Gerade interaktive Boards eröffnen für einen schülerorientierten Unterricht mit digitalen Lernressourcen ganz neue Möglichkeiten. Doch um dieses Potential im Unterricht entfalten zu können, muss eine Vielzahl von Bedingungen erfüllt sein. Neben intensiven Schulungen der Lehrerinnen und Lehrer an der jeweiligen Boardsoftware, der Entwicklung von Lernszenarien über alle Fächer und Schultypen hinweg, der Erstellung von digitalen und vor allen Dingen auch interaktiven Tafelbildern, ist eine Integration der Boards in Lernumgebungen wie beispielsweise lo-net² unabdingbar.
Denn nur so kann sicher gestellt werden, dass sowohl vorkonfektionierte Tafelbilder wie auch im Unterricht entstandene nicht nur lokal im Klassenraum, sondern auch ohne Medienbruch für weitere Lernprozesse auf den PCs, Notebooks et cetera der Schülerinnen und Schüler sowohl in der Schule als auch zu Hause zur Verfügung stehen.
Insgesamt wird die massive Einführung von interaktiven Boards sowohl den Grad der unterrichtlichen Nutzung von digitalen Medien als auch von webbasierten Lernumgebungen in den Schulen deutlich steigen lassen. Damit wird ein bisher sehr langsamer Prozess in eine Richtung beschleunigt, die ich in einigen Thesen über die nähere Zukunft des schulischen Einsatzes von digitalen Medien und Lernumgebungen am Beispiel von lo-net² etwas provokativ darstellen möchte:
Dies ist bereits heute möglich. Würden die Schulen lo-net² konsequent nutzen, könnte die "schlanke Schule" schnell Realität werden: Keine eigenen File-, Mail- oder Kommunikationsserver mehr in den Schulen und damit geringere Kosten, geringere Personalaufwendungen, mehr Sicherheit und weniger Frust. Denn längst bietet lo-net², professionell gehostet und nachhaltig gesichert, Speicherplatz, E-Mails, Websites und eine Vielzahl von weiteren Diensten den Schulen und ihren Akteuren kostenfrei an.
Noch werden dezentrale Lernumgebungen wie Moodle und zentrale Lösungen wie lo-net² unabhängig voneinander genutzt. Dabei stehen Moodle und lo-net² nicht in Konkurrenz, sondern können sich aufgrund ihres unterschiedlichen Ansatzes hervorragend ergänzen. Eine einfache Schnittstelle zur Anbindung von dezentralen Moodle-Installationen an lo-net² als Ident Provider wird hier ein erster von weiteren Schritten in diese Richtung sein.
Die Ära der lokal installierten Programme nähert sich ihrem Ende. Längst ist lo-net² darauf vorbereitet, webbasierte Anwendungen wie beispielsweise Google Docs & Spreadsheet, ThinkFree, zukünftige von Microsoft oder einem heute noch nicht bekannten Anbieter zu integrieren. Allerdings müssen dazu zwei Voraussetzungen erfüllt sein: (1) Dieser Webservice muss entweder kostenfrei oder so kostengünstig über Nutzungsabos für alle Schulen und ihre Akteure angeboten werden, dass die immer noch vorherrschende digitale Spaltung der Gesellschaft nachhaltig aufgehoben werden kann, und (2) keine Speicherung in Texas oder nirgendwo sonst erfolgt, sondern in der "Cloud" von lo-net², also unter den kontrollierten Bedingungen des nationalen Rechtssystems ohne Durchgriff für Google und Co. auf personenbezogene Daten.
Genauso selbstverständlich wie die Programme werden auch die Lernmedien und Lernressourcen den Unterrichts- und Lernprozess über das Internet, egal ob in der Schule oder zu Hause, per lo-net² erreichen. Dies wird sowohl für die Lernressourcen der Bildungs- und Schulbuchverlage als auch die von Lehrerinnen und Lehrern selbst entwickelten Lernmaterialien gelten.Die Visualisierung und Bearbeitung in der Klasse wird zunehmend über interaktive Whiteboards erfolgen und ohne Medienbruch an Notebooks und anderen mobilen Endgeräten sowohl innerhalb der Schule als auch zu Hause fortgeführt werden können. Über intelligente Such- und Findeprozesse sowie pädagogische Werkzeuge wie beispielsweise dem Lernplan werden individualisierte Lernprozesse auf Basis der bereitgestellten oder abonnierten Lernressourcen auch im tagtäglichen Unterrichtsstress damit endlich realisierbar. Und auch vor dem klassischen Schulbuch wird diese Entwicklung nicht haltmachen. Zumindest mittelfristig wird der Zugriff auf das Schulbuch ebenfalls digital erfolgen.Weder kurz- noch langfristig wird das ständig wachsende freie Informationsangebot im Netz nicht die professionelle Entwicklung und Bereitstellung von Inhalten, vor allem von unterrichtsgeeigneten Lernressourcen, ersetzen können. Die notwendige professionelle Qualitätskontrolle kann aus meiner Sicht nicht durch "Social Bookmarking"-Systeme ersetzt werden, die letztendlich immer dem manipulierbaren Mainstream folgen.
Längst bietet ein modernes System wie lo-net² Web 2.0 Dienste wie Blogs, Wikis Chats oder Foren einfach und komfortabel administrierbar an, längst ist lo-net² an die unterschiedlichen Bedürfnisse von Unterricht nicht nur flexibel anpassbar, sondern entwickeln sich auch ständig an den Anforderungen aus der Praxis weiter. Gleichzeitig aber bietet lo-net² die geschützte Umgebung, die Schule und ihre Akteure, insbesondere die Schülerinnen und Schüler, im Internet unbedingt benötigen. Die Zukunft gehört flexibel anpassbaren Lernsystemen die Schulen, Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit bieten, sich ihre ganz individuelle Lernumgebung mit allen notwendigen Funktionen und Lernressourcen in einer abgesicherten und nachhaltigen Umgebung zu schaffen.
Notebooks und andere mobiler Endgeräte mit permanentem Internetzugang werden in einigen Jahren in den Schulen selbstverständlich sein. Schülerinnen und Schüler werden genauso wie Lehrerinnen und Lehrer über einen permanenten Zugang zum Netz verfügen. Und dies nicht über teure Investitionsruinen wie sie über die bisherigen Notebook Programme angeboten wurden, sondern als Beigabe der Zugangs- und /oder Contentprovider, die einen durchgehenden kostengünstigen Netzzugang zu den oben genannten Lernumgebungen und Lernressourcen bieten. Mit dem angebotenen Desktop zu lo-net² für Windows, MacOS und Linux haben wir hierfür bereits die technischen Grundlagen geschaffen.
In den nächsten Jahren wird es entscheidend sein, wie schnell und umfassend Lehrerinnen und Lehrer auf die neuen technologie- und mediengetriebenen Entwicklungen vorbereitet werden. Dazu gehört nicht nur die notwendige IT-, Medien- und Rechtskompetenz, sondern vor allem auch das methodisch-didaktische Rüstzeug, um die in die Schule dringenden Technologien auch sinnvoll im Unterricht und für die immer notwendiger werdende Individualisierung einzusetzen. Gerade den Lehrkräften kommt hier eine ganz wichtige Funktion zu, denn letztendlich müssen sie entscheiden wann und wie der Einsatz neuer Medien in ihre jeweils ganz spezifische von vielen Parametern beeinflusste Unterrichtssituation passt. Die Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrer hat hier eine ganz wichtige Schlüsselfunktion, um die dazu notwendigen Kompetenzen über alle Fächer und Schultypen hinweg in die breite Lehrerschaft zu tragen.
Werner GrafenhainGeschäftsführer der lo-net GmbH
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