Die kreative Medienarbeit mit Videopodcasts im Biologieunterricht stellt nicht nur hohe Anforderungen an die Auseinandersetzung mit dem Thema - Grundlage für das eigene Podcast-Drehbuch -, sondern fordert und fördert auch Absprachen und die Disziplin innerhalb einer Gruppe. Ein Schülerkommentar drückt manchmal mehr aus als jedes theoretische Konzept: "Wir haben uns beim Erstellen der Videopodcasts so intensiv mit den Themen beschäftigt - wenn diese in der Abiprüfung dran kommen, dann läuft vor unseren Augen der Film ab! Lernen müssen wir für diese Themen nicht mehr."
Unabhängig von Zeit & Ort nutzbarMittlerweile hat schon jeder von ihnen gehört: Podcasts sind Audio- oder Videobeiträge, die über das Internet veröffentlicht und auf den heimischen Computer heruntergeladen werden können, um sie dann zum passenden Zeitpunkt zu konsumieren. Eine Übertragung der Dateien auf digitale Endgeräte wie Handy oder MP3/4-Player ermöglicht sogar den örtlich unabhängigen Konsum, so dass selbst eine langweilige S-Bahn-Fahrt zur Bildungsreise werden kann. Podcasts werden von Medienanstalten, Institutionen (zum Beispiel TV-Sender) oder auch von Privatpersonen zu unterschiedlichsten Fachbereichen und Themen bereitgestellt.
Bereicherung des Materialfundus für den UnterrichtPodcasts stellen eine wertvolle Bereicherung des Materialfundus für den Fachunterricht dar. Kopierkosten entfallen - die Daten sind ja digital abrufbar. In dieser Form auf bestehende Podcasts zurückzugreifen und sie in den Unterricht zu integrieren, ist der rezeptive Weg - das Konsumieren.
Ergebnissicherung und Öffnung von SchuleEine besondere Chance bietet sich im Zuge des produktiven Einsatzes im Unterricht, also dem Erstellen und Veröffentlichen eigener Audio- und Videopodcasts zu speziellen Fachinhalten, da hier die Eingangskanäle Hören und Sehen durch das eigene Handeln bereichert werden. Durch die Veröffentlichung im Internet wirkt das Produkt nicht nur im eigenen Klassenzimmer oder verschwindet in der Schublade, sondern ist weltweit jederzeit für interessierte Personen verfügbar und kommentierbar. Dies öffnet den Lernort Schule und macht Arbeitsergebnisse transparent.
Kreative Darstellung biologischer InhalteIm Rahmen eines "Abiturvorbereitungswochendes" verbrachten die Schülerinnen und Schüler des Heisenberg Gymnasium Leverkusen einen Teil der Karnevalstage 2007 in der Tagungsstätte Bergneustadt, um sich in thematischen Fachgruppen inhaltlich auf die bevorstehende Prüfung vorzubereiten. Ein Tag war der kreativen Umsetzung biologischer Inhalte und der Produktion von Videopodcasts gewidmet.
Gruppenbildung, Absprache der Themen und der InszenierungIm Rahmen des erwähnten Abiturvorbereitungswochendes haben sich vier Arbeitsgruppen mit abiturrelevanten Themen beschäftigt, die ökologische, evolutionsbiologische und molekulargenetische Schwerpunktsetzungen beinhalteten. Nach der Absprache des Themas galt es, den Lerninhalt szenisch kreativ unter Wahrung der fachlichen Korrektheit umzusetzen. Neben dem fachinhaltlichen Klärungsbedarf stand die Inszenierung im Blickpunkt der Schülerinnen und Schüler: Wer übernimmt welche Rolle? Welche Hilfsmittel stehen zur Verfügung? Wie lassen sich abstrakte Konzepte und komplexe Arbeitstechniken allgemeinverständlich visualisieren?
Aufzeichnung der Rollenspiele "in einem Rutsch"Nach einer Probenzeit wurden die Rollenspiele mit einer einfachen digitalen Fotokamera mit Videofunktion und Ton aufgezeichnet. Technische Kenntnisse zur Benutzung einer Kamera sind seitens der Schülerinnen und Schüler meist vorhanden, da laut der Basisstudie JIM des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zum Umgang von 12- bis 19-Jährigen mit Medien und Information 88 Prozent aller befragten Familien eine Digitalkamera und etwa 40 Prozent der Jugendlichen ein eigenes Gerät besitzen. Wichtig war, dass die Aufnahmen möglichst in "einem Rutsch" aufgezeichnet wurden. Nachtägliche Schnitte waren daher kaum nötig. Dies stellt eine hohe Anforderung und Leistung dar, wenn zum Beispiel der fachlich sehr anspruchsvolle Vorgang der DNA-DNA-Hybridisierung visualisiert werden soll. Grundlagen dafür waren eine ausführliche fachinhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema sowie genaue Absprachen zur Durchführung und Disziplin innerhalb der Gruppe.
Filmen mit dem FotoapparatDigitale Fotoapparate sind längst nicht mehr auf "Still-Bilder" beschränkt. Mit den meisten Geräten lassen sich auch Videos mit Ton aufnehmen (Abb. 1). Mit den mitgelieferten Kabeln ist es sogar möglich die Kamera an einen Fernseher oder Beamer anzuschließen und die Bilder oder Videos zum Beispiel im Klassenraum direkt nach der Aufnahme zu projizieren. Digitale Fotokameras sind bereits für 100 €, Speichermedien wie eine SD-Card mit zwei GB Kapazität (etwa 25 Minuten Videoaufnahme bei 640 mal 480 Pixeln) für 10-15 € erhältlich. Je nach Hersteller und Fabrikat variieren Qualität und Aufnahmelängen der Sequenzen.
Bearbeitung und VeröffentlichungDie Videodateien wurden anschließend von der digitalen Fotokamera auf einen Laptop (Apple Powerbook) übertragen und in eine Videobearbeitung überführt. Mit den kostenlosen Bordmitteln des Betriebssystems der Firma Apple IMovie (bei Windows ist das der XP-MovieMaker) wurde eine Weiterverarbeitung vorgenommen (Einfügen von Vor- und Abspann, Untertitelung, Musikeinspielung). Eine Veröffentlichung erfolgte über die Plattform podhost.de (siehe Internetadressen).
Karsten Schillies engagiert sich im Rahmen der Kompetenzteams NRW (Düsseldorf/Mettmann) und unterrichtet an der Hardenbergschule Velbert-Neviges. Über die Podcast-Aktivitäten der Schule können Sie sich auf der Website Hardenberg-Podcast informieren.
Birgit Krämer unterrichtet am Werner Heisenberg Gymnasium Leverkusen.