Da es bisher keine aussagekräftigen Untersuchungen gibt, haben wir ein Medienkonzept zur Integration der Whiteboards erstellt, das die Bedenken aufgreifen, den möglichen Gefahren dieses "Supermediums" entgegenwirken und offensichtliche und schlummernde Potenziale dieses Mediums fördern sollte. Insbesondere den möglichen Gefahren einer stärkeren "Frontalisierung" des Unterrichts sollte begegnet werden. Dieses Konzept basiert auf fünf wichtigen Punkten:
Große Mehrheit für das WhiteboardAuf Grundlage dieses Konzepts haben sich die Gremien unserer Schule mit großer Mehrheit für die Einführung der interaktiven Whiteboards in allen Klassenräumen entschieden. Fast ein Jahr später sind die Boards tatsächlich im Schulalltag angekommen: die meisten Kolleginnen und Kollegen gehen inzwischen kompetent mit den Geräten um, viele experimentieren mit digitalen Lernarrangements, die über die Arbeit am Board weit hinausgehen, und das Interesse an speziellen Fortbildungsangeboten zum Lernen mit digitalen Medien wächst ständig.
Verbreitung erfolgreicher UnterrichtsmodelleDie ersten Unterrichtmodelle sind im Rahmen unserer Public-Private-Partnership-Vereinbarung an Pädagoginnen und Pädagogen anderer Schulen weitergegeben worden. Unsere Schülerinnen und Schüler wirken als Multiplikatoren im Unterricht; seit diesem Schuljahr erlernen sie in einem speziellen Seminar Recherche- und Präsentationstechniken, die sie praktisch in Fachprojekten erproben können. Die Bedenken haben sich dagegen bislang nicht bestätigt: Störungen sind sehr selten und die Augenbelastung offenbar in einem vertretbaren Rahmen.
Insgesamt zeichnet sich der Einsatz der interaktiven Whiteboards inzwischen durch eine bemerkenswerte Unaufgeregtheit aus, die durch nichts besser verdeutlicht werden könnte als durch die Tatsache, dass die grüne Tafel nach wie vor als einfache und stromsparende Alternative in den Klassenzimmern zur Verfügung steht; allerdings an sehr viel schlechterer Position als der "smarte" Nachfolger. Aufregend war jedoch ein Ereignis, das uns wenig später erfreute: Für unsere ganzheitliche Teamarbeit und das gelungene Medienkonzept verlieh uns Henry Tesch, der amtierende Präsident der Kultusministerkonferenz, im Mai 2009 den Intel®Schulpreis in Gold. Ein erster Platz für gelungene Schulentwicklung im Bereich des Lernens mit digitalen Medien.
Thomas Iser unterrichtet seit 2001 als Lehrer für Englisch, Geschichte und Politik-Gesellschaft-Wirtschaft am Wilhelm-Gymnasium, Hamburg. Als Medienberater war er federführend mit der Einführung und Entwicklung des Unterrichts am Whiteboard betraut.Dieser Beitrag erschien in einer ausführlichen Fassung unter dem Titel "Digitale Fenster öffnen - Wie interaktive Whiteboards Lernkultur und Unterricht einer Schule verändern können" in: LOG IN, Heft 156-158, 2009, Berlin.