Thomas Iser
06.10.2009

Bedenken gegenüber der "Supertafel"

Es wurden aber auch ernstzunehmende Bedenken, beispielsweise Folgekosten, Zeitverlust durch technische Probleme, gesundheitliche Folgen oder mehr Frontaluntericht, in Diskussionen angeführt.

Medienkonzept gegen die "Frontalisierung" des Unterrichts

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Da es bisher keine aussagekräftigen Untersuchungen gibt, haben wir ein Medienkonzept zur Integration der Whiteboards erstellt, das die Bedenken aufgreifen, den möglichen Gefahren dieses "Supermediums" entgegenwirken und offensichtliche und schlummernde Potenziale dieses Mediums fördern sollte. Insbesondere den möglichen Gefahren einer stärkeren "Frontalisierung" des Unterrichts sollte begegnet werden. Dieses Konzept basiert auf fünf wichtigen Punkten:

 
  • Verlässliche Verfügbarkeit
    Um Kolleginnen und Kollegen für die kompetente Arbeit mit digitalen Medien zu gewinnen, muss sichergestellt sein, dass die Technik langfristig und verlässlich zur Verfügung steht. Hierfür haben wir einen technischen Medienassistenten eingestellt sowie eine Gruppe verantwortlicher Lehrerinnen und Lehrer benannt, die sich gemeinsam um Wartung und Pflege der digitalen Medien kümmern.
  • Tragfähige ergänzende IT-Infrastruktur
    Die Whiteboards in den Klassenräumen sind in eine durchdachte IT-Infrastruktur (Lernplattform für Datenaustausch, Notebooks für die Arbeit in den Klassen, Digitalisierungsgeräte, Internet-PC-Arbeitsplätze für freies Arbeiten) eingebunden, die umfangreiche Möglichkeiten für das Lernen mit neuen Medien zur Verfügung stellt und so die interaktiven Whiteboards ergänzt. Individualisierende Arbeitsformen in und außerhalb des Unterrichts im Klassenraum werden so erleichtert.
  • Einbindung des Kollegiums
    Alle Lehrkräfte qualifizieren sich auf mehreren Ebenen, beispielsweise durch inner- und außerschulische Fortbildungsangebote zum kompetenten technischen und didaktisch-methodischen Umgang mit der interaktiven Tafel und anderen digitalen Lernarrangements. Dies wird als Aufgabe der Qualifizierung von der Schulleitung unterstützt.
  • Einbindung der Lernenden
    Auch die Schülerinnen und Schüler werden an das Medium in speziellen modularen Seminaren praktisch herangeführt. Ihre vergleichsweise hohe Medienkompetenz ermöglicht es, sie schon bald als Multiplikatoren für den Einsatz der Whiteboards wirken zu lassen. Dies wird zudem als ein wichtiger Beitrag zur Etablierung einer neuen Lernkultur mit einer Aufweichung der klassischen Lehrer-Schüler-Rollen verstanden.
  • Curriculare Einbindung der interaktiven Whiteboards
    Der Einsatz der Whiteboards muss zumindest an einigen Stellen im Lehrplan verankert werden, damit er nicht vom Gusto der jeweiligen Kolleginnen und Kollegen abhängt. An Stellen, wo dies sinnvoll ist, wird die interaktive Tafel als Werkzeug für den Unterricht curricular im Fachunterricht durch ein Methoden- und Mediencurriculum eingeplant.

Fazit: Gemeinsam zu ausgezeichneter Arbeit

Große Mehrheit für das Whiteboard
Auf Grundlage dieses Konzepts haben sich die Gremien unserer Schule mit großer Mehrheit für die Einführung der interaktiven Whiteboards in allen Klassenräumen entschieden. Fast ein Jahr später sind die Boards tatsächlich im Schulalltag angekommen: die meisten Kolleginnen und Kollegen gehen inzwischen kompetent mit den Geräten um, viele experimentieren mit digitalen Lernarrangements, die über die Arbeit am Board weit hinausgehen, und das Interesse an speziellen Fortbildungsangeboten zum Lernen mit digitalen Medien wächst ständig.

Verbreitung erfolgreicher Unterrichtsmodelle
Die ersten Unterrichtmodelle sind im Rahmen unserer Public-Private-Partnership-Vereinbarung an Pädagoginnen und Pädagogen anderer Schulen weitergegeben worden. Unsere Schülerinnen und Schüler wirken als Multiplikatoren im Unterricht; seit diesem Schuljahr erlernen sie in einem speziellen Seminar Recherche- und Präsentationstechniken, die sie praktisch in Fachprojekten erproben können. Die Bedenken haben sich dagegen bislang nicht bestätigt: Störungen sind sehr selten und die Augenbelastung offenbar in einem vertretbaren Rahmen.

Die Belohnung: Der Intel®Schulpreis 2009 in Gold

Insgesamt zeichnet sich der Einsatz der interaktiven Whiteboards inzwischen durch eine bemerkenswerte Unaufgeregtheit aus, die durch nichts besser verdeutlicht werden könnte als durch die Tatsache, dass die grüne Tafel nach wie vor als einfache und stromsparende Alternative in den Klassenzimmern zur Verfügung steht; allerdings an sehr viel schlechterer Position als der "smarte" Nachfolger. Aufregend war jedoch ein Ereignis, das uns wenig später erfreute: Für unsere ganzheitliche Teamarbeit und das gelungene Medienkonzept verlieh uns Henry Tesch, der amtierende Präsident der Kultusministerkonferenz, im Mai 2009 den Intel®Schulpreis in Gold. Ein erster Platz für gelungene Schulentwicklung im Bereich des Lernens mit digitalen Medien.

Informationen zum Autor

Thomas Iser unterrichtet seit 2001 als Lehrer für Englisch, Geschichte und Politik-Gesellschaft-Wirtschaft am Wilhelm-Gymnasium, Hamburg. Als Medienberater war er federführend mit der Einführung und Entwicklung des Unterrichts am Whiteboard betraut.

Dieser Beitrag erschien in einer ausführlichen Fassung unter dem Titel "Digitale Fenster öffnen - Wie interaktive Whiteboards Lernkultur und Unterricht einer Schule verändern können" in: LOG IN, Heft 156-158, 2009, Berlin.

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