Studie: Lese- und Rechtschreibstörung

veröffentlicht am 21.10.2014

Eine Studie des Forschungszentrums IDeA zeigt: Kinder mit einer Lesestörung weisen andere Defizite im Arbeitsgedächtnis auf als Kinder mit einer Rechtschreibstörung.

Lange wurde die Lese-Rechtschreibstörung (auch Legasthenie genannt) als zusammenhängendes Störungsbild angesehen. Eine Studie im Rahmen des Forschungszentrums IDeA (Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk) zeigt nun: Kinder mit einer Lesestörung weisen andere Defizite im Arbeitsgedächtnis auf als Kinder mit einer Rechtschreibstörung. Die Lernschwierigkeiten im Bereich des Lesens und des Schreibens müssen daher deutlicher als bisher als verschiedene Störungen betrachtet werden - und nicht als Varianten derselben Lernstörung.

Die Studie

Die Unterschiede zwischen Lese- und Rechtschreibstörung

Das Arbeitsgedächtnis ist im Gehirn für das kurzfristige Speichern und Verarbeiten von Informationen zuständig und gilt in der modernen Forschung als maßgeblich für das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen. Die für die Studie mitverantwortliche Wissenschaftlerin Janin Brandenburg erläutert die neuen Befunde: "Kinder mit einer Lesestörung zeigen primär Defizite in der zentralen Exekutive. Das ist das Teilsystem des Arbeitsgedächtnisses, das die Koordination verschiedener Tätigkeiten gleichzeitig und den Abruf von Informationen aus dem Langzeitgedächtnis steuert." Brandenburg weiter: "Kinder mit einer Rechtschreibstörung haben demgegenüber deutlicher Probleme in der Phonologischen Schleife, dem Bereich des Arbeitsgedächtnisses, der für die Verarbeitung sprachlicher Informationen verantwortlich ist."

Die Untersuchung

Die Studie basiert auf mehrjährigen Untersuchungen von insgesamt 465 Kindern. 365 von diesen Kindern weisen unterschiedliche Lernschwächen und -störungen auf, während die übrigen 100 keinerlei Lernschwierigkeiten zeigen und als Kontrollgruppe dienen. Die Forscherinnen und Forscher testen seit 2011 regelmäßig die kognitiven Funktionen der Kinder und erheben ihren Lernstand. Zu Beginn der Untersuchungen waren die Schulkinder in der zweiten Klasse, jetzt kommen sie in die fünfte.

Gesonderte Fördermaßnahmen nötig

Die nun veröffentlichten Forschungsergebnisse bringen verschiedene Implikationen mit sich. "Es erscheint erforderlich, offizielle Kriterien zur Diagnose von Lernstörungen zu ergänzen und zu spezifizieren", so Brandenburg. Die Weltgesundheitsorganisation führt die Lese-Rechtschreibstörung etwa noch als zusammenhängendes Störungsbild. Zugleich gilt es, gesonderte Fördermaßnahmen für die einzelnen Störungsbilder zu entwickeln, die isoliert und in Kombination auftreten können.

Hintergrund

Die Untersuchungen wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und durch IDeA-Mittel gefördert. IDeA erforscht individuelle Entwicklungsprozesse bei Kindern in den ersten zwölf Lebensjahren und überprüft Ansätze zur individuellen Lernförderung auf ihre Wirksamkeit. Das Forschungszentrum wurde im Rahmen der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), der Goethe-Universität Frankfurt und dem Sigmund-Freud-Institut gegründet. Die Koordination liegt beim DIPF.


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