Insekt des Jahres 2016: Der Dunkelbraune Kugelspringer

veröffentlicht am 11.12.2015

Der Dunkelbraune Kugelspringer aus der Gruppe der Springschwänze wurde in der Bundesgeschäftsstelle des NABU zum Insekt des Jahres 2016 gekürt.

Das Kuratorium, zu dem auch Professor Dr. Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg gehört, prämierte das winzige Insekt, weil es wesentlich zur Bodenfruchtbarkeit und Humusbildung beiträgt und hilft, das Schutzgut "Boden" zu erhalten. Bis zu 200.000 Springschwänze können sich in einem Quadratmeter Boden befinden - einer von ihnen ist auch der Dunkelbraune Kugelspringer (Allacma fusca). Der gerade mal vier Millimeter große, im Boden lebende Sechsbeiner wurde zum "Insekt des Jahres 2016" gewählt. "Böden sind für uns eine unverzichtbare Lebensgrundlage. Insekten sind maßgeblich an der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit beteiligt. Das diesjährige Insekt des Jahres, der Dunkelbraune Kugelspringer, steht somit stellvertretend für diese große Gruppe von Organismen", begründet Professor Dr. Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg und Mitglied des Auswahl-Kuratoriums die Entscheidung.

Über das Insekt des Jahres 2016

Hilfe für fruchtbare Böden

Das ausgezeichnete Insekt ernährt sich von pflanzlichen und tierischen Zerfallsstoffen und trägt so zur Humusbildung im Boden bei - das Resultat sind fruchtbare Böden. "Der Dunkelbraune Kugelspringer ist wirklich klein und sieht etwas unscheinbar aus, aber wenn man sich mit seinem Verhalten genauer beschäftigt, so dringt man in eine fremde und faszinierende Welt ein", erläutert Schmitt. Die kleinen Insekten besitzen beispielsweise am hinteren Segment ihres Körpers ein Sprungorgan, das wegen seines gabelförmigen Aussehens als "Furca" bezeichnet wird. Fühlen sich die Tiere gestört, schnellt die Furca nach hinten und katapultiert den Kugelspringer in einem Salto - je nach Körperschwerpunkt - nach vorne oder hinten. Der Sprung kann mehrmals hintereinander ausgeführt werden; die Sprungweite beträgt das Mehrfache der Körperlänge.

 

Über ihr "Liebesleben"

Auch das Liebesleben der kleinen Krabbler ist ungewöhnlich: Das wesentlich kleinere Männchen von Allacma fusca legt eine oder mehrere Spermienhaufen - Spermatophoren - ab, welches das Weibchen dann alleine aufnimmt. Häufig werden dabei die Spermatophoren dicht nebeneinander gelegt und bilden kleine Zäune - kommt kein Weibchen vorbei werden die Spermien nach einer Wartezeit von acht bis zehn Stunden vom Männchen wieder gefressen.

In Europa weit verbreitet

Der Dunkelbraune Kugelspringer ist in Europa weit verbreitet, insbesondere in feuchten Wäldern und in der Streuschicht von Gebüschen oder Totholz findet man die flugunfähigen Sechsbeiner. Nachweise der Art gibt es aber auch aus Mooren, Höhlen, Wiesen, Dünen sowie Nestern von Kleinsäugern. "Das genaue Verbreitungsgebiet ist noch nicht bekannt", ergänzt Schmitt und fährt fort: "Obwohl Springschwänze, zu denen auch der Dunkelbraune Kugelspringer gehört, von hoher Bedeutung für Ökosystemdienstleistungen sind, ist vieles von ihnen noch nicht bekannt. Zudem gibt es kaum mehr Spezialisten, welche die über 8.000 Arten überhaupt noch unterscheiden können. Hier zeigt sich ganz deutlich, dass wir mehr, und nicht weniger Taxonomen brauchen. Nur wenn wir unsere Umwelt mit ihren Arten kennen, können wir sie erhalten und auch unsere eigenen Lebensgrundlagen schützen!"

Hintergrund

Das "Insekt des Jahres wird seit 1999 ausgerufen. Die Idee hierzu stammte vom Professor Dr. Holger Dathe, damaliger Leiter des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg. Ein Kuratorium, dem namhafte Insektenkundlerinnen und Vertreter wissenschaftlicher Gesellschaften und Einrichtungen angehören, wählt jedes Jahr aus zahlreichen Vorschlägen ein Insekt aus.


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