Ungeeignet? Kinder vor problematischen Communities schützen

veröffentlicht am 08.08.2014

Jugendliche sind von Online-Gemeinschaften fasziniert. Doch nicht alle sind geeignet. "SCHAU HIN!" erklärt, woran Eltern diese erkennen und wie sie entsprechende Inhalte melden können.

Gruppen und Foren bieten Jugendlichen die Möglichkeit, sich untereinander zu bestimmten Themen auszutauschen und dabei andere mit gleichen Interessen kennenzulernen. Sie geben ihnen ein Gefühl von Gemeinschaft und Vertrautheit. Doch können in manchen Communities problematische Inhalte wie Gewalt und Pornografie kursieren oder Personen für extreme politische Positionen oder ein ungesundes Körperverhalten werben. Schwierig ist, dass die meisten Communities nicht öffentlich und nicht moderiert sind. So können gerade unsichere Jugendliche für bestimmte Positionen vereinnahmt werden und unter sozialen Druck geraten.

Tipps von SCHAU HIN!

Über Aktivitäten im Netz sprechen und Selbstvertrauen stärken

"Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder aktiv im Netz begleiten, Bescheid wissen, wo sich ihr Kind mit wem austauscht und welche Themen gerade angesagt sind sowie bei Problemen ein offenes Ohr haben", rät Susanne Rieschel, Sprecherin von "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht", dem Medienratgeber für Familien. So können Eltern möglichst früh entgegenwirken, wenn ihr Kind in ein ungeeignetes Umfeld im Netz gerät. Stärken Eltern das Selbstvertrauen des Kindes, kann es sich leichter von gefährdenden Inhalten und Personen distanzieren. Generell ist es ratsam, dass Eltern ihrem jugendlichen Kind empfehlen, Websites, Gruppen und Foren sowie Profile, Seiten und Freundschaftsanfragen in sozialen Netzwerken genau zu prüfen.

Essstörungen als Lifestyle

Kritische Communities sind etwa solche, die Essstörungen als Lifestyle verherrlichen. Diese sind gerade bei Jugendlichen in der Pubertät weit verbreitet, die einem krankhaften Schlankheitsideal nacheifern, das ihnen auch durch die Medien und die Modewelt vorgelebt wird. Was viele Gruppen und Foren verharmlosend als "Pro-Ana" und "Pro-Mia" bezeichnen, sind Krankheiten wie Anorexia nervosa (Magersucht) und Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht). Bestimmte Inhalte sind besonders bedenklich: So kursieren fiktive Briefe, die die Essstörung als einzig wahre Freundin personifizieren ("Ana's/Mia's Brief"), predigen Gebote, Psalme und Gedichte Verhaltensanleitungen, dienen Fotos und Videos dünner, ausgemergelter Frauen zur Inspiration ("Thinspirations", von engl. "thin", dünn) und geben Seiten Tipps zum Abnehmen und zur Geheimhaltung der Essstörung sowie Motivation und "Hilfe" in Form von Ess-/Gewichtstagebüchern oder Abnehm-Wettbewerben ("Contests"). Lebensbedrohliche Folgen werden oft ausgeklammert oder gar gebilligt. Gerade Jugendliche, die bereits Anzeichen eines essgestörten Verhaltens zeigen oder auf der Suche nach Hilfsangeboten sind, können leicht auf solch problematische Seiten stoßen statt ernsthafter Beratung zu finden.

Achtsam sein, Inhalte melden und aktiv werden

Erfahren Eltern, dass ihr Kind mit ungeeigneten Beiträgen oder Personen konfrontiert wurde, die problematische Positionen vertreten, sollten sie sich diese zeigen lassen und direkt beim Betreiber oder bei Beschwerdestellen melden. Hierzu zählen Angebote wie www.jugendschutz.net, www.internet-beschwerdestelle.de oder das Zentrum für Kinderschutz im Netz (www.i-kiz.de). Als Beweise dienen Screenshots sowie Notizen zu Datum, Uhrzeit, Nickname oder Impressum.

Beratung und Aufklärung

Weitere Beratung und Aufklärung bieten seriöse Portale wie www.hungrig-online.de. Hier können sich Betroffene und Angehörige anonym über Essstörungen austauschen und nach Hilfe suchen; etwa in moderierten Mailinglisten, einem Chat und einem Diskussionsforum. Weitere Angebote sind www.anad.de, eine Beratungsstelle, die auch ambulante Gesprächsgruppen bietet und an therapeutische Einrichtungen vermittelt, www.magersucht.de, www.EssFrust.de oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter www.bzga-essstoerungen.de. Weitere Informationen zum Thema bietet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Ratgeber "Gegen Verherrlichung von Essstörungen im Internet".


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