschland zu revidieren und dessen Ruf zu rehabilitieren. Gleichzeitig aber sollen die Lösungskonzepte nachhaltig wirken und bedürfen einer sorgfältigen und bundesweit koordinierten Ausarbeitung. So versucht Schipanski, das PISA-Debakel als Chance für ein Umdenken und für eine flächendeckende "nachhaltige Erneuerung" des veralteten Schulwesens zu kommunizieren. Erste positive Ergebnisse will sie in dem Versuch sehen, den Deutschunterricht für Migrantenkinder sowie die Ganztagesbetreuung an Schulen auszubauen. Bildung bleibt Ländersache Gleichzeitig zeigt sich die Kultusministerkonferenz weitgehend resistent gegen Vorschläge "von außen" und verfällt postwendend in alte Verhaltensmuster. So stellt sie sich einhellig gegen die Forderungen von Verbänden und Gewerkschaften, einen regelmäßigen Leistungsvergleich der einzelnen Bundesländer im Bereich Bildung zu initiieren. Das Bildungswesen solle uneingeschränkt Ländersache bleiben. Die Bundesländer berufen sich weiterhin auf Autonomie und halten es nicht für sinnvoll, als Reaktion auf die PISA-Ergebnisse Kompetenzen im Bildungsbereich an den Bund abzugeben. Einen "Nationalen Bildungsbericht", wie ihn die Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände und auch die SPD-Bundestagsfraktion gefordert hatten, wird es demnach nicht geben. Regelmäßige Bilanz Gleichwohl möchte die Konferenz regelmäßig Bilanz ziehen und die Ergebnisse der durch PISA angestoßenen Neuerungen in den einzelnen Ländern veröffentlichen. Die Addition der einzelnen Ergebnisse, so die baden-württembergische Kultusministerin, Annette Schavan, ergebe ja so etwas wie einen Nationalen Bildungsbericht. Eine kontinuierliche Evaluation macht jedoch nur Sinn, wenn sie integraler Bestandteil eines wirklichen Erneuerungsprozesses und über die Ländergrenzen hinaus abgestimmt ist. Dabei müssen einerseits Änderungen erfolgen und andererseits muss die Wirkung überprüft und notfalls nachgesteuert werden. Folgenlose Ansätze sollten schnell revidiert werden können, um andere zu testen. Dies ist sogar im vielstimmigen Chor der Bildungspolitik denkbar, wenn koordiniert vorgegangen wird und positive Ergebnisse der anderen als handlungsweisend für das eigene Land anerkannt werden. Kein Ideenmangel Die Länder beharren jedoch auf der Bildungshoheit und setzen sich damit dem Vorwurf (etwa der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft) aus, sich hinter dem föderalen System zu "verstecken" und kritische Bewertungen von außen zu scheuen. Denn die Länder lehnen auch einen permanenten Sachverständigenrat Bildung ab, wie ihn die fünf Wirtschaftsweisen empfehlen. Als Begründung muss das bereits bestehende "Forum Bildung" von Bund und Ländern herhalten, das kürzlich Reformvorschläge vorgelegt hat. Ebenso wurde die Forderung fast aller großen Lehrerverbände, des Bundeselternrates und aus der Wissenschaft nach der Abschaffung des Sitzenbleibens abgewiesen. Einen Mangel an Ideen gibt es demnach nicht und das Argument eines Überangebots an Expertise erscheint durchaus nachvollziehbar. Mehr Eigenständigkeit der Schulen Statt einer koordinierten und nach Prioritäten abgestimmten Umsetzung werden jedoch in den Bundesländern eigene "Bildungssüppchen" gekocht; alle Kultusminister haben so genannte Bildungs- oder Qualitätsoffensiven angekündigt. Ein durchgehender Gedanke ist hierbei, die Grundkompetenzen der Schüler in Mathematik und Lesen zu fördern und die Grundschule finanziell wie ideell aufzuwerten. Gesonderter Deutschunterricht für ausländische Kinder steht ebenso auf der Agenda der Länder, wie die gezielte Förderung leistungsschwacher sowie die angemessene Forderung hochbegabter Kinder. Es scheint, als herrsche Einigkeit bei den Kultusministern, den Schulen keine Konzepte "von oben" aufdrücken zu wollen und sie vor Patentrezepten und populistischen Forderungen aus Politik und Wirtschaft zu schützen. Vielmehr soll die Individualität und Eigenständigkeit der Schulen gefördert werden. Dies wird sicherlich weiterhin für Diskussionsstoff sorgen. Scharfe Worte für das Verhalten der Kultusminister findet vor allem Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Während die Länder ihre einzelnen Bildungsoffensiven anstoßen, wirft er den Kultusministern Reformunfähigkeit vor und verurteilt die ins Auge gefassten Konsequenzen als "eine Ansammlung von trivialen Allgemeinplätzen". In seinem 5-Punkte-Plan plädiert er für die Rehabilitierung des Leistungsgedankens und schlägt vor, sich in Deutschland wieder verstärkt zu einer Elitenbildung zu bekennen. Dies solle unter anderem durch bundesweite Programme zur Hochbegabtenförderung geschehen. Leistung soll sich lohnen Seine stark an ökonomischen Anforderungen orientierte Argumentation geht in Richtung eines einheitlich definierten Leistungsstandards für das gesamte Bundesgebiet auf hohem Niveau. Er tritt weiterhin für die Bezahlung der Lehrer nach Leistung ein sowie für eine radikale Entschlackung des Lehrplans auf 50 Prozent. Er schlägt außerdem die Einführung des Faches "Wirtschaft" vor, damit Schüler frühzeitig in wirtschaftliche Grundkenntnisse eingeführt werden. Alle Akteure sehen also angesichts der jetzigen Krisenstimmung vor allem die Chance, ihr Interessen in den Vordergrund zu rücken und als Allheilmittel anzupreisen. Die Medizin schlucken - falls sie denn verabreicht wird - müssen Lehrer und Schüler, es bleibt also zu hoffen, dass einige der Präparate anschlagen und nicht nur beruhigende Placebos im Angebot sind.

  • Politik / WiSo / SoWi
  • Sekundarstufe II

Lesen – Fundament, Voraussetzung und Genuss

Fachartikel
5,99 €

Leseförderung ist keineswegs ein neues Phänomen, sondern ein zentrales Thema, mit dem sich sowohl Literatur- als auch Bildungswissenschaftler seit dem PISA-Schock im Jahre 2000 verstärkt auseinandersetzen. Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels, der nicht nur aus der voranschreitenden Entwicklung digitaler Medien, sondern auch aus der zunehmenden sprachlichen und kulturellen Vielfalt resultiert, ist es notwendig, kontinuierlich an der Weiterentwicklung eines erfolgreichen schulischen Lesekonzepts zu arbeiten, um wirkungsvoll auf die tatsächlichen und sich stetig verändernden Schülervoraussetzungen reagieren zu können. Das didaktische Lesekompetenzmodell nach Rosebrock/Nix Lesen ist ein komplexer Prozess, bei dem viele mentale Teilprozesse gleichzeitig ablaufen. Das bedeutet, dass nicht nur das Lesenlernen, sondern auch der Leseprozess selbst bei jedem Kind individuell abläuft und aufgrund dessen einer individuellen Förderung bedarf. Das didaktische Lesekompetenzmodell nach Rosebrock/Nix offenbart allerdings, dass sich die Lesekompetenz über die Prozessebene hinaus ebenso auf eine Subjekt- und soziale Ebene ausweitet (vgl. Rosebrock/Nix 2017, S. 16). So sind Dekodierungsprozesse und das Herstellen einer lokalen wie globalen Kohärenz zwar essentiell, jedoch kann ein Text erst dann mit Bedeutung gefüllt werden, wenn ein positives Selbstkonzept des Lesenden dessen Beteiligung und Engagement auf der Subjektebene unterstützt. Dazu zählt beispielsweise eigenes Vorwissen mit einzubringen, auf Erfahrungen zurückzugreifen, diese in den Leseprozess zu integrieren und metakognitiv einen Text zu reflektieren. Diese auf Subjektebene ablaufenden Prozesse sind die Voraussetzung für die auf der sozialen Ebene stattfindende Anschlusskommunikation, die nicht nur im schulischen Kontext, sondern vor allem auch in der Familie gefördert werden sollte, damit sie zu einer natürlichen Teilhabe am kulturellen Leben führen kann. Wichtig hierbei ist, diese Kommunikation nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu führen oder gar zu erzwingen, sondern Kindern Freiraum für ihre eigenen Fragen und Anknüpfungspunkte zu geben, anhand derer sich das Gespräch entwickeln kann. Wenn Lesen zum Genuss werden soll, muss man auch im schulischen Kontext von einer oft vorherrschenden Gängelung abkommen, die pädagogische Ziele vor die Persönlichkeitsentwicklung und die Entdeckung neuer Welten stellt. Die Entwicklung einer schulischen Lesekultur Da das Fundament für die Lesekompetenz in der Grundschule gelegt wird, kommt der literarischen Sozialisation, die eine Kombination aus den Leseerfahrungen in der Schule und von Zuhause ist, eine ganz besondere Rolle zu. Voraussetzung dafür ist eine motivierende und einladende Umgebung, innerhalb derer sich die Entwicklung einer literarischen Kompetenz fördern lässt. Darüber hinaus sollte es oberste Priorität sein, Lesefreude zu wecken und die Kraft der Bücher zu nutzen, um Kinder für den eigenen Leseprozess zu begeistern und um eine schulische Lesekultur zu manifestieren, durch die Schülerinnen und Schüler unterstützt und angeleitet, aber auch stimuliert und herausgefordert werden können. Je früher dabei feste Leserituale im Unterrichtsalltag integriert werden, desto besser. Dazu zählen zum Beispiel feste Vorlesezeiten, freie und begleitete Lesezeiten und der regelmäßige Besuch in der Bibliothek. Außerdem spielen weitere Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel die Einrichtung einer gemütlichen Leseecke im Klassenzimmer oder auch klassenübergreifende Kooperationen (zum Beispiel Lesepaten). Auch wenn das übergeordnete Ziel die Förderung der Lesekompetenz und der damit einhergehende Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler ist, ist die Lesekultur, die nicht nur von der Lehrkraft, sondern auch von den Eltern (vor)gelebt wird, von tragender Bedeutung. In diesem Zusammenhang nimmt man als Erwachsener nicht nur eine motivierende und ermutigende Rolle ein, sondern ist gleichzeitig authentisches Vorbild - beispielsweise dann, wenn man sich ebenso regelmäßig ein Buch zur Hand nimmt, am Morgen die Zeitung liest oder feste Vorlesezeiten einführt. Dabei sollte ein möglichst natürlicher und ungezwungener Umgang mit Büchern gefunden werden, ohne ununterbrochen zu didaktisieren. Dazu gehört eine gewisse Freiheit in der Buchauswahl, es zuzulassen, dass Bücher auch mal abgebrochen werden oder während reiner Vorlesezeiten die Geschichte nicht ständig mit lehrerzentrierten Fragen zu unterbrechen. Den Schülerinnen und Schülern die Chance zu geben, die literarische Begegnung mit Genuss gleichzusetzen, ist Voraussetzung für die Ausbildung einer Lesekompetenz, deren Weiterentwicklung trotz Herausforderungen als eigene Bereicherung wahrgenommen wird. Unterstützungssysteme des Leseprozesses Die Lesekompetenz setzt sich aus verschiedenen Teilkompetenzen zusammen, die zum Teil sukzessive aufeinander aufbauen, aber gleichzeitig auch immer wieder ineinandergreifen. Von der Lesefertigkeit, über Lesegenauigkeit und Leseflüssigkeit bis hin zum Leseverstehen ist es ein weiter Weg, bei dem die Schülerinnen und Schüler nicht nur begleitet, sondern auch unterstützt werden müssen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, verschiedene Diagnoseinstrumente zu kennen und anzuwenden, um daraus gezielte Fördermaßnahmen ableiten zu können. Sogenannte Viel- und Lautleseverfahren, die regelmäßig in den Unterricht integriert werden, fördern die Lesegenauigkeit und -flüssigkeit, während die Vermittlung von Lesestrategien helfen kann, das Leseverständnis systematisch zu erleichtern. Erst dann, wenn Kinder darin unterstützt werden, diesen zum Teil sehr mühsamen Prozess des Lesenlernens zu meistern, ist der Weg frei für ein genussvolles Lesen, das ihnen das Eintauchen in magische Welten ermöglicht, in denen sie sich selbst begegnen und weiterentwickeln können. Fazit Damit für Kinder Lesen zu einer Selbstverständlichkeit werden kann, muss bereits in der Grundschule das Fundament gelegt werden, das über die Ausbildung einer Lesekompetenz den Raum für literarische Begegnungen öffnet, die die Lesemotivation steigern und durch die Kinder den Zugang zu neuen Welten finden können. Wenn diese Grundlage mithilfe der beschriebenen Unterstützungsmaßnahmen und durch das Anwenden vielfältiger Methoden gelegt wird, dann können Schülerinnen und Schüler ein positives Selbstkonzept entwickeln, durch das sich das Lesen immer mehr verselbstständigen kann. Literaturangaben Rosebrock, Cornelia/ Nix, Daniel (2017): Grundlagen der Lesedidaktik und der systematischen schulischen Leseförderung. 8. Auflage. Baltmannsweiler: Schneider.

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben

Schiller: Kabale und Liebe

Unterrichtseinheit

Kabale und Liebe gehört zum Kanon der klassischen Schullektüren für die Oberstufe des Gymnasiums. Der Plot des Dramas ist den Lernenden unseres postmodernen Zeitalters zwar fremd, die Problematik einer Liebesbeziehung, die an Hindernisse stößt und tragisch endet, ist jedoch auch heute durchaus nachvollziehbar. Kabale und Liebe im Deutschunterricht zu behandeln, erfordert zunächst einmal, die Horizonte von Text und Leser oder Leserin aufeinander zu beziehen. Dieser Unterrichtsvorschlag bietet kein festes Programm für eine komplette Unterrichtseinheit an, sondern zeigt Möglichkeiten auf, heutige Lernende zu einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Drama zu bringen. Dabei wird ein Textverarbeitungsprogramm für die Arbeit in Teams genutzt und den Lernenden so näher gebracht. In dieser Einheit wird die zuweilen trockene Textarbeit durch den Einsatz des Computers und des Internets unterstützt. Der Computer wird dabei nicht nur als Instrument der Motivation eingesetzt, sondern auch in seinen Möglichkeiten als Medium der Informationsbeschaffung und -verarbeitung genutzt. Die Möglichkeit einer Veröffentlichung eigener Produkte hat dabei eine sowohl motivierende als auch disziplinierende Wirkung. Die drei Umsetzungsvarianten, die nach dem Einstieg folgen, können nacheinander oder modular in Ihren Unterricht einfließen. Einstieg: Annäherung an den Text Allgemeine Anmerkungen zum Medieneinsatz und zum Einstieg Ablauf der Einheit - Handeln am Text Bei der Arbeit an Szene I,1 solle die Klasse handelnd mit dem Text umgehen. Ablauf der Einheit - Interpretationsarbeit Nach Abschluss des Leseprozesses beginnt die eigentliche Interpretationsarbeit. Ablauf der Einheit - zurück zur Bühne Die letzte Phase führt zum Text als Partitur für eine Bühnenaufführung zurück. Fachlich-inhaltliche Ziele Die Schülerinnen und Schüler sollen handelnd mit dem Text umgehen und ihn dadurch besser verstehen. zentrale Begriffe der Dramenanalyse und der Sprechakttheorie kennen lernen. das selektive Lesen von Recherchequellen üben und Inhaltsangaben zu diesen erstellen. einen Zugang zu dramatischen Texten finden. erkennen, dass der dramatische Text erst durch Eingriffe von Regie und Dramaturgie zu einem Theaterstück wird. Ziele aus dem Bereich der Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler sollen Optionen eines Textverarbeitungsprogramms kennen und für ihre Zwecke nutzen. das Internet als Recherchequelle nutzen. über das Internet Zugang zur selbstständigen Arbeit im Tandem finden. Internetrecherche, im Unterricht oder zu Hause Der Textlektüre vorgeschaltet wird eine erste Informationsphase, in der recherchiert werden soll, wann und wo Schillers Kabale und Liebe auf dem Theaterprogramm steht. Die Ergebnisse der Recherche, die selbstverständlich auch andere Medien als das Internet mit einbeziehen sollte (regionale und überregionale Zeitungen, Theaterzeitschriften), werden von den Schülerinnen und Schülern in der Klasse oder im Kurs präsentiert. Dies kann durch kurze Referate, durch eine Wandzeitung oder direkt am Computer mittels Beamer geschehen. Kabale und Liebe auf der Theaterbühne In dieser ersten Phase des Unterrichts, noch vor der Begegnung mit dem Dramentext, werden die Schülerinnen und Schüler in eine Rezipientenhaltung gebracht, die dem Drama angemessen ist: Sie nehmen Kabale und Liebe als Theaterstück wahr, das man auf der Bühne sehen kann, in dem Personen in Raum und Zeit agieren und damit eine eigene Wirklichkeit schaffen, die die Wirklichkeit der Zuschauenden für die Zeit des Spiels ersetzt. Wie beim Theaterbesucher und der Theaterbesucherin, die sich vor der Vorstellung ein Programmheft besorgen, werden auch bei den Schülerinnen und Schülern im Lauf ihrer medialen Recherchen Erwartungen geweckt und Vorstellungen geschaffen, die den Rezeptionsprozess des Dramas beeinflussen und steuern werden. Diese Erwartungen und Vorstellungen von dem, was sie beim Theaterbesuch oder eben bei der Dramenlektüre erwarten wird, müssen im Unterricht formuliert und besprochen werden, um als eine Art Folie für die Lektüre des Dramas zu dienen. Gemeinsamer Einstieg Der Einstieg in die Lesephase des Dramas sollte gemeinsam in der Klasse geschehen, um den Schülerinnen und Schülern zu helfen, eine dem dramatischen Text angemessene Lesehaltung einzunehmen. Die methodischen Möglichkeiten sind hier vielfältig: Lektüre mit verteilten Rollen, reihum lesen, spielen. Abgleich Text / Theater Im ersten Gespräch über den Text werden nicht nur inhaltliche und sprachliche Fragen geklärt, wichtiger ist es, hier die Eigenart dramatischer Texte zu erfassen: Während das Szenenfoto aus dem Programmheft, die Porträtaufnahme von Schauspielern, die Zeichnung der Bühne schon erste konkrete Vorstellungen vom Bühnengeschehen vermitteln, bleibt der gedruckte Text zunächst abstrakt. Er ist angewiesen auf die Vorstellungen seiner Leser und Leserinnen, auf ihre Inszenierungen im Kopf. Die drei Umsetzungsvarianten, die im Folgenden vorgestellt werden, können nacheinander oder modular in Ihren Unterricht einfließen. Die Lernenden machen den Text spielbar Der erste Arbeitsauftrag zielt darauf ab, bewusst zu machen, dass jedes Drama immer nur Ausschnitte aus der Realität der Figuren und ihrer Welt zeigt. Deshalb sollen die Schülerinnen und Schüler den Dramen-Haupttext, also das, was die Personen auf der Bühne sagen und was im Textheft steht, um weitere Szenen und um Neben- und Untertext ergänzen (die Unterscheidung verwendet Frommer in seinem Buch Lesen und Inszenieren (Stuttgart 1995)): Das Geschehen auf der Bühne besteht ja nicht nur aus den Redebeiträgen der Figuren, sondern auch aus deren Handlungen, Gesten, Bewegungen im Raum (= Nebentext, der zum Teil im Dramentext als Regieanweisung vorgegeben ist) und aus ihren Gedanken, Gefühlen und Redeabsichten, die aus der Figur erst eine leibhaftige Person machen (= Untertext). Der Dramentext ist also prinzipiell unfertig, er ist Partitur für eine erst zu entwerfende Aufführung. Von dieser Prämisse ausgehend erhalten die Schülerinnen und Schüler folgende Arbeitsaufträge: Lesen Sie die Szene I, 1 noch einmal aufmerksam durch. Welches Gespräch zwischen den beiden könnte der Szene vorausgehen? Was sagen sie, was tun sie, wo stehen oder bewegen sie sich auf der Bühne? Entwerfen Sie dieses Gespräch und die dazugehörigen Regieanweisungen in einer Schreibkonferenz. Dazu schreibt jedes Zweierteam zwei Redebeiträge am eigenen PC für Miller und seine Frau und rückt dann zum nächsten Arbeitsplatz weiter, um das Gespräch wiederum um zwei Redebeiträge pro Person fortzusetzen. Schreibkonferenz Bei der Methode der Schreibkonferenz werden die Schülerinnen und Schüler gezwungen, sich auf die Ideen der Vorgänger einzulassen. Die Gefahr, dass die Einfälle für das Gespräch schon nach wenigen Redebeiträgen versiegen, wird durch die jeweils neuen Impulse verringert. Hier wäre auch eine kritische Auseinandersetzung mit den fremden Beiträgen möglich, und zwar mit der Word-Funktion "Einfügen/Kommentar". Im Tandem: Sprechen über den Text Bei der zweiten Aufgabe bietet sich ebenfalls Partnerarbeit an. Die Schülerinnen und Schüler müssen dann ihre individuellen Konkretisierungen gleich mit dem Partner oder der Partnerin diskutieren und werden automatisch auf den Haupttext zurückverwiesen. Das Sprechen über den Text bekommt einen argumentativen Charakter - ein erster Ansatz zum Interpretieren. Unterrichtsgespräch Die Ergebnisse der Tandems werden anschließend gespeichert. Einige Vorschläge sollten - mittels Beamer - dem Plenum vorgestellt und miteinander verglichen werden. Dabei können im Unterrichtsgespräch die Formel "Drama = gesprochene Handlung" und der Begriff "Sprechakt" eingeführt werden. Wie bei allen produktionsorientierten Verfahren des Deutschunterrichts ist es wichtig, dass die Arbeit am Text reflektiert und in ihrer Bedeutung für das Textverstehen hinterfragt wird. Dies kann im Unterrichtsgespräch geschehen, aber auch in einem komplexen Schreibauftrag. Fassen Sie das Geschehen der Szene I, 1 für ein Theaterprogrammheft knapp zusammen. Berücksichtigen Sie dabei vor allem, dass das Drama "gesprochene Handlung" ist, das heißt, dass hinter der Rede der Figuren bestimmte Sprechabsichten stehen. Fügen Sie in Ihrer Textdatei zwischen den Szenen I, 1 und I, 2 einen farblich hervorgehobenen Monolog der Frau Miller ein, in dem diese laut über das vorangegangene Gespräch nachdenkt. Schreiben Sie aus der Rolle eines Theaterregisseurs eine genaue Rollenbeschreibung für die Figuren aus I, 1, die den Spielenden helfen soll, sich in ihre Rolle hineinzufinden. "Du bist jetzt Musikus Miller. Du führst mit deiner Frau ein Streitgespräch, in dem …" oder "Du bist jetzt Frau Miller. Dein Mann führt mit dir ein Gespräch über eure Tochter, in dem …" Nach diesem Einstieg in die Textarbeit haben die Schülerinnen und Schüler schon einige Umgangsformen mit dramatischen Texten kennen gelernt, die sie im weiteren Verlauf der Dramenlektüre selbstständig oder angeleitet wieder aufgreifen können. Interpretationsarbeit Nach Abschluss des Leseprozesses kann die eigentliche Interpretationsarbeit beginnen. Zurück zur Bühne Die letzte Phase der Unterrichtseinheit sollte wieder zum Text als Partitur für eine Bühnenaufführung zurückführen. Die Lernenden stellen Fragen... Die Schülerinnen und Schüler formulieren ihre Fragen an den Text. Daraus wird gemeinsam ein Programm für den Unterricht entwickelt. Auch die Lehrkraft kann hier ihre Fragen und Themen einbringen, um die fachwissenschaftliche Relevanz des Arbeitsprogramms zu sichern. ...und finden Antworten In der anschließenden Arbeitsphase dient der Computer zunächst vor allem als Medium der Recherche. Eine vorgegebene Linkliste kann die Arbeit erleichtern. Die Schüler und Schülerinnen erhalten - eventuell arbeitsteilig - den folgenden Untersuchungsauftrag. Die Beschreibungen zu den Links können Sie nach Belieben aus der RFT-Datei entfernen. Nach der ersten Sichtung, die ein überfliegendes, orientierendes Lesen trainiert, sollen die Schülerinnen und Schüler sich mit einer besonders interessanten Quelle intensiver auseinandersetzen. Je nach dargebotenem Material bieten sich folgende methodische Möglichkeiten an: Text der Website zusammenfassen. Text der Website mit der Programmfunktion "Autozusammenfassen" zusammenfassen, das Ergebnis dann kritisch reflektieren und den Nutzen dieser Funktion deuten. Fließtexte in tabellarische Texte oder Diagramme umformen (und umgekehrt), auch als Grundlage für ein Referat. Bilder kommentieren, als Anregung für eigene Gestaltungsversuche nutzen. eine Präsentation erstellen Durch die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Materialien bekommen die Schülerinnen und Schüler inhaltliche Interpretationsansätze für das Drama und schulen gleichzeitig ihre Methoden- und Medienkompetenz. Die Vielfalt der angebotenen Aufgaben ermöglicht Differenzierung und Individualisierung im Unterricht. Zusatzmotivation: Websiteproduktion Daraus ableiten lässt sich die Motivation, auch eigene Arbeiten ins Netz zu stellen. Alles, was im Laufe der Einheit von den Schülerinnen und Schülern erarbeitet wurde, sowie Materialien, die bei der Recherche gefunden wurden, können in einem Internetprojekt gebündelt und über die Schulhomepage veröffentlicht werden. Zur einfachen Erstellung solcher Seiten bietet sich der Homepage-Generator von lo-net an. Diese Öffnung für die Öffentlichkeit zwingt zu genauem, korrektem und adressatengerechtem Arbeiten. Zusätzliches Schülerwissen nutzen Die umfangreichere technische Realisierung des Projekts erfordert technisches Know-how und vor allem Zeit außerhalb des Unterrichts - beides bringen aller Erfahrung nach einige besonders motivierte Schülerinnen und Schüler mit. Ein eigenes Theaterstück Die Schülerinnen und Schüler erhalten folgende Aufgabe: Erstellen Sie für eine Schüleraufführung eine Streichfassung von "Kabale und Liebe", indem Sie Textstellen streichen, die Ihrer Ansicht nach für die Inszenierung nicht wesentlich sind. Offline streichen, online sichern Bei dieser Aufgabe wird zunächst mit Textheft und Bleistift gearbeitet, bevor am Bildschirm die verkürzte Bühnenfassung erstellt wird. Dies geschieht (in Word) am besten mit der Funktion "hervorheben" oder durch Löschen der entsprechenden Textpassagen und "Extras: Änderungen verfolgen". Ziel des Arbeitsauftrags ist es, dass die Schülerinnen und Schüler sich bewusst machen, welche Funktion einzelne Szenen oder Szenenteile im direkten Kontext und im Gesamtzusammenhang der dramatischen Handlung haben. Lesekompetenz in der Gruppe fördern Auch hier bietet sich Gruppenarbeit an: Im Vergleich der verschiedenen Lösungsvorschläge entsteht ein echtes Interpretationsgespräch im Sinne einer Verständigung über das Verstehen von Literatur. Nach dem Lesekompetenz-Konzept von PISA wird hier das Reflektieren und Bewerten (Stufe V) gefordert, das auch deutschen Gymnasiasten schwer fällt. Parallelhandlung abstrahieren Alternativ oder erweiternd kann folgende Aufgabe vergeben werden: Stellen Sie die Szenen am Hof und die Szenen der bürgerlichen Welt zusammen. Entwerfen Sie jeweils eine knappe Parallelhandlung: Was passiert während der Hofszenen in der bürgerlichen Welt und umgekehrt? Bei dieser Aufgabe wird den Schülerinnen und Schülern die besondere Zeitstruktur von Bühnenhandlungen klar: Szenen, die auf der Bühne (und im Textheft) zwangsläufig nacheinander kommen müssen, laufen in der Realität zum Teil simultan ab. Die Reflexion dieser Einsicht kann wiederum zu interessanten Inszenierungsvorschlägen führen. Arbeit am Computer Auch hier kann am Computer gearbeitet werden: Für die Szenen der beiden Schauplätze wird eine zweispaltige Tabelle angelegt, in welche die entsprechenden Textpassagen eingefügt werden. In die jeweils frei bleibende Spalte wird die Parallelhandlung stichpunktartig eingetragen.

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben
  • Sekundarstufe I

Kombinierte Klassen an Grundschulen

Fachartikel
5,99 €

In diesem Fachartikel zum Thema Kombinierte Klassen werden die Besonderheiten dieser Klassenform und ihre Aktualität in der derzeitigen Bildungslandschaft erklärt. Lehrkräfte, die zum ersten Mal in einer Kombiklasse unterrichten, erhalten hilfreiche Tipps zur Unterrichtsorganisation. Begriffsklärung "Kombiklasse" In einer Kombiklasse werden zwei Jahrgangsstufen zu einer Lerngruppe zusammengefasst . Meistens sind das die ersten beiden Grundschulstufen (jahrgangsgemischte Schuleingangsstufe), teilweise auch Dritt- und Viertklässler. In Berlin werden die Klassen 1 bis 3 und 4 bis 6 kombiniert. Geschichtlicher Hintergrund Im Zuge der reformpädagogischen Bewegung entstand ein alternatives Lernkonzept, das besagt, dass das Wissen und Können von Kindern nicht an ein bestimmtes Alter gebunden ist. Auch heute noch ist jahrgangsübergreifendes Lernen Unterrichtsprinzip in Montessori- und Jenaplanschulen. In ländlichen Gebieten gab es angesichts geringer Kinderzahlen schon immer altersheterogene Klassen. Aktualität von Kombiklassen Unter dem Motto "Kurze Wege für kurze Beine" wurden in etlichen Bundesländern (zum Beispiel Saarland, Rheinland-Pfalz, Brandenburg) Klassen zusammengelegt, um trotz rückläufiger Schülerzahlen und steigenden Lehrermangels Schulschließungen zu verhindern und eine wohnortnahe Beschulung (Erreichbarkeit der Schule mit dem Bus in maximal 30 Minuten) zu gewährleisten. Die Lernerfolge in jahrgangsgemischten Klassen in Skandinavien sind seit der PISA-Studie bekannt. Im Zuge dessen wurden auch in Deutschland mancherorts Kombiklassen eingeführt . In Berlin waren sie in den Jahrgangsstufen 1/2 zwischen 2005 und 2009 sogar verpflichtend. In Berlin, Hamburg und zuletzt in Bayern fanden wissenschaftlich begleitete Schulversuche durchweg positive Ergebnisse. Im Jahr 2017 wurden bundesweit 20 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler altersgemischt unterrichtet . Vorteile für Schülerinnen und Schüler in einer Kombiklasse Alle Kinder lernen zeitgleich im selben Raum auf unterschiedlichen Niveaus . Jede und jeder bearbeitet den Lernstoff, der dem eigenen Lernvermögen entspricht. Schulanfängerinnen und Schulanfänger in einer Kombiklasse haben eine geringe Eingewöhnungszei t in den Schulalltag. Sie schauen sich vieles von den Älteren ab und übernehmen vorhandene Rituale und Regeln ganz selbstverständlich. Beim gemeinsamen Lernen von älteren und jüngeren Kindern mit unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten werden die sozialen Fähigkeiten wie beispielsweise Rücksichtnahme und gegenseitige Hilfe trainiert. Da in Kombiklassen häufig mit Wochenplänen oder in Werkstattarbeit gearbeitet wird, verlangt dies von den Schülerinnen und Schüler einiges an Selbständigkeit und Eigenverantwortung . (Hoch-)begabte Kinder können ganz unproblematisch zwei Schuljahre in einem durchlaufen, indem sie den Lernstoff der höheren Klassenstufe absolvieren. Ein Kind, das Mühe beim Lernen hat, kann relativ unbemerkt die Klasse wiederholen , denn es muss hierzu weder den Klassenraum noch die Lehrkraft wechseln. Problemfelder in einer Kombiklasse Die Leitung einer Kombiklasse ist eine deutliche Herausforderung für die Lehrkraft. Sie muss das Lernpensum von zwei Schuljahren in einer Klasse mit einer sehr breiten Leistungsschere parallel unterrichten. So hat sie eine deutlich höhere Arbeitsbelastung , zum Beispiel durch das Erstellen und die Suche von/nach (individuellen) Arbeitsmaterialien. Außerdem muss sie zwangsläufig alternative Unterrichtsformen wählen, um der Heterogenität der Kinder optimal zu begegnen. Zudem kann sie relativ leicht den individuellen Lernstand ihrer Schülerinnen und Schüler aus den Augen verlieren , da sie durch den offenen Unterricht etwas weniger Kontrolle über das Arbeitspensum jedes einzelnen Kindes hat. Es kann passieren, dass schwächere Kinder nicht arbeiten , wenn die Lehrkraft eine Einführung mit einem Teil der Klasse macht, da sie auf Hilfe angewiesen sind. In Arbeitsphasen kann dadurch zeitweise eine große Unruhe und Lautstärke entstehen, wenn jeder mit etwas anderem beschäftigt ist. Mitunter sitzen einzelne Kinder untätig herum, die schon alles erledigt haben. Nicht zuletzt sieht die Lehrkraft sich oftmals mit kritischen Fragen aus der Elternschaft konfrontiert. Tipps für Neulinge in einer Kombiklasse Ein sanfter Einstieg in den offenen Unterricht stellt die Freiarbeit dar. Die Schülerinnen und Schülern bearbeiten dabei zu einer bestimmten Zeit (etwa an zwei Tagen in der Woche 30 Minuten lang) Übungsaufgaben, zum Beispiel Einmaleins und Grammatik und/oder Lernspiele zu Sachthemen, die in einem speziellen Regal ausliegen. Die Materialien sind weitestgehend selbsterklärend. Für Themen des Deutsch- und Mathematikunterrichts, die in beiden Klassenstufen vorkommen wie beispielsweise das Rechnen mit Geld oder die Wortarten, ist eine Lerntheke geschickt. Auf einem Tisch oder der Fensterbank legt die Lehrkraft differenzierte Arbeitsmaterialien aus. Die wohl gängigste Arbeitsweise im jahrgangsübergreifenden Unterricht ist die Wochenplanarbeit . Jedes Kind erhält eine (individuelle) Liste mit Aufgaben, die es im Laufe einer Woche zu erledigen hat, mitunter sind auch die Hausaufgaben integriert. Im Sachunterricht kann in altersgemischten Gruppen sehr gut projektorientiert gelernt werden. Zur Vermeidung von Leerlauf (insbesondere für schnellere Kinder) sollte die Lehrkraft auf jeden Fall Zusatzaufgaben , gegebenenfalls auch Knobelaufgaben für (hoch-)begabte Kinder bereitlegen. Mithilfe eines rhythmisierten Ablaufs sorgt die Lehrkraft für einen klaren Rahmen. Rituale wie eine feste Lesezeit am Morgen sorgen dafür, dass immer wieder gemeinsame Momente erlebt werden können. Mithilfe eines Helfersystems werden Wartezeiten verhindert, während denen ein hilfesuchendes Kind nicht weiterarbeiten kann. So können Kinder als Expertenkinder für einen Themenbereich fungieren. Zusätzlich zu Klassendiensten kann die Lehrkraft wechselnde Assistenten benennen, die zeitweise Lehrerfunktionen übernehmen und beispielsweise mit einem Teil der Klasse ein Spiel durchführen, während die Lehrkraft eine Themeneinführung macht. Die Lehrkraft sollte sich nicht scheuen, die Eltern in den Unterricht miteinzubeziehen . Diese können Teile des Unterrichts übernehmen und zum Beispiel zum Vorlesen kommen, Dinge abfragen oder auch als zusätzliche Aufsicht einspringen. Es ist wichtig, dass die Lehrkraft weiß, wie weit jedes Kind mit dem Lernstoff ist. Deshalb sollte sie mehrmals wöchentlich Beobachtungen notieren : Wer befindet sich bei welchem Themenbereich in Deutsch oder Mathematik? Auf welcher Seite in welchem Lehrwerk beziehungsweise Arbeitsheft befindet sich das Kind? Bei welcher Aufgabe im Wochenplan steckt der Schüler oder die Schülerin fest? Da die Kinder viel frei arbeiten, sind häufige Kurztests wie zum Beispiel Zehn-Minuten-Rechnen, Lesetests oder Einmaleins-Abfragen sinnvoll. Außerdem sollte die Lehrkraft regelmäßig die Hefte und schriftlichen Materialien kontrollieren . So erkennt sie Stofflücken oder Problembereiche schnell und kann gegebenenfalls mit einem reduzierten oder anspruchsvolleren Wochenplan reagieren. Die Lehrkraft sollte einen engen Elternkontakt pflegen, um so gut wie möglich über jedes Kind informiert zu sein. Sie sollte regelmäßig abfragen, wie es bei den Hausaufgaben läuft, ob das Kind nach der Schule erschöpft, unausgeglichen oder voller Tatendrang ist. Die Reflexion hat einen großen Stellenwert. In Gesprächsrunden, Einzelgesprächen oder auch in schriftlicher Form sollten die Schülerinnen und Schüler regelmäßig über ihr Pensum, ihre Leistungsbereitschaft, mögliche Probleme, aber auch über eventuelle Störquellen im Unterricht berichten. Weiterführende Literatur Holl, Annette (2019): Kombiklassen. Jahrgangsübergreifendes Lernen mit Leichtigkeit. Saulgrub: Lernbiene. Schagerl, Ursula und Elke van der Linde (2007): Kursbuch jahrgangsübergreifender Unterricht. München: Oldenbourg.

  • Fächerübergreifend

Unterrichtsmaterial "Armut in Deutschland"

Unterrichtseinheit

Diskussionen über "die neue Unterschicht" und "das abgehängte Prekariat" bestimmen die Debatten zum Thema Armut in Deutschland. Die folgenden Basistexte dienen der Bearbeitung des Themas im Unterricht. Zudem wird in einem beispielhaften Schulprojekt dargestellt, wie das Thema gewinnbringend in den Unterricht integriert werden kann.Auslöser der Debatten war die Studie "Gesellschaft im Reformprozess" der Friedrich-Ebert-Stiftung. Hierfür befragte das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest von Februar bis April 2006 rund 3000 wahlberechtigte Deutsche zu den gesellschaftlichen Reformen. Die vorab veröffentlichten Ergebnisse sorgten für Aufsehen, denn diesen zufolge haben acht Prozent der deutschen Bevölkerung jegliches Streben nach sozialem Aufstieg aufgegeben. Bereits im Vorfeld dieser Veröffentlichung hatte der SPD-Parteivorsitzende Kurt Beck in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Diskussion um die Armut in Deutschland neu angestoßen.Die Schülerinnen und Schüler sollen ihr Verständnis von Armut in unserer Gesellschaft kritisch reflektieren. den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung bearbeiten und Begrifflichkeiten herausarbeiten und kritisch bewerten. identifizieren, wer als arm gilt und warum. sich mit dem bundesweiten Zahlenmaterial auseinandersetzen und dieses mit der eigenen Region vergleichen. die Gründe für Armut herausarbeiten. über gesellschaftliche Verteilungen von Kapital und gesellschaftliche Gerechtigkeit diskutieren. bezüglich dieses Themas den Kontakt zu Politikern und Verbandsvertretern suchen und Diskussionen einfordern. angegebene Geldgrößen kritisch bewerten und mit dem eigenen Konsumverhalten in Beziehung stellen. das Internet als Informations- und Recherchemedium nutzen. Thema Armut in Deutschland Autor Michael Bornkessel Fach Politik, Sozialwissenschaften Zielgruppe Sek I und II, Klasse 8-12 Zeitaufwand je nach Intensität und Schwerpunktsetzung 4-8 Stunden, Schulprojekt Medien je ein Computer mit Internetzugang für 2 Schülerinnen und Schüler Begrifflichkeiten von Armut Der Begriff Armut lässt sich nicht eindeutig definieren. Er wird beispielsweise als eine Mangelversorgung mit materiellen Gütern und Dienstleistungen bezeichnet. Gründe für Armut Der Hauptgrund für Armut in Deutschland ist Arbeitslosigkeit. Weitere Risikofaktoren sind fehlende Bildungsabschlüsse, geringfügiges Einkommen und Überschuldung. Eine gerechte Gesellschaft? In Deutschland haben Kinder aus Elternhäusern mit niedrigem sozialen Status und Kinder mit Migrationshintergrund deutlich schlechtere Bildungschancen. Die hier dokumentierte Arbeit von Schülerinnen und Schülern von Bremer Schulen führt sehr lebensnah und nachvollziehbar vor Augen, was es heißt, in Armut zu leben. Im Schulprojekt wurden das soziale Miteinander und das politische Engagement der Lernenden gestärkt. Schulprojekt - Kinderarmut in Bremen Das Schulprojekt der Bremer Schulen zeigt auf, wie fächer- und schulübergreifender Unterricht dieses Thema als Projekt auf regionaler Ebene behandelt. Generell unterscheidet man zwischen "absoluter" und "relativer Armut": Absolute Armut bedroht die physische Existenz, also das Leben. Als absolut arm gelten nach Definition der Weltbank Menschen, die pro Tag weniger als einen US-Dollar zur Verfügung haben. In Wohlstandsgesellschaften wie der Bundesrepublik Deutschland ist meist von "relativer Armut" die Rede. Die "relative Armutsgrenze" bezieht sich auf statistische Durchschnittswerte, etwa das durchschnittliche Einkommen eines Landes. Armut und soziale Ausgrenzung Der 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2004/2005 geht davon aus, dass Armut im Sinne von sozialer Ausgrenzung dann vorliegt, "wenn Handlungsspielräume von Personen in gravierender Weise eingeschränkt und gleichberechtigte Teilhabechancen an Aktivitäten und Lebensbedingungen der Gesellschaft ausgeschlossen sind". Eine so genannte "Armutsrisikogrenze" ist seit einiger Zeit EU-weit definiert: Im Jahr 2001 hat die Europäische Union ein Aktionsprogramm "zur Förderung der Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten bei der Bekämpfung der sozialen Ausgrenzung" verabschiedet. Darin war auch die Entwicklung von gemeinsamen Indikatoren zur Erfassung von Armut und Ausgrenzung vorgesehen. Armutsrisikoquote und Armutsrisikogrenze In den europäischen Ländern liegt das durchschnittliche Wohlstandsniveau wesentlich über dem physischen Existenzminimum. Daher hat man Armut "als auf einen mittleren Lebensstandard bezogene Benachteiligung" definiert. Die "Armutsrisikoquote" bezeichnet den Anteil der Personen in Haushalten, deren "bedarfsgewichtetes Nettoäquivalenzeinkommen" weniger als 60 Prozent des Mittelwerts aller Personen beträgt. In Deutschland liegt nach Angaben des 2. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung die so errechnete Armutsrisikogrenze bei 938 Euro. Berechnung des Nettoäquivalenzeinkommens Dieses "Nettoäquivalenzeinkommen" berechnet sich, indem zunächst sämtliche Einkommen (Bruttoeinkommen aus unselbständiger Arbeit oder Tätigkeit, aus Vermögen einschließlich des Mietwerts selbstgenutzten Wohneigentums und laufenden Sozialtransfers) zusammengerechnet werden. Dann werden die Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung sowie Steuern abgezogen und die verbleibende Summe durch die Anzahl der "bedarfsgewichteten" Haushaltsmitglieder geteilt. OECD-Skala Um die Einkommen international vergleichen zu können, wird auf europäischer Ebene wie auch im deutschen Armuts- und Reichtumsbericht das "Nettoäquivalenzeinkommen" nach einer Skala der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ermittelt. Demnach ist der Gewichtungsfaktor für den Haupteinkommensbezieher 1,0. Alle übrigen Haushaltsmitglieder von 14 Jahren und älter erhalten den Gewichtungsfaktor 0,5 und Personen unter 14 Jahren den Gewichtungsfaktor 0,3. Bei einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren wird das Haushaltseinkommen also nicht durch vier, sondern durch 2,1 geteilt. Steigendes Armutsrisiko Bereits der 2002 veröffentlichte 1. Armuts- und Reichtumsbericht hat festgestellt, dass die Armutsrisikoquote von 1983 bis 1998 kontinuierlich angestiegen ist. Dieser Trend hat sich weiter fortgesetzt: Die Armutsrisikoquote ist von 12,1 Prozent im Jahr 1998 auf 13,5 Prozent in 2003 gewachsen. Das heißt, dass 13,5 Prozent aller Deutschen in Haushalten leben, in denen das bedarfsgewichtete Haushaltseinkommen bei weniger als 938 Euro im Monat liegt. Gleichwohl gehört Deutschland im europäischen Vergleich nach Dänemark und Schweden zu den Ländern mit der niedrigsten Armutsrisikoquote. Größtes Armutsrisiko Nach dem 2. Armuts- und Reichtumsbericht ist Arbeitslosigkeit der Hauptgrund für Armut: "Für die Betroffenen bedeutet Arbeitslosigkeit akute Gefahr von Armut und sozialer Ausgrenzung", heißt es im Bericht der Bundesregierung. Das Armutsrisiko von Arbeitslosen lag 2003 bei über 40 Prozent. Bei Haushalten, in denen wenigstens ein Mitglied vollerwerbstätig oder mindestens zwei Mitglieder teilerwerbstätig sind ("Vollerwerbshaushalte"), betrug es lediglich vier Prozent. Armut trotz Arbeit Dabei hängt das Risiko für Einkommensarmut trotz Arbeit im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: Vom Umfang der Erwerbstätigkeit und vom Vorhandensein von Kindern. Teilzeithaushalte sind armutsgefährdet, während bei Vollzeithaushalten das Armutsrisiko relativ gering ist. Unter Haushalten mit Kindern sind vor allem kinderreiche Migrantenfamilien und allein Erziehende betroffen, so der 2. Armuts- und Reichtumsbericht. Ursachen und Ausmaß Eine weitere wichtige Ursache für Armut und ein erhöhtes Armutsrisiko ist die Überschuldung von Haushalten, meist ausgelöst durch Arbeitslosigkeit, ein zu niedriges Einkommen oder als Folge von Trennung und Scheidung. Ein Privathaushalt gilt dann als überschuldet, wenn das Einkommen und das Vermögen über einen längeren Zeitraum nicht ausreichen, um die fälligen Außenstände zu bezahlen. 2002 waren nach Angaben des 2. Armuts- und Reichtumsberichts rund 3,13 Millionen private Haushalte in Deutschland überschuldet, das sind rund acht Prozent aller Haushalte. Teufelskreis der Armut Überschuldete Personen und ihre Familien können nur sehr begrenzt am normalen wirtschaftlichen und sozialen Leben teilnehmen. Meist geraten sie ohne professionelle Hilfe einer Schuldnerberatung in eine "Überschuldungsspirale", das heißt der Schuldenberg wird immer größer. Sobald das Girokonto gesperrt wird, sind sie vom bargeldlosen Zahlungsverkehr ausgeschlossen. Als Folge ist der Arbeitsplatz gefährdet beziehungsweise die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz wird erschwert. Dadurch wird auch die Gefahr, die Wohnung zu verlieren, immer größer. In der Schuldenfalle Auch Jugendliche können leicht in die Schuldenfalle geraten: Zwar dürfen Minderjährige ohne Einwilligung der Eltern keine Geschäfte tätigen, die zu Schulden führen könnten. Allerdings bergen so genannte Dauerschuldverhältnisse, die man etwa beim Abschluss eines Handy-Vertrages mit fester Laufzeit eingeht, bei denen die Höhe der monatlich zu zahlenden Beträge aber nicht fest steht oder nicht begrenzt ist, eine nicht zu unterschätzende Verschuldungsgefahr. Niedrige oder gar keine Schulabschlüsse Ein Schulabschluss ist eine wichtige Voraussetzung, um am Arbeitsmarkt überhaupt eine Chance zu haben: Je höher der Abschluss, desto mehr Möglichkeiten stehen den jungen Menschen offen. Schülerinnen und Schüler mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit haben, so der 2. Armuts- und Reichtumsbericht, besondere Probleme: Sie erreichen im Schnitt nur niedrigere Abschlüsse, überproportional viele verlassen die Schule sogar ohne einen Abschluss. Daraus resultiert, dass die Startchancen beim Übergang in die Berufsausbildung 2001 für nicht-deutsche Schülerinnen und Schüler deutlich schlechter waren als die der deutschen. Zunehmend betroffen: Männer, Migranten, Lernbeeinträchtigte Damit einhergehend hat sich die Zusammensetzung der Gruppe der bis 25-Jährigen ohne Berufsausbildung in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert: Im Vergleich zu den 1960er und 1970er Jahren ist es eine zunehmend sozial homogenere, stärker männlich besetzte und ethnisierte Gruppe: Überproportional und mit steigender Tendenz (circa 36 Prozent) sind hier Jugendliche und junge Erwachsene ausländischer Herkunft vertreten, so der 2. Armuts- und Reichtumsbericht. Auch viele Jugendliche mit Lernbeeinträchtigungen und sozialen Benachteiligungen finden keine Lehrstelle oder können eine Berufsausbildung nicht erfolgreich abschließen. So blieben 2003 in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen 1,36 Millionen (14,9 Prozent) ohne beruflichen Bildungsabschluss. Privatbesitz steigt an Deutschland ist ein reiches Land. Dies zeigt sich beispielsweise an dem Vermögen, das sich in privater Hand befindet. Damit bezeichnet man im engeren Sinne das verzinslichte Geldvermögen (Spar- und Bausparguthaben, Wertpapiere, Termingeld und angesammeltes Kapital bei Lebensversicherungen) und die Verkehrswerte von Immobilien abzüglich Bau- und Konsumschulden. Die Vermögen sind nach Angaben des 2. Armuts- und Reichtumsberichts in den vergangenen Jahrzehnten stetig gestiegen und haben im Jahr 2003 eine Summe von rund fünf Billionen Euro erreicht. Ungleiche Verteilung Das Privatvermögen in Deutschland ist aber sehr ungleichmäßig verteilt. Die unteren 50 Prozent der Haushalte verfügen nur über etwas weniger als vier Prozent des gesamten Nettovermögens. Die vermögensstärksten 20 Prozent besitzen dagegen rund zwei Drittel, alleine auf das oberste Zehntel entfallen knapp 47 Prozent. Dabei ist der Anteil des obersten Zehntels gegenüber 1998 um gut zwei Prozentpunkte gewachsen. West- und Ostdeutschland Insgesamt stieg das Nettovermögen im Zeitraum von 1993 bis 2003 im Durchschnitt um rund 26 Prozent. Dabei bestehen aber gravierende Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland: Während die westdeutschen Haushalte im Jahr 2003 durchschnittlich ein Immobilien- und Geldvermögen im Wert von rund 149.000 Euro besaßen, lag das durchschnittliche Vermögen der ostdeutschen Haushalte mit knapp 60.000 Euro nur bei 40 Prozent des West-Betrages. Jedoch hat sich der Abstand zwischen Ost- und Westdeutschland nach Angaben des 2. Armuts- und Reichtumsberichts von 1993 bis 2003 erheblich verringert. Keine Chancengleichheit Eine qualifizierte Ausbildung für junge Menschen sicherzustellen ist eine der wichtigsten gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Aufgaben. Sie erhöht die Chancen, einen erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben zu finden und kann den Weg zu einer selbstständigen Lebensführung öffnen. Doch nicht alle jungen Menschen haben die gleichen Chancen: Der 2. Armuts- und Reichtumsberichts kommt zu dem Schluss, dass der Zugang zu höherwertigen Schul-, Ausbildungs- und Berufsabschlüssen wie auch der Zugang zum Studium nach wie vor durch die Herkunft, den Bildungsstand und die berufliche Stellung der Eltern bestimmt wird. Leistungsrückstand bei Migrantenkinder Auch Kinder mit Migrationshintergrund haben es schwerer. Eine im Mai 2006 vorgelegte Sonderauswertung der internationalen PISA-Studie hat gezeigt, dass Kinder mit Migrationshintergrund in Deutschland so schlechte Chancen wie in kaum einem anderen Industriestaat haben: Das deutsche Bildungssystem sei nahezu unfähig, Migrantenkinder zu integrieren. Im Durchschnitt aller 17 OECD-Staaten liegen die Leistungen der 15-jährigen Migrantenkinder um 48 Punkte unter denen ihrer einheimischen Mitschüler - ein Bildungsrückstand von etwa einem Schuljahr. In Deutschland beträgt dieser Unterschied bei Migrantenkindern der zweiten Generation fast das Doppelte: 90 Punkte. Unfähiges Bildungssystem? Dass es in Deutschland besonders viele Einwanderer gibt ist laut der Studie kein unmittelbarer Grund für die deutlichen Leistungsunterschiede. So verzeichnen etwa klassische Zuwanderungsländer wie Kanada, Australien oder Neuseeland wesentlich bessere Bildungserfolge bei Migrantenkindern. Vielmehr könne vor allem eine gezielte Sprachförderung helfen. In Ländern mit klar strukturierten Förderungsprogrammen hätten Migrantenkinder einen geringeren Leistungsrückstand. Denn der Leistungsabstand zwischen Migrantenkindern und gleichaltrigen Einheimischen ist laut der Studie besonders extrem, wenn in der Ausländerfamilie nicht Deutsch gesprochen wird. Im Schuljahr 2005/2006 haben sich Klassen und Kurse von sieben Bremer Schulen zusammengeschlossen, um durch forschendes Lernen die verschiedenen Aspekte der Armut zu untersuchen. Knapp 200 Schülerinnen und Schüler sowie acht Lehrkräfte haben sich mit dem 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung auseinandergesetzt, die Sozialhilfestatistik in Bremen bearbeitet und die Regelsätze des Arbeitslosengeldes II untersucht. Sie haben in einem Bremer Schulforum zur Kinderarmut mit Expertinnen und Experten vom Kinderschutzbund und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, von Arbeitnehmerkammer und DGB, vom Bildungssenator und der Universität Bremen diskutiert. Die Lernenden des SZ Rübenkamp konzentrierten sich auf das Thema Bildung und Armut und haben sowohl einen PISA-Experten des Bildungssenators, als auch Besucher der "Bremer Tafel" befragt. Die Schülerinnen und Schüler des SZ Walle haben sich mit verschiedenen Armutsbegriffen beschäftigt und das "Lohnabstandsgebot" untersucht. Die Lernenden der Oberstufe der Gesamtschulen haben die Bürgerschaftsdebatten zum Thema nachgelesen und sich mit folgender Frage beschäftigt: "Arbeiten und trotzdem arm?" Die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule West haben untersucht, was ihre Mitschüler unter Armut verstehen und entsprechende Fragebögen entwickelt und ausgewertet. Die Hauswirtschaftsklassen des SZ Neustadt haben versucht, eine gesunde Ernährung mit geringsten Mitteln zu sichern und entsprechende Menüpläne entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler des SZ Alwin-Lonke-Straße haben sich mit den Regelsätzen für Kleidung bei ALG II beschäftigt und ihre Erfahrungen in einer Ausstellung umgesetzt. Die Lernenden des SZ Walliser Straße haben verschiedene Gütergruppen aus den Regelsätzen des ALG II durch Preiserhebungen daraufhin überprüft, inwieweit die Geldmittel für einen 13-Jährigen ausreichend sind, um keine Ausgrenzung zu erfahren. Diese Ergebnisse sind in der folgenden PDF-Datei dokumentiert. Die Schülerinnen und Schüler haben in zwei Diskussionsrunden öffentlich mit Bremer Politikerinnen und Politikern diskutiert. Die Nacht der Jugend war ein Anlass, auf den die beteiligten Schulen ganzjährig mit Projekten hingearbeitet haben. Sie kooperierten im Rahmen des Modellversuchs "Demokratie lernen und leben", der von der Bund-Länder-Kommission aufgelegt worden ist. Dieser soll dazu beitragen, Demokratie und Politik für Lernende besser erfahrbar werden zu lassen und mit ihrem Leben und ihren Interessen zu verknüpfen. blk-demokratie.de Auf der Seite des BLK-Programms "Demokratie lernen und leben" finden Sie eine Dokumentation des Schulprojektes aus Bremen. Recherchieren Die Schülerinnen und Schüler des Projekts haben sich zunächst ihr Vorverständnis von Armut in unserer Gesellschaft bewusst gemacht. Sie haben sich mit den gesellschaftlich herrschenden Armutsbegriffen und mit deren Operationalisierung im 2. Armutsbericht der Bundesregierung vertraut gemacht. Die Lernenden haben anhand der vorliegenden Zahlen untersucht, ob es gestattet ist, Empfängerinnen und Empfänger von Sozialhilfe und ALG II als arm zu bezeichnen. Anschließend haben sie Einschätzungen abgegeben und sich mit den Vorderungen der Verbandsvertreter auseinandergesetzt. Diskutieren Die Lernenden haben wiederholt ihre Arbeitsergebnisse mit den wichtigsten Politikerinnen und Politikern in Bremen diskutiert. Dabei haben sie politisch geschickt mit Bildern gearbeitet. In vielen der diskutierten Fragen waren sie dabei absolut auf Augenhöhe mit den Politikern, in vielen Fragen sogar deutlich besser informiert. Sie wurden dabei von verschiedenen Seiten teils heftig attackiert, haben aber Angriffe in den meisten Fällen souverän zurückgewiesen. Im Umgang mit den Medien lernten die Schülerinnen und Schüler einerseits selbst mit starken, bildhaften Argumenten zu operieren, andererseits das Interesse mancher Medien abzublocken, die in ihre Privatsphäre eindringen wollten. Einmischen Mit einem Brief an alle Bremer Lehrkräfte haben sie selbst die Initiative ergriffen, um für die betroffenen Kinder etwas positiv zu verändern. Sie wollten diese Diskussion nicht nur in die Kollegien der Schulen tragen, sie haben mit dem Appell vor allem versucht, über mehr Klassenfahrten ein zusätzliches Bildungsangebot für arme Kinder anzuregen. Die Schülerinnen und Schüler konnten erfahren, dass sie auch in politischen Fragen "richtig etwas bewegen können". Die am Projket beteiligten Schülerinnen und Schüler haben in den Diskussionen vor allem zwei politische Forderungen erhoben: Eine Anhebung der Hartz IV- Regelsätze für Kinder und die Erstellung eines Bremer Armuts- und Reichtumsberichtes. Sie haben dabei folgende Erfolge erzielt: Die Bürgerschaftsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat die Ausstellung der Schülerinnen und Schüler unverändert als Broschüre gedruckt und veröffentlicht. Bei der Vorstellung dieser Broschüre wurde von der Fraktionssprecherin erstmalig die Anhebung des Regelsatzes für Kinder gefordert. Die CDU- Bürgerschaftsfraktion hat in einer großen Anfrage an den Senat Fragen aufgeworfen, an denen das Schulprojekt gearbeitet hat. In der anschließenden Debatte im Landtag wurde auf die Ergebnisse des Projekts direkt Bezug genommen. Der SPD-Ortsverein im Bereich des SZ Walliser Straße hat die Schülerinnen und Schüler zu einem Vortrag ihrer Ergebnisse eingeladen und unmittelbar im Anschluss daran die Forderung nach einem Bremer Armuts- und Reichtumsbericht gestellt. Diese Forderung wurde auf dem Landesparteitag der SPD von diesem Ortsverein eingebracht und einstimmig beschlossen.

  • Politik / WiSo / SoWi / Wirtschaft
  • Sekundarstufe I, Sekundarstufe II
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