Redaktion / PM
14.07.2010

Jüdisches Leben in Berlin: Neues Unterrichtsmaterial

Die Freie Universität Berlin hat Bildungsmaterialien für den Schulunterricht entwickelt, die das jüdische Leben in Berlin Ende der 1920er und in den 1930er Jahren zeigen, als  Berliner Jüdinnen und Juden mehr und mehr von Diskriminierung und Ausgrenzung betroffen waren. Zielgruppe sind die höheren Jahrgangsstufen.
 

Berlinerinnen und Berliner jüdischer Herkunft, ob religiös oder säkular, prägten die deutsche Hauptstadt während des Kaiserreichs und der Weimarer Republik maßgeblich. Die Liste prominenter Vertreterinnen und Vertreter wäre zu lang und willkürlich, um sie hier aufzuführen. Entsprechend groß, ja unwiderruflich erwies sich der menschliche und kulturelle Verlust, den Berlin durch die Vertreibung und die Vernichtung der Juden in der NS-Zeit erlitt. Inzwischen ist die jüdische Gemeinde wieder auf 11.000 Mitglieder angewachsen, jedoch nach wie vor antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt.

 

Juden: Akteure deutscher Geschichte

Leo-Baeck-Programm
Das Leo-Baeck-Programm "Jüdisches Leben in Deutschland - Schule und Fortbildung" hat es sich zum Ziel gesetzt, jüdische Geschichte als integralen Bestandteil der deutschen Geschichte zu vermitteln. Juden sollen damit als Akteure der Geschichte und nicht mehr ausschließlich in der Opferperspektive dargestellt werden.

Wer war Leo Baeck?
Leo Baeck (1873 - 1956) war ein bedeutender Rabbiner des liberalen Judentums. Ab 1933 leitete er die "Reichsvertretung der Deutschen Juden", deren Aufgabe von humanitärer Unterstützung, Bildungsangeboten (so auch für die aus den öffentlichen Schulen ausgeschlossenen jüdischen Schülerinnen und Schüler) bis hin zur Unterstützung bei der Vorbereitung zur Auswanderung aus Deutschland reichten. Er überlebte, schwer misshandelt, das KZ Theresienstadt und zog 1945 nach London. 1947 gründete er das später nach ihm benannte "Institut zur Erforschung des Judentums in Deutschland seit der Aufklärung". 1953 erhielt Baeck das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

History und Oral History - Jüdisches Leben in Berlin
Das vom Leo-Baeck-Programm geförderte Projekt "History und Oral History - Jüdisches Leben in Berlin" widmet sich der schulischen Vermittlung jüdischen Lebens in Berlin vor dem Holocaust. Ziel ist die integrative Vermittlung deutsch-jüdischer Geschichte. Im Zentrum stehen dabei die individuellen Lebensgeschichten der Zeitzeugen: Sie sollen Schülerinnen und Schülern einen Einblick in das jüdische Leben der zwanziger und dreißiger Jahre in Deutschland vermitteln.

Neue Bildungsmaterialien

In dem Projekt "History und Oral History - Jüdisches Leben in Berlin" haben Dr. Klaus Hermann vom Institut für Judaistik und das Visual History Archive Team des Center für Digitale Systeme (CeDiS) an der Freien Universität Berlin neue Bildungsmaterialien entwickelt.

  • Arbeitsheft
    Das 112-seitige Arbeitsheft bietet einführende Texte zum religiösen und kulturellen Leben der deutsch-jüdischen Bevölkerung.
  • DVD
    Die DVD beinhaltet ausgewählte Ausschnitte aus Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Interviews des Visual History Archive, dem weltweit größten Oral History-Archiv mit rund 52.000 Video-Interviews Überlebender des Holocaust.

Bezug

vha[at]cedis.fu-berlin.de

Zusatzinformationen

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