Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie der Sommerzeit hinterher trauern und unter der frühen Dunkelheit am Abend leiden? Von mir aus könnte das ganze Jahr Sommerzeit sein. Oder geht es Ihnen eher wie meiner Frau, die endlich wieder eine Stunde später aufstehen darf und die lieber auf die Sommerzeit verzichten würde? Das scheint eine sehr subjektive Frage zu sein. Die einen so, die anderen halt so. Aber der Scheint trügt. Da sind harte Fakten im Spiel: Die Sonne kümmert sich nämlich nicht um die Zeitumstellung und damit ist auch der Impulsgeber für unsere innere Uhr unverändert. Der Körper macht die Zeitumstellung also nicht wirklich mit. Wobei die einen das Glück haben, dass die Umstellung der Uhr ihrem Bio-Rhythmus eher entgegen kommt, die anderen aber darunter leiden. Als Eulen bezeichnet man dabei die Personen, die nachts noch aktiv sein wollen und dafür lieber spät aufstehen. Den sogenannten Lerchen geht es genau umgekehrt.
Die Folge ist ja nicht nur, dass das Aufstehen leichter oder schwerer fällt, auch die Leistungsfähigkeit jedes Menschen hängt von der Tageszeit ab. Der eine ist eher am Morgen produktiv, der anderen vielleicht am Abend. Und natürlich gibt es Abstufungen dazwischen. Im Arbeitsleben gibt es deshalb vielfach gleitende Arbeitszeiten oder sogar völlig freie Arbeitszeiten. Aber wie ist das eigentlich in der Schule?
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Frühaufsteher statistisch gesehen bessere Noten im Abitur erreichen, weil die Prüfungen morgens stattfinden. Das ist zwar sehr ungerecht, überrascht allerdings nicht. Erstaunlicher finde ich da eher die Aussage, dass es laut Biologieprofessor Till Roenneberg in Deutschland einen leichten Überschuss an Eulen gibt! Trotzdem herrscht in Deutschland immer noch die weitverbreitete Meinung vor, dass Eulen Außenseiter sind und Aufstehen etwas mit Disziplin zu tun hat, nach dem Motto "Reiß dich zusammen, dann geht das schon!"
Eigentlich kann man doch nur zu dem Schluss kommen, dass die Unterrichtszeiten flexibler gestaltet werden müssen, um Lerchen und Eulen nicht nur da abzuholen, wo sie in ihren Kompetenzen gefördert werden müssen, sondern auch dann abzuholen, wenn sie leistungsfähig sind. Utopisch? Man muss ja nicht gleich mit einer 24/7-Beschulung anfangen. Wie wäre es denn mit einer freiwilligen ersten Stunde? Diskutieren Sie mit!
Schöne GrüßeUwe RotterRedaktion "Naturwissenschaften entdecken!", Schulen ans Netz e. V.
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