Hausaufgaben-Studie: Die Motivation ist entscheidend

veröffentlicht am 15.09.2015

Tübinger Bildungsforscherinnen und -forscher identifizieren fünf Hausaufgabentypen und zeigen Strategien zur Förderung schwächerer Lerner auf.

Ob Schülerinnen und Schüler bei ihren Hausaufgaben erfolgreich lernen, hängt nicht unbedingt von der aufgebrachten Zeit ab, sondern vielmehr damit zusammen, mit wie viel Sorgfalt und Anstrengung sie bei der Sache sind. In ihrer Studie untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung das Hausaufgabenverhalten von knapp 2.000 Achtklässlerinnen beziehungsweise Achtklässlern im Fach Französisch. Dabei betrachteten sie die mit den Hausaufgaben verbrachte Zeit in Verbindung mit Sorgfalt/Anstrengung und der letztendlichen Leistung der Schülerinnen und Schüler. Die Ergebnisse wurden nun in der internationalen Fachzeitschrift "Learning and Instruction" veröffentlicht.

Die Studie

Hausaufgabentypen

Den Bildungsforscherinnen und -forschern gelang es, fünf unterschiedliche Hausaufgabentypen zu identifizieren: die fleißigen Schnellen, die Hochengagierten, die Durchschnittsschüler, die sich abmühenden Lerner und die Minimalisten. Die Wissenschaftler konnten außerdem zeigen, dass diese Typen über einen längeren Zeitraum stabil bleiben.

 

Ob lange Hausaufgabenzeiten zu einer höheren Leistung führen, hängt davon ab, zu welchem Hausaufgabentyp eine Schülerin beziehungsweise ein Schüler gehört. So benötigen die sich abmühenden Lerner meist lange für ihre Aufgaben und erzielen dennoch keine guten Ergebnisse. Eine Annahme, die viele Wissenschaftlerinnen und Praktiker für selbstverständlich hielten, ist damit widerlegt: Ein hoher Zeitaufwand bei den Hausaufgaben wirkt sich nicht automatisch positiv auf die Leistung aus. Ob lange Bearbeitungszeiten ein Zeichen für Fleiß sind oder von Eltern als Alarmsignal gesehen werden sollten, hängt vielmehr stark vom Arbeitsstil des Kindes ab.

Fördermaßnahmen

Ziel von Fördermaßnahmen sollte den Ergebnissen der Studie zufolge sein, Schülerinnen und Schüler in die "Fleißig aber schnell" Kategorie zu bringen. Dies gilt vor allem für die sich abmühenden Lerner, die unter den in der Studie identifizierten Hausaufgabentypen eine Risikogruppe darstellen.

 

Wie kann man dieses Ziel erreichen? "Der nächste Schritt in der Hausaufgabenforschung sollte es sein, an Maßnahmen zu arbeiten, die Kindern helfen, ihre Hausaufgaben effizient zu bewältigen", so Barbara Flunger, Erstautorin der Studie. Strategien für die Förderung schwächerer Lerner könnten zum Beispiel Maßnahmen sein, die den Schülerinnen und Schülern verdeutlichen, wie wichtig Hausaufgaben tatsächlich sind. Verschiedene wissenschaftliche Studien konnten bereits belegen, dass Motivation und Anstrengungsbereitschaft durch solche Maßnahmen nachhaltig gesteigert werden können. Eine weitere Fragestellung für künftige Studien sei außerdem herauszufinden, wie sich zum Beispiel die elterliche Hausaufgabenhilfe auf das Hausaufgabenverhalten auswirkt.

 

"Mit ihrem Fokus auf die Hausaufgabenzeiten ging die Forschung zu Hausaufgaben die letzten Jahrzehnte in die falsche Richtung", sagt Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung. "Entscheidend für gute Leistung sind bei der Hausaufgabenbearbeitung die Motivation und Selbstregulation und weniger die Zeit, die Schülerinnen und Schüler auf dem Hosenboden sitzend verbringen."


Kommentare zu dieser News

Keine Kommentare gefunden!

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.


ANZEIGE

Die neuesten News