Wiki (nicht nur) im Fremdsprachenunterricht

Veröffentlicht am 08.09.2005

In großen Klassenverbänden mit spürbarem Leistungsgefälle möchten Sie Unterricht mit individueller Differenzierung und sozialen Arbeitsformen organisieren – und das Ganze sogar mit modernen Medien? Die Arbeit mit einem Wiki ist unter diesen Voraussetzungen einen Versuch wert.

Wünsche

Möchte man die Wünsche formulieren, die man an eine Arbeitsplattform für den erfolgreichen Unterricht stellt, kann man sich eine Umgebung vorstellen,

  • auf der für die jeweilige Unterrichtssequenz relevantes Unterrichtsmaterial und Aufgabenstellungen zur Verfügung gestellt werden können.
  • auf der Schülerinnen und Schüler dann phasenweise selbstbestimmt (einzeln oder in Kleingruppen) arbeiten können.
  • auf der die entstandenen Schülermaterialen für alle zugänglich gemacht werden können.
  • auf der diese Produkte dann diskutiert, editiert und für den weiteren Unterrichtsverlauf weitergenutzt werden können.

Ideal wäre es, wenn die technisch-organisatorischen Hürden dieser Arbeitsplattform vernachlässigbar wären und das "Format" der Arbeitsplattform auch in der Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler schon etabliert wäre - zumindest ansatzweise.

Lösung: Wiki

Eine mögliche Antwort auf dieses Anforderungsprofil heißt Wiki. Wiki (von hawaiianisch wikiwiki = schnell) heißen solche Programme, die einfachen Content Management Systemen vergleichbar sind und deren per Hypertext verknüpfte Inhalte schnell und einfach online editiert werden können. In der Regel ist der Zugriff auf die Editierfunktionen öffentlich. Eine Versionsverwaltung erlaubt es, Editierschritte nachzuvollziehen und eventuell rückgängig zu machen.

  • Technisches
    Weitere Informationen zu technischen Fragen rund um Wikis finden Sie hier.
  • Unterrichtliches
    Anregungen und Praxisbeispiele, wie Wikis den Unterricht konkret bereichern können, liefert diese Seite.

Wiki kann lebenslanges Lernen begleiten

Ganz nebenbei kann sich ein Wiki zu einer auch außerhalb des Unterrichts gern genutzen Dokumentationsplattform ausweiten. Schülerinnen und Schüler können, durch einen kleinen Impuls motiviert, aus einem Wiki ein "Lerntagebuch", "Wissensdossier" oder ein "Bildungsportfolio" erwachsen lassen, in dem sie sukzessive alle ihre Lernstationen dokmentieren. Dieses "Bildungswiki" begleitet sie dann ein "Lernendes Leben lang".

Schlussworte

Fazit

Ein Wiki kann ganz offensichtlich eine vorzügliche Arbeitsumgebung für selbstbestimmte, aber auch kooperative Lernprozesse abgeben. Die weitgehend intuitive Bedienbarkeit senkt Hemmschwellen. Lernmaterialien können recht einfach bereitgestellt werden, Schülerinnen und Schüler können selbst Material sammeln und eigene Arbeitsprodukte veröffentlichen, dies kann in unterschiedlichen Sozialformen geschehen. Die so entstandenen Seiten können miteinander und mit externen Ressourcen verlinkt werden und so eine vernetzte Wissensbasis bilden. Besonders beachtenswert sind die Möglichkeit zur kameradschaftlichen Diskussion und zur kritischen Optimierung der Arbeitsergebnisse sowie die Editierbarkeit der veröffentlichten Materialien.

Blick über den Tellerrand

Besonders in Österreich, aber auch in der Schweiz hat sich Wiki zum Teil als alltägliche Arbeitsplattform ganzer Schulen etabliert. Ein gutes Beispiel ist die berufliche Schule HTL Dornbirn, an der sehr intensiv mit Wiki gearbeitet wird. Wikis können so ein erster Einstieg in andere Formen der computergestützten Unterrichtsarbeit und des Blended Learning sein.


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Avatar Uwe Klemm

ist Lehrer für Deutsch und Englisch am Angergymnasium Jena, gleichzeitig medienpädagogischer Fachberater.

Er interessiert sich für den Einsatz von Medien im Unterricht (vor allem in den Sprachen), für die Filmarbeit und kooperative netzgestützte Arbeitsformen (wie Wiki und die Plattform Moodle).

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