Redaktion lo-recht
31.10.2014

CD-Kopien für den Unterricht? - Fall des Monats 11/2014

Ist es erlaubt, Schul-CDs für den Unterricht in MP3-Dateien umzuwandeln? Dieser Frage gehen unsere juristischen Experten in diesem Monat nach. Ausnahmsweise einmal ohne Verbindung zu einem bereits gefällten Urteil.
 

Smartphones und Tablets sind für Lehrkräfte im Unterricht durchaus praktisch. Audio-CDs, die etwa zum Lehrbuch passen, lassen sich relativ einfach digitalisieren. Somit müsste ein Lehrer keine CD-Player mehr ins Klassenzimmer schleppen und könnte mit dem Smartphone und einem Lautsprecher die MP3-Dateien bequem vorführen. Sofern eine Original-CD ja angeschafft ist, sei es ja egal, ob im Unterricht eine digitale Kopie oder die CD selbst abgespielt würde - könnte man meinen.

Genau das ist es aber nicht, weiß Rechtsanwältin Jetta Kasper: "Eine digitale Kopie einer CD ist für die Verwendung im Unterricht nicht erlaubt", warnt die Rechtsanwältin. Dabei ist es unerheblich, ob die Lehrkraft die Original-CD besitzt und somit etwa eine parallele Verwendung eines Kollegen ausschließen kann. Im Unterricht darf daher nur die CD selbst vorgeführt werden.

 

Juristische Basis im Fall des Monats November 2014

Die Lehrkraft kann sich nicht auf das Recht der Privatkopie (§ 53 UrhG) berufen. Denn dieses besagt lediglich, dass eine natürliche Person ein Werk zum privaten Gebrauch kopieren darf. "Jeder darf eine Original-CD kopieren, um die Dateien etwa auf seinem MP3-Player abzuspielen", erklärt Kasper. Gehört die CD aber der Schule, dürfte sie schon allein deswegen nicht kopiert werden, weil es sich bei der Schule als öffentlich-rechtliche Einrichtung um eine juristische Person handelt.

Auch wenn "der Lehrer" als natürliche Person das Unterrichtsmaterial selbst angeschafft hat, dürfte er es allenfalls zum Privatgebrauch kopieren - also nicht in seiner Funktion als Lehrer. Verwenden dürfte er die Kopie daher im Unterricht nicht.

Eine Privatkopie darf im persönlichen Umfeld verbreitet werden. "So kann der Lehrer die eigens angeschaffte CD etwa für einen befreundeten Kollegen kopieren. Weder er noch der Kollege aber dürfen die Kopie im Unterricht vorführen", so die Anwältin. Der Lehrer müsste dem Kollegen dafür schon das Original leihen.

Möchten also Lehrer Unterrichtsmaterial digital nutzen, muss es im entsprechenden Format auch angeschafft werden. Im Falle der Schul-CD müsste der Verlag diese also auch als MP3- oder sonstige Audiodateien anbieten, damit ein Lehrer sie per Smartphone oder Tablet im Unterricht verwenden könnte. Es kommt stets auf die Lizenz an: Der Verlag müsste schon ausdrücklich erlauben, dass die Audio-CDs für die Verwendung im Unterricht digitalisiert werden dürfen.

Der Fall des Monats

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