Redaktion / PM
24.01.2012

Nötigung im Netz: Studie zu Cyber-Mobbing an Schulen

Angst, Schlafstörungen oder gar Selbstmord: Cyber-Mobbing ist ein ernstes Thema. An mehreren Dutzend Stuttgarter Schulen wird ein Forscherteam der Universität Hohenheim deshalb drei Jahre lang anonyme Befragungen durchführen.
 

Die Ergebnisse sollen langfristig dazu dienen, effektive Strategien im Kampf gegen Cyber-Mobbing für die Schul- und Jugendarbeit zu entwickeln. Eine Vorstudie vom vergangenen Frühling hat bereits zu Tage gefördert, dass das Phänomen Cyber-Mobbing bei weitem keine Seltenheit mehr ist. Über ein Fünftel der 409 befragten Schülerinnen und Schüler an zwei Schulen im Großraum Stuttgart gaben an, schon einmal persönliche Erfahrungen mit den virtuellen Angriffen gemacht zu haben. Besonders häufig gemobbt werden dabei Mädchen sowie Schülerinnen und Schüler unterer Klassenstufen. Die Täterinnen beziehungsweise Täter sind dagegen häufig gut integrierte Kinder aus der Mitte der Klasse.

 

Soziale Netzwerke sind geheime Schüler-Welten

Klar ist auch: Das Internet ist zwar Teil des Problems, aber nicht der Grund für Cyber-Mobbing. "Mobbing-Fälle an Schulen hat es schon immer gegeben", sagt Professor Thorsten Quandt vom Lehrstuhl Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim. "Neu ist nur, dass sich das gesellschaftliche Leben mit all seinen Konflikten zunehmend in der virtuellen Welt abspielt." Fiese Zeichnungen am Schwarzen Brett oder kleine Zettel, die im Klassenzimmer die Runde machen, können aufmerksame Lehrkräfte mühelos verhindern. Aber was in sozialen Netzwerken wie SchülerVZ vor sich geht, bleibt Kindern und Jugendlichen vorbehalten. "Das sind geheime Welten, in die Lehrkräfte kaum vordringen können", sagt Quandt.

Anonyme Befragung an Stuttgarter Schulen

Einblicke sollen anonyme Befragungen an mehreren Dutzend Stuttgarter Schulen bringen. In den kommenden drei Jahren will Projektleiterin Ruth Festl gleich dreimal Klassenstruktur und Freundschaftsnetzwerke beleuchten, Persönlichkeitsprofile sowie Opfer- und Täterrollen in Erfahrung bringen. "Damit erfassen wir auch zeitliche Änderungen", begründet sie ihr Vorgehen. Pädagogin Festl und ihr interdisziplinäres Team haben ein klares Ziel vor Augen: Interventionsstrategien gegen Cyber-Mobbing für die Schul- und Jugendarbeit zu erstellen. Das Langzeitprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

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